"Fußballspiel ist besser abgesichert"

In Budapest spitzt sich die Lage wieder zu. Die Polizei hält Flüchtlinge ab, nach Deutschland weiterzufahren. Bisher sorgten Schlepper dafür, dass zumindest ein Teil der Reisenden Ungarn verlassen konnte.

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Herr Speer, Sie sind als Beobacher für den Verein Bordermonitorin in Budapest. Wie ist die Situation?

MARC SPEER: Im Moment spitzt sich die Lage am Bahnhof wieder zu. Die Polizei hat das Gebäude abgesperrt, vermutlich auf Druck aus Deutschland und Österreich. Noch immer harren dort mehrere tausend Menschen aus. Sie hoffen auf eine Weiterfahrt nach Deutschland.

Was konnten Sie bisher beobachten?

SPEER: Bis zur ersten Ausreisewelle am Montag campierten die Flüchtlinge in den unterirdischen Zugängen zum Bahnhof. Die Polizei hatte sie zunächst gehindert, in das Gebäude zu gelangen oder einen Zug zu besteigen. Jeder kann sich vorstellen, wie ein Platz aussieht, wenn dort tausende Menschen sind - ohne Versorgung. Nur Ehrenamtliche haben sich um sie gekümmert. Weder das Rote Kreuz noch das ungarische THW waren vor Ort. Es gab keine Toiletten, kein Trinkwasser, keine medizinische Betreuung. Das sah aus wie ein Flüchtlingslager in einem Katastrophengebiet.

Warum hat sich die Lage zugespitzt?

SPEER: Schon seit einem halben Jahr sind relativ viele Flüchtlinge in Ungarn. Doch hat es immer einen konstanten Abfluss gegeben, durch die Schleuser. Nach der Tragödie mit 71 Toten haben die erst einmal das Geschäft eingestellt. Das Risiko ist zu groß. Österreich kontrolliert auch wieder an der Grenze.

Hat Ungarn keine Aufnahmelager?

SPEER: Doch, aber sie haben in ganz Ungarn eine Kapazität von rund 3000 Plätzen. 3000 Leute sind zuletzt jeden Tag gekommen.

Wie verhält sich die Polizei?

SPEER: Mein Eindruck war, sie hat sehr genau verstanden, dass die Abriegelung Blödsinn ist. Dabei war es offensichtlich, dass sich die Leute nicht in Luft auflösen oder zurück nach Syrien gehen werden. Auf dem Bahnhofsvorplatz selbst hat die Polizei mit Abwesenheit geglänzt. Da stand nicht einmal vorsorglich ein Krankenwagen. Jedes Fußball-Regionalspiel wird besser abgesichert.

Was erwarten die Flüchtlinge?

SPEER: Sie wollen sich eine sichere Existenz aufbauen. Das geht in Syrien nicht mehr - und ist auch in Ungarn nicht möglich. Meinem Eindruck nach ist vor allem die Mittelschicht unterwegs. Die hat in ihrem Leben noch nie auf dem blanken Boden übernachtet.

Bordermonitoring Der Verein beobachtet und dokumentiert die Situation an den EU-Außengrenzen.

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