Was trieb Mircos Mörder?

Mänchengladbach.  Nachdem Mircos Mörder bei seinem Geständnis laut Polizei gelogen hat, steht seine Version der Tat wieder im Zweifel. Was trieb Olaf H.? War es wirklich Stress im Beruf? Als Kind sei er selbst missbraucht worden, sagt er nun.

Das Geständnis war beängstigend: Als Ventil für Stress im Beruf musste Mirco sterben, behauptete sein Mörder, bis dahin ein  völlig unauffälliger, treu sorgender Familienvater. Damit hätten Millionen Menschen in Deutschland ein Mordmotiv. Doch nun kam  heraus: Den „Anpfiff“ vom Chef, der laut Olaf H. (45) Auslöser der Tat war, hat es gar nicht gegeben. Der angeblich so despotische  Vorgesetzte weilte friedlich im Urlaub.

Damit hat Olaf H. Zweifel an seinem Motiv genährt: Was trieb den geständigen Kindermörder wirklich? Warum musste Mirco  sterben? Die Obduktion von Mircos Leiche hat nicht aufklären können, was dem Jungen widerfuhr. Nach fünf Monaten im Wald war  die Todesursache nicht mehr zu klären.

Nun hat Olaf H. angedeutet, als Kind selbst sexuell missbraucht worden zu sein. „Das kann wahr sein oder eine  Schutzbehauptung. Er könnte ja konkreter werden“, sagt der Kriminalist und Autor Stephan Harbort der dpa. „Solche Täter suchen  selbst nach Erklärungen für ihr Verhalten. Bei Serienmördern hat sich herausgestellt, dass die eigene Opferrolle als Kind mitunter  gelogen war.“ Viele dieser Täter seien „Meister der Verstellung“.

Deswegen müsse das Geständnis aber nicht insgesamt falsch sein: „Ich kenne kein Geständnis, bei dem sofort immer alles  gestimmt hat“, sagt Harbort, der mehrere Bücher über Serienmörder publiziert hat.

Der Verteidiger von Olaf H., Gerd Meister, sagte, sein Mandant habe den Missbrauch nur angedeutet und sich noch nicht näher  dazu eingelassen. Grundsätzlich sei Olaf H. aber bereit, sich dazu gegenüber einem Psychologen zu äußern. Ein Abgleich mit der bundesweiten DNA-Datenbank hat den aufkeimenden Verdacht, Olaf H. könnte ein Serienmörder sein, nicht erhärtet. Zu keinem   weiteren Fall passt sein genetischer Fingerabdruck.

Auch wenn Olaf H. vor der Tat nicht von seinem Chef „zusammengefaltet“ wurde, könnten Probleme im Beruf oder in der Ehe dennoch der Auslöser des Mordes an Mirco gewesen sein, sagt Harbort. „Menschen, die Probleme beim Umgang mit Konflikten  haben, reagieren ihre Minderwertigkeitsgefühle manchmal an einem Zufallsopfer ab.“ Dieser Tätertyp sei sogar häufiger als der  pädophile oder sadistische Täter.

Demzufolge wäre Mirco Opfer geworden, weil er praktisch wehrlos und leicht kontrollierbar war und damit besonders geeignet für  die Macht- und Tötungsfantasien seines Peinigers. Dass es dabei offenbar auch zu sexuellen Handlungen kam, ist für die  Experten kein Widerspruch. „Es handelt sich dann um sexualisierte Gewalt und nicht um pervertierte Sexualität. Dem Täter geht es  also nicht um sexuelle Befriedigung, sondern in erster Linie um Machtausübung.“

Dass Olaf H. als Bereichsleiter beruflich selbst in einer Machtposition war, muss ebenfalls kein Widerspruch sein. „Über jedem Chef steht noch ein Chef. So eine Sandwich-Position kann sehr unangenehm und konfliktträchtig sein, wenn man damit nicht  umgehen kann“, sagte Harbort. So könnte sich Olaf H. in seiner Position subjektiv durchaus ohnmächtig gefühlt haben.

Dass H. zweimal geschieden worden sei, sei ein Indiz dafür, „dass er bestimmte Konfliktsituationen nicht so lösen konnte wie vielleicht andere“. Taten wie der Mord an Mirco hätten meist eine jahrelange Vorgeschichte von bis zu 15 Jahren. Meist habe der  Täter in dieser Zeit „einen Hinweis gesetzt“ auf das, was in ihm brodelt. Oft sei dies für das Umfeld aber nicht erkennbar.

Und dass Olaf H. zu dem, was er konkret mit Mirco gemacht hat, schweigt, sei dabei typisch. „Viele Täter bekommen es nicht hin, sich zu ihren eigenen Perversionen zu bekennen. Diese Stigmatisierung will man sich und seinen Angehörigen nicht zumuten.“ Als Ersttäter sei H. mit 45 Jahren allerdings recht alt. „Mehrheitlich sind solche Täter bei der ersten Tat 16 bis 35 Jahre alt.“

Ein psychiatrischer Gutachter könnte dennoch aufklären, aus welchem Grund Mirco sterben musste. „Kennt man die Persönlichkeitsstruktur des Täters, kann man das relativ sicher nachvollziehen.“ Aber selbst wenn dies am Ende offen bliebe:  Dem Beschuldigten droht lebenslange Haft.


Kommentare (4)

27.04.2011 17:29 Uhr |   zauberwind

Eltern verspüren keinen Hass

Mircos Eltern empfinden keinen Hass, scheinbar war auch nie eine Liebe vorhanden. So gleichgültig können Eltern doch nicht reagieren, sie tragen doch Mitschuld, wer lässt einen 10jährigen so spät auf der Straße. Aber Mitleid von allesamt erhalten, hoffentlich wird das bei jedem Kind so gehandhabt, wenn die Eltern so gefühlskalt sind wie Mircos Eltern nun scheinen.
Ist doch nicht normal zu lesen, dass die Eltern keinen Hass empfinden, das Kind wurde doch getötet, das ist doch genug Grund jemand zu hassen. Da kann kein Mitleid rüberkommen, sicherlich ausreichend nun mit finanziellen Mitteln versorgt, sodass Gefühle gar nicht mehr vorhanden sind.
23.02.2011 00:48 Uhr |   unbekannt

Polizei ist unfähig

Mirkos Mörder -- ein Typ, der Frust ablassen musste, ist ja schon lächerlich sowas....die Ermittler scheinen nicht fähig zu sein, einen Mörder zu überführen und daher wird nun irgendjemand ,der zuvor sicherlich von Polizisten, die sowieso keinen Bock haben, einen echten Mörder zu überführen, , irgendetwas daher zu erzählen, ist doch eindeutig der gleiche Täter, der auch andere Missbrauchsfälle in Deutschland begangen hat, und immer wieder Personen, die labil sind, nutzt, um selber unerkannt zu bleiben -- wahrscheinlich selber im Ermittlerteam tätig, weil immer wieder in den eigenen Reihen etwas mit einmal nicht mehr stimmt...
07.02.2011 19:28 Uhr |   logo

Ausserdem

Ausserdem darf ich daran erinnern, wer das hier schreibt.
Hier schreibt der, der auch dieses

http://issuu.com/kleiderspender/docs/dossier_zum_fall_b_gerl_-_f_hren_zopfmann-korridor

Dossier erstellt hat und dort auf Seite 1 lesen Sie die indirekte Auszeichnung der Qualität meiner Überlegungen indem die Soko meine Fahndungsstrategie bei AktenzeichenXY 1:1 übernommen hat.

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Autor: dpa | 07.02.2011

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