"Kuba braucht Veränderungen"

Havanna im Ausnahmezustand: Während Menschenrechtlerinnen an der Teilnahme gehindert werden, zelebriert Benedikt XVI. vor Hunderttausenden eine Messe. Er forderte mehr Freiheiten für die Kirche.

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Der Papst bei seinem Treffen mit Revolutionsführer Fidel Castro. Foto: dpa

Zum Abschluss seiner dreitägigen Kuba-Reise hat Papst Benedikt XVI. mehr Freiheiten für die katholische Kirche gefordert. Diese Freiheit würde den Gläubigen ermöglichen, einen Beitrag zum Aufbau der Gesellschaft, zu Frieden und zu harmonischer Entwicklung zu leisten, sagte der Papst gestern bei einer Messe mit mehreren hunderttausend Menschen auf dem Platz der Revolution in Havanna. "Kuba und die Welt brauchen Veränderungen", rief der Papst. Die werde es aber nur geben, wenn sich Menschen frei dazu entschließen könnten, Versöhnung und Brüderlichkeit zu leben.

Im Beisein von Staatspräsident Raúl Castro rief Benedikt XVI. die Verantwortlichen der Nation auf, weiter gemeinsam mit der Kirche auf dem Weg des "Dienstes am Gemeinwohl der ganzen kubanischen Gesellschaft" voranzugehen. Das Christentum zwinge seine Werte nicht auf, sondern biete sie an.

Der Gottesdienst wurde unter faktischem Ausnahmezustand gefeiert. Kubas Sicherheitskräfte hatten großenteils eine Teilnahme der kubanischen Menschenrechtsgruppe "Damen in Weiß" verhindert. "Die Repression ist so stark wie noch nie", sagte Niurkis Rivera, Mitglied der Gruppe von Angehörigen politischer Gefangener, am Rande der Messe. Viele der Menschenrechtlerinnen seien seit dem Vorabend verhaftet oder faktisch unter Hausarrest gestellt worden. Lediglich Rivera und zwei weitere Mitglieder gelangten bis zum Platz.

Im Anschluss an die Messe traf Benedikt XVI. am Mittwochnachmittag (Ortszeit) mit dem kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro zusammen. Das rund halbstündige Treffen fand in der Apostolischen Nuntiatur statt, in der der Papst während seines dreitätigen Kuba-Aufenthaltes residierte. Castro, der im kommenden August 86 Jahre alt wird, war bereits zweimal mit Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. zusammengetroffen: 1996 bei einem Besuch im Vatikan und zwei Jahre später bei dessen Reise nach Kuba. Der Revolutionsführer hatte den Wunsch geäußert, sich auch mit Benedikt XVI. zu treffen und ihn gebeten, ihm "einige Minuten seiner sehr knappen Zeit" zu widmen. Die Begegnung war nicht Teil des offiziellen Programms.

Am Dienstagabend (Ortszeit) hatte der Papst einen Höflichkeitsbesuch bei Präsident Raúl Castro im Palast der Revolution absolviert. Während einer gut 40-minütigen persönlichen Unterredung äußerte er nach Vatikanangaben den Wunsch der Kirche, sich mehr in der kubanischen Gesellschaft engagieren zu können. Das Thema der politischen Gefangenen in Kuba blieb laut Vatikansprecher Lombardi ausgeklammert. Mit humanitären Interventionen zugunsten inhaftierter Oppositioneller hätten sich die Delegationen befasst.

Die Messe auf dem Platz der Revolution war die letzte Großveranstaltung der Lateinamerika-Reise des Papstes. Nach einer Abschiedszeremonie auf dem Flughafen von Havanna am Nachmittag (23.30 Uhr MESZ) sollte der Papst die Rückreise nach Rom antreten.

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