Weniger Menschen, mehr Lebensqualität
An guten Jobs für junge Menschen mangelt es in Zukunft nicht, sagt Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung. Doch auch die Lasten steigen. Die Alten werden eine ziemlich bunte Truppe bilden.
Es wird immer weniger junge Menschen geben. Was erwartet diese künftigen Generationen?
STEFFEN KRÖHNERT: Für die Jugendlichen bedeutet das zunächst, dass sie mehr Chancen haben. Es ist bei ihnen genau umgekehrt wie bei der Babyboomer-Generation, die zwischen 1955 und 1965 geboren wurde, die überall zu viele waren. Die Jugendlichen der Zukunft werden keine Probleme mehr haben, gute Jobs zu finden.
Ab wann werden Jüngere auf dem Arbeitsmarkt deutlich bessere Chancen haben?
KRÖHNERT: Etwa von 2020 an. Das ist aber regional sehr unterschiedlich. In Ostdeutschland kommt bereits jetzt nur eine halbierte Generation der nach 1990 Geborenen ins Erwachsenenalter.
Wie wirkt sich das in den Städten und auf dem Land aus?
KRÖHNERT: In den Städten wird man vom Bevölkerungswandel viel weniger merken als auf dem Land. Die Kluft wird größer, ländliche Gegenden drohen auszubluten.
Die Kehrseite für die Jüngeren ist, dass sie immer mehr Ältere versorgen müssen.
KRÖHNERT: Ja, die Belastung erhöht sich dramatisch. Es ist gut möglich, dass gut qualifizierte Jüngere deshalb vermehrt auswandern. Erst nach 2060 zeichnet sich eine Umkehr ab. Dann wird die Belastung wieder sinken, weil die Babyboomer gestorben sind und nicht mehr so viele Alte nachrücken.
Lässt sich die Entwicklung bis 2060 noch gravierend ändern?
KRÖHNERT: Das glaube ich nicht. Der Trend ist ganz klar. Durch Zuwanderung oder eine leicht steigende Geburtenrate könnte er abgemildert, aber nicht gestoppt oder gar umkehrt werden.
Was bedeutet das politisch?
KRÖHNERT: Jüngere haben es immer schwerer, ihre Interessen durchzusetzen, etwa in Wahlen. Es ist wahrscheinlich, dass Politik für die ältere Mehrheit und gegen die jüngere Minderheit gemacht wird. Die jetzt abgegebene Rentengarantie ist schon ein Beispiel dafür. Die Parteien wollen es sich mit den Älteren nicht verscherzen. Für die Jüngeren wird das frustrierend sein.
Wie steht Deutschland international da?
KRÖHNERT: Beim Durchschnittsalter liegt Deutschland europaweit gemeinsam mit Italien an der Spitze. Irland hat die verhältnismäßig jüngste Bevölkerung, die Paare dort bekommen mehr Kinder.
Hat eine niedrigere Bevölkerung auch Vorteile?
KRÖHNERT: Prinzipiell schon. Weniger Menschen können mehr Lebensqualität bedeuten - es gibt mehr Platz, mehr Grün, nicht so viele Staus. Für die Umwelt dürfte das gut sein. Die Wirtschaftskraft aber stagniert oder sinkt gar, die nicht mehr ausgelastete Infrastruktur verursacht hohe Kosten.
Beispielsweise?
KRÖHNERT: In Ostdeutschland kann man das schon im Kleinen sehen: Die Buslinien sind nicht mehr ausgelastet und werden eingestellt, es gibt zu viele Wohnungen. Kindergärten und Schulen werden geschlossen, auf dem Land mangelt es an medizinischer Versorgung.
Werden sich die Älteren und Alten ändern müssen?
KRÖHNERT: 2060 wird ein 65-Jähriger noch knapp 25 weitere Jahre vor sich haben. Das ist ein eigenständiger Lebensabschnitt, in dem viele noch gesund sind. Man wird nicht darum herumkommen, dass diese fitten Alten einige Zeit länger arbeiten - zumindest wenn sie es wollen.
Welche Alten hat man in Zukunft?
KRÖHNERT: Das wird eine bunt gemischte Gruppe sein. Die heutigen Alten stellen eine homogene Gruppen dar - sie haben zu 80 Prozent einen Volksschulabschluss, ähnliche Werte und Sichtweisen. Die Alten der Zukunft aber besitzen eine unterschiedliche Bildung, haben verschiedenste Interessen und Wünsche. Sie werden vielfältige Dinge machen und nicht alle im Schwarzwald zu Kaffee und Kuchen einfallen. Im Pflegeheim wird man auch mal AC/DC hören.
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Autor: PATRICK GUYTON | 20.11.2009
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Steffen Kröhnert: Jüngere haben es immer schwerer, ihre Interessen in der Politik durchzusetzen.
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