"Herr, vergib uns": Papst setzt in Auschwitz stille Zeichen

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  • Immer wieder hielt der Papst inne, um zu beten und seine Gedanken den Ermordeten zu widmen. Hier durchschreitet Franziskus das Haupttor des früheren Konzentrationslager Auschwitz. Foto: Pawel Supernak 1/8
    Immer wieder hielt der Papst inne, um zu beten und seine Gedanken den Ermordeten zu widmen. Hier durchschreitet Franziskus das Haupttor des früheren Konzentrationslager Auschwitz. Foto: Pawel Supernak
  • Papst Franziskus in Auschwitz: Schienen führen zum ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz. Foto: Armin Weigel 2/8
    Papst Franziskus in Auschwitz: Schienen führen zum ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz. Foto: Armin Weigel
  • Der Heilige Vater betet an der Todesmauer im ehemaligen deutschen Vernichtungslager. Foto: Radek Pietruszka 3/8
    Der Heilige Vater betet an der Todesmauer im ehemaligen deutschen Vernichtungslager. Foto: Radek Pietruszka
  • Franziskus ist der dritte Papst, der die Gedenkstätte im Süden Polens besuchte. Er traf Überlebende sowie Menschen, die im Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens Juden vor dem Tod retteten. Foto: Radek Pietruszka 4/8
    Franziskus ist der dritte Papst, der die Gedenkstätte im Süden Polens besuchte. Er traf Überlebende sowie Menschen, die im Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens Juden vor dem Tod retteten. Foto: Radek Pietruszka
  • Andächtig vor dem Denkmal für die Opfer des Faschismus. Foto: Darek Delmanowicz 5/8
    Andächtig vor dem Denkmal für die Opfer des Faschismus. Foto: Darek Delmanowicz
  • In einem Besucherbuch in Auschwitz schreibt Franziskus in seiner Muttersprache Spanisch einige Gedanken nieder: "Herr, habe Erbarmen mit deinem Volk!", und "Herr, vergib uns so viel Grausamkeit". Foto: Auschwitz-Birkenau Museum 6/8
    In einem Besucherbuch in Auschwitz schreibt Franziskus in seiner Muttersprache Spanisch einige Gedanken nieder: "Herr, habe Erbarmen mit deinem Volk!", und "Herr, vergib uns so viel Grausamkeit". Foto: Auschwitz-Birkenau Museum
  • Frühere Häftlinge und Vertreter jüdischer Verbände lobten das demütige und stille Auftreten des Papstes in Auschwitz. Foto: Daniel Dal Zennaro 7/8
    Frühere Häftlinge und Vertreter jüdischer Verbände lobten das demütige und stille Auftreten des Papstes in Auschwitz. Foto: Daniel Dal Zennaro
  • Von diesem Papst-Besuch in dem ehemaligen deutschen Vernichtungslager auf polnischem Boden werden wenig Worte, aber entscheidende Gesten in Erinnerung bleiben. Foto: Filippo Monteforte 8/8
    Von diesem Papst-Besuch in dem ehemaligen deutschen Vernichtungslager auf polnischem Boden werden wenig Worte, aber entscheidende Gesten in Erinnerung bleiben. Foto: Filippo Monteforte
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Papst Franziskus hat im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz in aller Stille der Holocaust-Opfer gedacht und Gott um Vergebung für die Grausamkeiten gebeten.

Bei einem Besuch im Stammlager sowie im nahe gelegenen Vernichtungslager Birkenau hielt der Papst immer wieder inne, um zu beten und seine Gedanken den Ermordeten zu widmen. Er traf auch Überlebende und Menschen, die im Nationalsozialismus Juden vor dem Tod retteten. Nach dem Besuch wies der Papst auf heutige Gräueltaten hin. "Die Grausamkeit hört nicht in Auschwitz und Birkenau auf", sagte er vor Teilnehmern der Weltjugendtages in Krakau.

In dem KZ töteten die Nazis mehr als 1,1 Millionen Menschen, vor allem Juden. Franziskus ist der dritte Papst, der die Gedenkstätte im Süden Polens besuchte. Schon zuvor hatte er deutlich gemacht, dass er im Gegensatz zu seinen Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. schweigen wollte.

In einem Besucherbuch in Auschwitz schrieb Franziskus in seiner Muttersprache Spanisch einige Gedanken nieder: "Herr, habe Erbarmen mit deinem Volk!", heißt es dort. "Herr, vergib uns so viel Grausamkeit." Den Faden nahm der Papst am Abend wieder auf, als er vom Fenster des Bischofspalastes in Krakau zu den Jugendlichen sprach. "Wie viel Schmerz, wie viel Grausamkeit", sagte er. "Wie ist es möglich, dass wir Menschen zu so etwas fähig sind?"  

Zum Auftakt seines Auschwitz-Besuches ging der Papst mit leicht gesenktem Haupt und ernster Miene durch das Eingangstor des früheren Stammlagers, über dem der zynische Spruch "Arbeit macht frei" steht. Kurz darauf setzte er sich zwischen den Blöcken hin und verharrte dort etwa 15 Minuten im stillen Gebet.

Franziskus traf mehrere Holocaust-Überlebende und wechselte einige Worte mit ihnen, dann stellte er an der "Todeswand", an der Menschen erschossen wurden, eine Kerze ab. Er berührte auch einen Pfeiler eines Galgens. Im düsteren Keller des Blocks 11 saß und betete der Papst in der nur spärlich beleuchteten Todeszelle des Franziskanermönchs Maximilian Kolbe, der vor 75 Jahren ermordet wurde. Dann verließ der Argentinier das Stammlager erneut zu Fuß und allein durch das Tor.

Auf dem nahe gelegenen Gelände des Vernichtungslagers Birkenau stellte Franziskus am Mahnmal nahe der Ruinen der Krematorien ein Gefäß mit mehreren Kerzen nieder. Auch hier verharrte er minutenlang und in aller Stille und schaute sich die Gedenktafeln an. Ein Rabbiner trug einen Psalm auf Hebräisch vor. Rund 1000 geladene Gäste verfolgten das Geschehen, darunter KZ-Überlebende, die zum Teil Schals und Halstücher in den blau-weißen Häftlingsfarben trugen.

Frühere Häftlinge und Vertreter jüdischer Verbände lobten das demütige und stille Auftreten des Papstes in Auschwitz. "Ich habe den Besuch als anrührend und bewegend empfunden", sagte Eva Umlauf anschließend der Deutschen Presse-Agentur. Die Frau aus München gehörte zu dem Dutzend Überlebender, die Franziskus im kleinen Kreis trafen. "Sein Blick war richtig tief, er hat sich mit jedem von uns befasst."

Der Vize-Exekutivpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner, sagte: "In einer Welt immer schnellerer und lauter Worte ist das Schweigen des Papstes eine starke, beeindruckende Geste." Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, sprach von einem "starken Signal" gegen den Hass. Franziskus sei für die jüdische Gemeinschaft einer der engsten Verbündeten im Kampf gegen Antisemitismus und Fanatismus.

Der Papst ist seit Mittwoch in Polen, wo er am Weltjugendtag in Krakau teilnimmt. Dort stehen bis Sonntag noch mehrere Begegnungen mit den mehr als eine halbe Million Pilgern aus fast 190 Staaten an.

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