"Es fehlt ein klares Wort des DFB"

Der Deutsche Fußballbund (DFB) und die Vereine müssen offensiver auf rechtsradikale Auswüchse in den Stadien reagieren und ihre Fans schützen. Das fordert die antirassistische Fan-Organisation BAFF.

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Herr Endemann, gibt es einen Trend zu rechtsextremistisch motivierter Gewalt in den Stadien?

MARTIN ENDEMANN: Es gibt keine belastbaren Zahlen, es gibt keine Stelle, die rassistische Vorkommnisse registriert. Es treten aber deutlich mehr Stadionbesucher offen gegen Gewalt und Rassismus ein, die werden deswegen auch aus dem eigenen Lager angegriffen.

Da gab es spektakuläre Vorfälle. Reagiert der DFB angemessen?

ENDEMANN: Nein, zumindest nicht öffentlich. Der DFB sollte betonen, dass es nicht sein kann, dass Fußballfans angegriffen werden, weil sie zivilgesellschaftliche Werte wie Respekt und Toleranz vertreten. Und der DFB muss den Vereinen klarmachen, dass sie in der Pflicht stehen, sich schützend vor ihre Fans zu stellen. Da fehlt ein klares Wort von oben.

Ein heikles Thema auch für die Vereine - keiner will Fans verprellen.

ENDEMANN: Die Vereine im Profibereich sind in erster Linie Wirtschaftsbetriebe. Die versuchen erst, zu beschwichtigen und herunterzuspielen. Das ist fatal. Die Probleme lassen sich nicht aussitzen.

Gibt es Vereine, in denen man das erkannt hat und anders reagiert?

ENDEMANN: Oft engagiert sich zuerst die Fanseite gegen Rassismus und Diskriminierung. Viele Vereine reagieren erst, wenn auf Missstände aufmerksam gemacht wird. In München gibt es zum Beispiel die "Löwen-Fans gegen Rechts". Die werden jetzt vom TSV 1980 unterstützt. Es ist auch viel besser fürs Marketing, als Verein zu gelten, in dem niemand Angst haben muss vor Übergriffen im Stadion.

In den Amateurklassen gibt es eine große Grauzone. Was raten Sie Vereinen, die rechtsradikale Tendenzen in der Fankurve wahrnehmen?

ENDEMANN: Da wird es viel schwieriger. Die Ressourcen sind begrenzt, es gibt keine hauptamtlichen Fanbeauftragten. Der erste Schritt muss immer sein, so ein Problem auch öffentlich anzusprechen. Klarstellen, dass Leute, die sich rassistisch verhalten, nicht willkommen sind. Auf jeden Fall den DFB informieren, denn letztlich ist der zuständig.

Wie verhalte ich mich als Fan, der sich behelligt fühlt durch Neonazis?

ENDEMANN: Zuerst kann man natürlich die Ordner, notfalls auch die Polizei aufmerksam machen. Vor zwanzig Jahren war Rassismus in vielen Stadien an der Tagesordnung. Da haben Fans sich zusammengeschlossen und dagegen gewehrt. Wenn man das Gefühl hat, dass sich der eigene Verein nicht um die Probleme kümmert, muss man Öffentlichkeit schaffen, die Presse informieren, Druck machen.

Gibt es Verbindungen der rechten Szene in den Stadien zum organisierten Rechtsradikalismus?

ENDEMANN: Ganz klar. Überall, wo es starke rechte Kameradschaften oder ähnliche Gruppen gibt, treffen sich diese Leute auch beim Fußball. Man sieht das am Beispiel Dortmund. Es gibt auch Verbindungen zwischen rechten Fans einzelner Vereine. Da wird bei Konflikten Verstärkung geholt. Am Überfall auf antirassistische Fans in Duisburg nahmen Neonazis aus Dortmund teil.

Info Martin Endemann ist Sprecher des "Bündnis Aktiver Fußballfans" (BAFF), in dem 40 Fan-Initiativen gegen Rassismus und Diskriminierung in Stadien vorgehen.

www.aktive-fans.de

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