"Viel zu kleines Karo"

Ein gutes Wahlergebnis, beste Umfragewerte - die CDU im Land könnte zufrieden sein. Doch in der Landtagsfraktion wächst die Kritik am Vorsitzenden Peter Hauk. Rüstet sich Landtagspräsident Guido Wolf?

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Steht Peter Hauk bald im Regen? Der CDU-Fraktionschef im Land sieht sich interner Kritik ausgesetzt. Foto: dpa

Wenn an diesem Donnerstag Grün-Rot im Landtag einen Knopf an das vieldiskutierte Nationalparkgesetz macht, dann kontert CDU-Fraktionschef Peter Hauk mit seinem erst kürzlich vorgestellten "Bürgernationalpark". Natürlich fällt der durch. Mag der eine oder andere Christdemokrat im späten Gegenentwurf immerhin den "Versuch eines konstruktiven Neins" entdecken, in der Fraktion finden sich viele, die den "quasi im Alleingang" entstandenen Vorstoß "unglücklich" bis "völlig gaga" finden.

Vor allem aber ist er der wachsenden Schar der internen Hauk-Kritiker wieder einmal willkommener Beleg dafür, dass es eben nicht gut läuft im Landtag. Man ist verunsichert, obwohl (oder gerade weil) die CDU im Land doch bei der Bundestagswahl wie in der letzten Umfrage blendend abgeschnitten hat. Das anschwellende Gegrummel jedenfalls ist nicht mehr zu überhören. Und es kommt beileibe nicht nur aus der zusammengeschnurrten Truppe der ehemaligen Mappus-Leute, die sich mit dem Oettinger-Mann Hauk noch immer nicht anfreunden können. Bereitwillig äußern sich - ohne Namensnennung versteht sich - lagermäßig nicht einzuordnende Mitglieder der Fraktion, die mit 60 von 138 Abgeordneten klar die stärkste ist.

Doch Quantität und Qualität sind zweierlei. "Uns fehlen Debatten-Highlights, irgendwas, was auch mal begeistert", wird zum Beispiel als Grund für das "zunehmende Unwohlsein mit Hauk" genannt. Laut wird über das "viel zu kleine Karo" gestöhnt. Dass der knapp 53-jährige Odenwälder, der seit 21 Jahren dem Landtag angehört und seit 2010 Fraktionschef ist, kein guter Redner ist, bestreiten auch seine Fans nicht. In der zweiten Runde falle Hauk, anders als dem gern als "wahrer Oppositionsführer" titulierten FDP-Vormann Hans-Ulrich Rülke, "schon gar nichts mehr ein".

Zweifel an den strategischen Fähigkeiten kommen hinzu. Wenn der CDU-Fraktionschef in einem Atemzug Schwarz-Grün im Bund das Wort redet und sich gleichzeitig an Baden-Württembergs grünem Regierungschef in länglicher Rede abarbeitet, weil dieser sich nicht gegen die Partei-Linke durchgesetzt habe, endet das im Plenum zwangsläufig als "Rohrkrepierer".

Gemaule über die als "sehr defizitär" empfundene interne Kommunikation hört man. Natürlich auch von jenen, die trotz Aufforderung - Hauk: "Ich ermuntere immer wieder zu Engagement" - die frustrierende, immer noch nicht akzeptierte Oppositionszeit am liebsten im Tiefschlaf überstehen wollen. Von "Aktionismus", wie die vielen Initiativen, Foren, Kongresse der Fraktion abschätzig bezeichnet werden, wollen diese Hauk-Kritiker nichts wissen.

Während es anderen zu langsam geht, bis endlich mal eine Alternative zur grün-roten Schulpolitik vorgelegt wird. "Hauk hats auch strukturell nicht leicht, aber warum holt er sich nicht Rat?", fragen Wohlmeinende. Und liefern die Antwort gleich mit: "Er hat sich nicht hochgearbeitet", es fehle ihm an Autorität, daher agiere er immer nervöser.

Mit Grund womöglich: Im Frühjahr sind wieder Fraktionswahlen und die könnten, sollten, müssten, meinen nicht wenige, eine Vorentscheidung bringen - über den CDU-Spitzenkandidaten für die Wahl 2016.

Das Erstgeburtsrecht des Fraktionschefs gibt es nicht mehr. Die Partei selbst hat sich nach der schlechten Erfahrung mit Stefan Mappus das für Anfang 2015 ins Auge genommene Votum vorbehalten. Und mit dem populären Landtagspräsidenten Guido Wolf, dem Stimmenkönig bei den CDU-Beisitzerwahlen, glauben viele vor Ort auch schon den richtigen Kandidaten zu haben.

"Der Hauk kann es nicht", geben Fraktionäre die Stimmung wieder. Auch der Landesvorsitzende Thomas Strobl gilt nicht eben als Hoffnungsträger für das Amt des Regierungschefs. Würde er, was kolportiert wird, Angela Merkels künftiger Generalsekretär, stabilisierte er ohnehin seine Karriere in Berlin. "Landauf, landab" höre man dagegen nur Positives über die Auftritte Wolfs, dem schon mal Wein mit dem Etikett "Sonderabfüllung für künftige Ministerpräsidenten" gereicht wird. Der 52-jährige ehrgeizig- emsige Jurist, der lange Landrat in Tuttlingen war und keinem Lager zuzuordnen ist, erfreut mit rhetorischem Geschick, Humor und bürgernaher Politikvermittlung Schulklassen, Imkerverbände, Seniorentage, macht unermüdlich Firmenbesuche, eröffnet Ausstellungen, stellt sich Diskussionen.

Ob er aber für mehr taugt, sich im harten Schlagabtausch bewährt und gleichzeitig den bislang schmerzlich vermissten Korpsgeist in der Fraktion auslöst, kann er nicht aus der Position des Landtagspräsidenten, sondern nur als Fraktionschef beweisen. Manche sind überzeugt, Wolf habe sich schon für diesen Weg entschieden. Er selbst sagt nur, "ich hör, dass gschwätzt wird". Dafür, dass Hauk von sich aus Platz machen würde, gibt es bislang keine Anzeichen. Eine "blutige Operation" aber, das wissen alle, "birgt die Gefahr der Spaltung".

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