Wettrennen mit der Zeit um Lösegeld für Maria Bögerl
Auch zwei Monate nach der Entführung der Heidenheimer Bankiersfrau Maria Bögerl gibt es keine erfolgversprechende Spur, die zum Täter führen könnte. Aber es werden immer mehr Details bekannt.
Die Hälfte der mehr als 5000 Spuren im Mordfall Maria Bögerl sind abgearbeitet. Die 80-köpfige Sonderkommission "Flagge" ist auch zwei Monate nach der Ermordung der Ehefrau des Heidenheimer Sparkassendirektors Thomas Bögerl fieberhaft mit der Aufklärung eines der widersprüchlichsten Fälle der Kriminalgeschichte beschäftigt. Bislang fehlt die heiße Spur, die zum Täter führen könnte.
Doch inzwischen verdichtet sich das Bild von den Abläufen am Entführungstag, dem 12. Mai, und der verzögerten Lösegeldbeschaffung. An jenem Vormittag befindet sich der Heidenheimer Sparkassenchef Thomas Bögerl im Niederstotzinger Rathaus, er hat einen Termin bei Bürgermeister Gerhard Kieninger. Es geht um Kreditkonditionen für die Gemeinde. Der Anruf des Entführers erreicht Bögerl um 11.23 Uhr im Rathaus, bestätigte der Heidenheimer Polizeisprecher Horst Bauer. Bögerl erkennt die Handynummer seiner Frau, entschuldigt sich und verlässt das Zimmer. Als er zurückkehrt, berichtet er, dass seine Frau entführt worden sei. Das Telefonat ist der einzige Kontakt Bögerls mit dem Entführer.
Von "Ungläubigkeit" und einer "völlig irrealen Situation" spricht Kieninger, wenn er sich an die Sekunden danach erinnert. Schnell sei die Fassungslosigkeit jedoch gewichen, "wir sind sofort dazu übergegangen, die Wünsche des Entführers rational abzuarbeiten". Die beiden Männer und ein Mitarbeiter Bögerls, der bei der Geschäftsbesprechung dabei ist, beraten, was sie tun sollen. Der Entführer, der sich als "Schmid" ausgab, hatte davor gewarnt, die Polizei einzuschalten. Und er fordert 300.000 Euro Lösegeld für die Freilassung der Frau.
Die drei Männer entschließen sich, doch den Weg zur Polizei einzuschlagen. Sie wollen möglichst vorsichtig vorgehen, um das Leben von Maria Bögerl nicht zu gefährden. Kieninger lässt seine Sekretärin bei der Polizeidirektion Heidenheim anrufen und nach einem ihm gut bekannten Beamten fragen. Sie weiß nicht, worum es geht. Als sich der Beamte meldet, wird er ins Dienstzimmer des Bürgermeisters durchgestellt. Kurz nach 11.30 Uhr weiß er von der Entführung. Die Zeit ist knapp. "Schmid" hatte gefordert, das Geld müsse um 13 Uhr übergeben werden, Bögerl konnte ihn auf 14 Uhr hochhandeln. Der Entführer gab die Stückelung des Lösegeldes exakt vor.
"Schnell war klar, dass der Name Bögerl bei der Beschaffung des Lösegeldes nicht auftauchen sollte", erzählt Kieninger. Das habe innerhalb weniger Minuten - nach einem Telefonat mit der Polizei - fest gestanden. "Also musste eine reale Person her, die das Geld abholt." Die Konsequenz daraus sei gewesen, dass die Stadt Niederstotzingen diesen Part übernimmt. Zuerst wird bei den Hausbanken der Stadt - zunächst der Sparkasse Heidenheim - angefragt, ob sie den Betrag sofort bereit stellen kann. Es stehe ein wichtiges Geschäft der Stadt mit einem Investor an. "Das ist nicht ganz aus der Luft gegriffen", sagt Kieninger. Es habe schon einmal ein Geschäftspartner der Stadt in der Bank auf sein Geld gewartet. "Deshalb haben wir diesen Weg gewählt." Aus Heidenheim kommt eine Absage, die Sparkasse stellte daraufhin den Kontakt zur Bundesbankfiliale in Ulm her. Rund eine Dreiviertelstunde nach dem Anruf des Entführers erhalten sie die Nachricht, dass das Geld in Ulm bereit liegt.
Bürgermeister Kieninger weist eine Mitarbeiterin der Stadt an, die 300.000 Euro abzuholen. Er selbst ist dazu nicht berechtigt. Laut Geschäftsordnung der Stadt muss zwischen Anweisung und Vollzug getrennt werden. Die unterschriftsberechtigte Rathausangestellte, die nur weiß, dass es um ein Grundstücksgeschäft geht, fährt in Begleitung städtischer Mitarbeiter nach Ulm. Das Geld wird ihr vorgezählt, gegen 13.45 Uhr fahren sie zurück ins Niederstotzinger Rathaus. Polizeisprecher Bauer sagt, auch aus heutiger Sicht sei das der richtige Weg gewesen, alles andere hätte mehr Zeit in Anspruch genommen.
Da ist bereits klar, dass sie die Zeitvorgabe nicht einhalten können. Das Lösegeld wird in einen grünen Plastiksack gesteckt. Um 14.20 Uhr haben die Geldboten die 33 Kilometer von der Ulmer Bank zum Niederstotzinger Rathaus hinter sich. Aber es wird noch ein blauer Sack gesucht, den der Entführer vorgeschrieben hat. Im Keller des Rathauses findet sich einer.
