Wortsalat mit Nabelschau

In Wahlkämpfen ist es wichtig, Botschaften verständlich zu vermitteln. Doch das fällt Parteien besonders schwer, wenn es um die EU geht.

ANDREAS CLASEN |

Der Esel nennt sich zuerst. Eltern sagen das ihren Kindern, um ihnen beizubringen, dass es unhöflich ist, sich selbst so in den Vordergrund zu stellen. Den Verfassern des Europawahl-Programms der Alternative für Deutschland (AfD) ist das offensichtlich egal. Im Gegensatz zu den Programmen von CSU, CDU und SPD, Grüne, FDP und Linke steht im Papier der Euro-Skeptiker nicht Europa im Vordergrund, sondern ein anderer Begriff kommt am häufigsten vor: AfD.

Der Verständlichkeit dient diese Nabelschau nicht, wie eine Studie der Universität Hohenheim in Kooperation mit CommunationLab Ulm belegt. Die Experten haben sich die Europawahlprogramme der sieben Parteien angeschaut. Je nachdem wie lang etwa Sätze ausfielen, wie viele Fremdwörter oder Anglizismen sie zählten, verteilten sie null Punkte bei Unverständlichkeit und 20 Punkte bei maximaler Klarheit. Die AfD landete mit 6,4 Punkten auf dem letzten Platz dieses Verständlichkeitsindexes. Konstruktionen wie "Libor-Manipulationen" oder "konfiskatorische Staatseingriffe" brachten sie dorthin.

Beim nächsten Mal sollte sich die AfD besser am Schreibstil der CSU orientieren. Das Programm der Bayern nimmt mit 13 Punkten den ersten Platz ein. Der Parteiname taucht darin kaum auf, dafür häufig Europa und Deutschland. Auf Platz zwei und drei folgen CDU und SPD. Unter dem Durchschnitt von 8,9 Punkten liegen die anderen vier Parteien.

Zur Ehrenrettung der AfD ist zu sagen: Es ist ihre erste Europawahl, und laut Studie formulieren deutsche Parteien ihre Europawahlprogramme im Vergleich zu Handreichungen zu anderen Abstimmungen stets besonders kompliziert. Den Unverständlichkeitsrekord hält die Linke. 1999, als sie noch PDS hieß, erreichte ihr Programm zur Europawahl nur 2,4 Punkte. Damit war es noch unverständlicher als durchschnittliche politikwissenschaftliche Doktorarbeiten. Die liegen bei 4,3 Punkten.

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