"Professionelle Beratung auch für Angehörige"

In Baden-Württemberg berät die Straffälligenhilfe auch Angehörige von Inhaftierten. Horst Belz, einer der drei Geschäftsführer der Organisation, spricht von "guten Strukturen" im Südwesten.

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Herr Belz, an wen können sich in Baden-Württemberg die Angehörigen von Inhaftierten wenden?

BELZ: In Baden-Württemberg bietet das Netzwerk Straffälligenhilfe ein dichtes Angebot. In 36 Städten gibt es Einrichtungen und Beratungsstellen. Im ländlichen Raum beraten wir telefonisch oder machen Hausbesuche. Die Beratung von Angehörigen gehörte schon immer zu den Aufgaben der Straffälligenhilfe. Tatsächlich sind aber nur etwa zehn Prozent unserer Klientel Angehörige von Inhaftierten.

Sind die Angebote für Inhaftierte in Baden-Württemberg ausreichend?

BELZ: Ich denke ja. In vielen anderen Bundesländern gibt es einen Flickenteppich unterschiedlicher Träger. Dort beneidet man uns um die guten Strukturen. Wir bieten im ganzen Land eine qualitativ hochwertige und einheitliche Beratung.

Wer finanziert diese Beratungen?

BELZ: Früher wurden sie aus Bußgeldern finanziert, die die Gerichte an die Vereine für Staffälligenhilfe überwiesen. In den justiznahen Vereinen engagierten sich damals ehrenamtlich Richter, Bewährungshelfer und pensionierte Beamte. Seit den 70er-Jahren wurde die Arbeit dort aber professionalisiert, seitdem beraten fast nur ausgebildete Sozialarbeiter. Nur noch rund zehn Prozent des Budgets kommen aus Bußgeldern, 90 Prozent tragen das Land und die Kommunen.

Was sind die Hauptprobleme von Angehörigen?

BELZ: Am Anfang geht es oft um grundlegende Informationen: Wie läuft ein Strafverfahren ab, wie sieht das Leben in einer Vollzugsanstalt aus, welche Besuchsmöglichkeiten gibt es? Ganz wichtig ist auch die Sicherung der sozialen Existenz und der Wohnung, vor allem wenn plötzlich der Haupternährer im Gefängnis sitzt. Wichtig ist zudem, das Familienleben so gut es geht aufrechtzuerhalten. In unserem Eltern-Kind-Projekt Chance, das von der Baden-Württemberg-Stiftung gefördert wird, versuchen wir die Beziehung von minderjährigen Kindern zum inhaftierten Elternteil zu fördern. Dabei haben wir vor allem das Kindeswohl im Blick.

Kommen auch Eltern zu Ihnen, die über die Tat ihres straffällig gewordenen Kindes schockiert sind und nicht wissen, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollen?

BELZ: Auch das gibt es, aber eher selten. Wenn Eltern durch das Verhalten des Kindes in eine echte Krise geraten, würden wir sogar raten, eine psychologische Beratungsstelle aufzusuchen. In solchen Fällen stoßen wir Sozialarbeiter an fachliche Grenzen.

Wollen Angehörige auch wissen, wie offen sie mit anderen über die Inhaftierung sprechen können?

BELZ: Ja, da besteht oft große Unsicherheit und auch die Angst, dann selbst stigmatisiert zu werden. Wir raten aber, möglichst offen mit der Situation umzugehen. Meist haben Freunde, Verwandte und Nachbarn durchaus Verständnis und können differenzieren. Sich zurückzuziehen sorgt dagegen nur für neue Probleme. Auch gegenüber Kindern sollten Eltern durchaus offen sein, wir bieten Hilfen für eine kindgerechte Erklärung der Situation.

Info Horst Belz ist einer von drei Geschäftsführern des Netzwerks Straffälligenhilfe Baden-Württemberg (nwsh-bw.de). Das Netzwerk stellt z. B. auch 500 Übergangswohnplätze für Haftentlassene zur Verfügung.

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