Wulff auf dem Sprung

Berlin.  Der künftige Bundespräsident heißt wahrscheinlich Christian Wulff. Auf dessen Kandidatur einigten sich Union und FDP. Seine Wahl gilt als sicher, obwohl SPD, Grüne und Linkspartei den Vorschlag ablehnen.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) soll neuer Bundespräsident und damit Nachfolger des am Montag zurückgetretenen Horst Köhler werden. Die Vorsitzenden der Berliner Koalitionsparteien, Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Guido Westerwelle (FDP), präsentierten den 50-Jährigen gestern Abend in Berlin.

Wulff wäre das bisher jüngste deutsche Staatsoberhaupt. Merkel erhofft sich von dem Kandidaten offenbar frischen Wind für das hohe Amt. Westerwelle nannte Wulff einen Mann mit einem "klaren inneren Kompass", der es verstehe, für alle Bürger da zu sein. Seehofer sagte, das CSU-Präsidium habe einstimmig beschlossen, Wulff zu nominieren. Wulff versprach, "etwas für den Zusammenhalt der Gesellschaft" zu tun.

SPD und Grüne kritisierten die Entscheidung der Koalitionsparteien und kündigten an, Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vorzuschlagen. Gauck war erster Beauftragter für die Aufarbeitung DDR-Stasi-Unterlagen. Der Bürgerrechtler gehörte 1990 der ersten und letzten frei gewählten DDR-Volkskammer an. Angeblich trafen sich der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Jürgen Trittin, bereits Gauck, um dessen Bewerbung zu erörtern. Er soll seine Zustimmung gegeben haben, als Gegenkandidat der Opposition in die Präsidentenwahl zu gehen.

Gabriel zeigte sich enttäuscht, dass es nicht, wie von Merkel angekündigt, zu einem gemeinsamen Kandidaten gekommen sei, der über Parteigrenzen hinweg akzeptiert werde. Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir erklärten: "Bundeskanzlerin Merkel hat die Chance vertan, auf die ernste Situation mit einer allseits respektierten Persönlichkeit an der Staatsspitze zu antworten."

Die Vorsitzenden der Linken, Klaus Ernst und Gesine Lötzsch, sprachen sich sowohl gegen Wulff als auch gegen Gauck aus und kündigten an, einen eigenen Kandidaten zu präsentieren.

Termin für die Wahl des Bundespräsidenten ist der 30. Juni. Dann kommt die Bundesversammlung zusammen, in der Union und FDP über eine stabile Mehrheit verfügen: Von den 1244 Wahlmännern der Bundesversammlung stellen die Koalitionsparteien mindestens 644 - 21 Wahlleute mehr als für die absolute Mehrheit nötig sind. Damit könnte Wulff auch ohne Hilfe anderer Parteien bereits im ersten Durchgang gewählt werden.

Der Niedersachse schlug Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aus dem Rennen, die vorübergehend als Favoritin für den Einzug in Schloss Bellevue gegolten hatte. Unseren Informationen zufolge kam der Widerstand gegen die 51-Jährige, die für unverzichtbar im Bundeskabinett erklärt wurde, vor allem von den CDU-Ministerpräsidenten. Unter anderem gab es Bedenken, ob sie angesichts der Krise der Staatsfinanzen die richtige Kandidatin für das hohe Amt sei.

Als aussichtsreichster Kandidat für Wulffs Nachfolge als Ministerpräsident in Hannover gilt der niedersächsische CDU-Fraktions- und Landesvorsitzende David McAllister. In diesem Zusammenhang wurde aber auch der Name von der Leyen genannt.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: VON UNSEREN AGENTUREN UND KORRESPONDENTEN | 04.06.2010

Google 1+

Umfrage: "Mein Schatz soll Bundespräsident werden"

Ulm Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler hat in der Koalition die Suche nach einem Nachfolger begonnen. Die SÜDWEST PRESSE hat sich in Ulm umgehört, wen die Menschen gerne als Bundespräsident hätten. ... mehr

Kommentar: Ein großes Missverständnis

Berlin Der verstörende Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler markiert den Schlusspunkt eines großen Missverständnisses. ... mehr

Koalitionsspitze berät über Köhler-Nachfolge

Berlin Die Spitzen der schwarz-gelben Koalition beraten an diesem Dienstagvormittag über die Nachfolge des überraschend zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler. ... mehr

Köhlers Rücktritt schockt das Land

Berlin Bundespräsident Horst Köhler ist gestern überraschend mit sofortiger Wirkung zurückgetreten und hat damit die deutsche Politik geschockt. Die Krise der Regierung von Angela Merkel verschärft sich.... mehr

Knall auf Fall

Horst Köhlers Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten hat die Bundeshauptstadt und die Spitzenpolitiker völlig überrascht. Selbst die schärfsten Kritiker hatten nicht mit einer so radikalen Reaktion gerechnet.... mehr

Der glücklose Präsident

Am Anfang fremdelte der Seiteneinsteiger nur in seinem Amt. Zum Schluss aber ging ein Riss durch die Beziehung zwischen Horst Köhler und der Politik. Auch die Medien hatten mit ihm abgeschlossen.... mehr

Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil

Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um

Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr

Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters

Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr

Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam

Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen

Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr