"Der Begriff Region ist sehr schwammig"

Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärt beim virtuellen Gang durch den Supermarkt, auf was die Kunden beim Einkauf achten sollten. Einige Auszeichnungen sind irreführend.

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Sabine Holzäpfel fordert ein staatliches Fleischsiegel. Foto: Verbraucherzentrale

Im Supermarkt steht der Kunde zuerst in der Obst- und Gemüseabteilung. Welche Siegel gibt es dort?

SABINE HOLZÄPFEL: Auf jeden Fall das europäische und auch das staatliche deutsche Bio-Siegel. Die Produkte entsprechen dann der europäischen Öko-Verordnung. Auch freiwillige Regional-Kennzeichen sind hier zu finden. Ansonsten gilt, wie bei allen Lebensmitteln: Es darf nicht getäuscht werden. Äpfel vom Bodensee sollten von dort stammen und nicht aus der Region um Stuttgart. Gerade bei regionalen Produkten sind die Angaben oft ungenau. Entscheidend ist, was der Verbraucher darunter versteht, nicht was der Anbieter gern verstanden wüsste. Verpflichtend muss bei Obst und Gemüse - bis auf wenige Ausnahmen - das Erzeugerland in unmittelbarer Nähe des Produkts angegeben sein.

Wie genau ist die Regional-Kennzeichnung von Lebensmitteln, beispielsweise das "Regionalfenster"?

HOLZÄPFEL: Diese freiwillige, private Kennzeichnung ist nicht transparent genug. Als regional gilt ein Produkt schon dann, wenn 51 Prozent der Zutaten aus der beworbenen Region stammen. Der Begriff Region ist sehr schwammig, sie muss nur kleiner als Deutschland sein. Das ist zu weit gefasst. Der Hinweis auf Maultaschenpackungen, dass Schweine und Weizen aus Baden-Württemberg stammen und in Ditzingen verarbeitet werden, ist ungenau. Der Verbraucher sollte erfahren, ob Tiere und Getreide aus seiner Umgebung kommen oder einem anderen Landesteil.

Im Kühlregal findet man neben Bioprodukten auch das "Ohne Gentechnik"-Siegel.

HOLZÄPFEL: "Ohne Gentechnik"ist ein freiwilliges Siegel, es basiert aber auf einer gesetzlichen Definition. Das heißt aber nicht, dass Tiere nie gentechnisch verändertes Futter erhalten. Es gelten Sperrfristen, Milchkühe dürfen beispielsweise drei Monate vor der Milcherzeugung kein solches Futter mehr fressen.

Die Fleischwirtschaft hat mit ihrem schlechten Ruf zu kämpfen. Schaffen Fleischsiegel hier Abhilfe?

HOLZÄPFEL: Der Tierschutz ist im Grundgesetz verankert und damit als staatliches Ziel definiert. Es gibt mittlerweile einige private Siegel mit verschiedenen Kriterien. Das Tierschutzbund-Label ist ein Schritt in die richtige Richtung, kann ein obligatorisches staatliches Kontrollsiegel aber nicht ersetzen. Die Zeichen sind sehr uneinheitlich und für den Verbraucher kaum vergleichbar und verständlich. Beim Tierschutzbund gelten zum Beispiel die Kriterien derzeit nur für Mastschweine und -hähnchen. Darum fordern wir ein gesetzlich definiertes, einheitliches Kennzeichen für Tierschutzstandards.

Was findet man sonst noch in den Supermarktregalen?

HOLZÄPFEL: Staatliche Bio-Siegel, die der Anbauverbände und auch die Handelsketten versuchen, mit Bio-Eigenmarken zu punkten. Die EU-Standards müssen aber jeweils eingehalten werden. Dann findet man die Fairtrade-Logos, etwa vom Verein Transfair oder von Unternehmen wie Gepa oder dwp. Hier gibt es keinen gesetzlichen Standard, die Kriterien sind unterschiedlich, die Organisationen definieren diese selbst. Im Fokus steht eine faire Bezahlung der Erzeuger, die beim Kakao deutlich über dem Weltmarktpreis liegt. Im vergangenen Sommer erzielte der Preis pro Tonne Kakao 2512 US-Dollar, der faire Handel legte eine Prämie von 200 Dollar drauf. Die Bauern bekommen einen Mindestpreis von 2000 Dollar je Tonne garantiert, auch wenn der Weltmarktpreis sinkt.

Info

Sabine Holzäpfel ist Lebensmittelreferentin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

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