"Fußball ist ein Ventil für die Massen"

Otto Pfister hat ägyptische Fußballvereine trainiert, darunter auch den Klub Al-Masry. Er hat selbst erlebt, wie Rivalitäten "in blanken Hass" umschlagen.

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Ist über die Gewaltexplosion in Ägypten nicht überrascht: Trainer Otto Pfister.

Überrascht Sie, dass in Ägypten die Gewalt derart explodiert?

OTTO PFISTER: Überhaupt nicht. Das ist in Ägypten immer möglich, auch ohne politische Motivation. Da sind ganz hohe Emotionen im Spiel, wenn die Topklubs aufeinandertreffen. Durch die politischen Unruhen liegt der Verdacht nahe, dass es nicht nur Fußball-Ausschreitungen waren. Aber das ist Spekulation.

Al-Ahly gilt als Klub des einfachen Volkes, der Mubarak-Gegner. Korrekt?

PFISTER: Al-Ahly-Spieler waren an der Revolution beteiligt. Ich bin kein Politik-Wissenschaftler, aber man nimmt natürlich an, dass es die alten Mubarak-Anhänger waren, die versuchen, Krawall zu machen. Das ist schon schizophren: Al-Ahly ist reich, hat eine Infrastruktur wie Bayern München - und ist dennoch der Klub der Unterprivilegierten. Fußball ist in Ägypten ein Ventil für die Massen. Das können politische Gruppen ausnutzen.

Al-Masry aber, ihr Ex-Klub, ist ein kleiner Verein ohne große Fanbasis. Woher kam dieser Hass?

PFISTER: Es gibt eine jahrzehntelange Rivalität, das ist unglaublich. Der Trainer von Al-Masry ist ein früherer Spieler von mir. Port Said, am Suez-Kanal, das ist eine kleine Stadt, die fühlen sich von den großen Städten wie Kairo und Alexandria vernachlässigt. Mit deutschen Verhältnissen ist das nicht zu vergleichen. Zamalek Kairo gegen Al-Ahly Kairo, das ist wie Dortmund gegen Schalke - aber hoch zehn!

Was haben Sie bei Ihren Trainerstationen in Ägypten erlebt?

PFISTER: Als ich bei Zamalek war, saß der Sohn von Mubarak dort im Vorstand. Bei Derbys ging es richtig zur Sache. Ich habe dann Bodyguards bekommen, die saßen vor meinem Hotelzimmer. Andere Fans drohen Ihnen, halten Autos an - das artet aus in blanken Hass.

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