Viel wird darüber diskutiert, ob mit diesem Manöver nicht Zeit vertan wurde. "Das ist leicht daher gesagt", meint Kieninger. Sie hätten unter Hochdruck nach einer Lösung gesucht, es sei einfach nicht schneller gegangen. Ihre Anspannung - "wir waren isoliert in einem Zimmer" - sei ständig gestiegen. Je mehr Zeit nach dem Anruf verging, umso deutlicher sei ihnen geworden, dass das Schicksal von Maria Bögerl immer ungewisser ist. "Wir waren alle erschüttert."
Wie es weiterging? "Ich war in meinem Zimmer, als die Polizei mit Herrn Bögerl raus ging", erzählt der Bürgermeister. Er könne deshalb nicht sagen, wer im Auto saß, um das Lösegeld zu überbringen. Nachdem die verbliebenen Polizisten im Rathaus einen Anruf erhielten, rückten sie gegen 15.30 Uhr ab. Angeblich war nach einer Konferenz mehrerer Polizeidienststellen entschieden worden, Thomas Bögerl nicht allein zur Übergabe fahren zu lassen, weil das zu gefährlich sei.
Es ist nach unbestätigten Meldungen 15.27 Uhr, als Thomas Bögerl den blauen Plastiksack mit dem Lösegeld aus dem Auto wirft, eineinhalb Stunden zu spät. Der Sack wird nicht mehr abgeholt. Am Abend des 3. Juni entdeckt ein Spaziergänger die Leiche von Maria Bögerl am Rand eines Waldstücks etwa 1,5 Kilometer nördlich des Übergabeortes. Der Todeszeitpunkt lässt sich nicht mehr genau genug feststellen. Damit bleibt vorerst unklar, wann Maria Bögerl ermordet wurde.
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Autor: WILLI BÖHMER, PETRA LAIBLE | 19.07.2010
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Zeuge vom Tag der Entführung: Gerhard Kieninger, Bürgermeister in Niederstotzingen.
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Kommentare (6)
Allgem. wie Besonderes zur Kriminalistik.
"Headhunter" denken etwas anders wie die Polizei !Mit einer Gr. mit allenfalls 5 Detektiven / Scharfschützen
wäre es für den kurz angesetzten Termin - ohne gr.
Aufwand - nie zum Nachteil des Opfers gekommen.
Allein meine städtische Erfahrung als "Ländler"
war die Sicherheit zu 95% gegeben.
Frankfurter Banausen haben profihaft z.B. einen
Innenhof mit Leitern gebrückt und anschl. dicke
Eisengitter gedehnt, Alarmstufen heruntergedreht
- ohne dasAndere ! - sie sind trotzdem serial in
Fallen gelaufen.. außerhalb !
Das Peoblem ist nicht allein die Zuwanderung,
wir haben in eigenen "Reihen" auch "böse Buben"!
Fortsetzung 2
Dieser erkannte Widerspruch würde ganz große neue Fahndungsmöglichkeiten bedeuten, denn der Personenkreis mit einem derartigen land-/forstwirtschaftlichen Bezug und Ausrüstung ist überschaubar.Nun braucht es nun Befragsungslisten entscheidender Leute, also "Wald-Kollegen". Wie solche Listen aussehen könnten habe ich in einem anderen Fall mal der Polizei mitgeteilt und was ich sagte hat sich später zu 100 % bestätigt.
Im Fall Michelle hatten 180 SoKo-Kriminalkisten inkl. 7 Profiler ein halbes Jahr lang im Nebel gestochert. Nach 3 Tagen eigener Recherche hatte ich denen dann nicht nur den entscheidenden Hinweis zum Täter gegeben, sondern auf einer halben Din A4 Seite auch eine haargenaue detaillierte Anleitung wie über eine Befragung bestimmter Leute der Täter in einem halben Tag als Hauptverdächtiger feststeht, genau das hat sich später zu 100 % bestätigt.
Hier
http://forum.lvz-online.de/nachrichten-aus-deutschland/3163-fall-michelle-belohnung-beantragt-fuer-opfer.html
Nebenschauplätze contra ein neuer Fahndungsansatz
Verbrechern auf jede erdenkbare Forderung hin optimalst bei Fuß und zu Diensten zu sein, kann nicht das neue Ideal werden, Info-Politik und Lösegeldbeschaffung waren nicht optimal, aber hier muss bei der Kritik die Kirche im Dorf bleiben.Jedoch geht es hier nun vor allem um die Ergreifung des Täters und dazu habe ich brandheisse neue Hinweise.
Zuerst ein Rückblick, ich bin der, der am 17.05.10 , 11:37 Uhr der Soko den Fahndungstip bzgl. Touristenfotos aus kloster Neresheim gab, genau so wurde dann später bei Aktenzeichen XY gefahndet. Nun habe ich neue Hinweis, die Polizei erkennt aber leider noch nicht die Brisanz.
Zuerst die Herleitung:
1.) Das Bögerl Auto ins Kloster machte nur zu Beginn der Entführung Sinn, später wäre es ein sinnloses Risiko im gesuchten Wagen herumzufahren, und das konnte zu Anfang nur dem einen Zweck dienen, ein Umsteigen in ein anderes Fahrzeug noch eine Weile zu verheimlichen.
Wahrscheinlichkeit 99 % und das Gleiche, dass es dann Komplizen gab.