Volkskrankheit Depression kostet Milliarden

Millionen Deutsche leiden an einer Depression. Das verursacht jährlich einen zweistelligen Milliardenschaden. Arbeitgeber versuchen gegenzusteuern.

DIETER KELLER | 9 Meinungen

Depressionen sind längst eine Volkskrankheit, die immer mehr grassiert und viel Geld kostet: Auf 15,5 bis 22 Milliarden Euro pro Jahr schätzt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) die direkten und indirekten Kosten. Die Behandlung lohne sich daher auch volkswirtschaftlich, sagte der Depressionsforscher Christian Molt bei der Vorstellung der Studie, die im Auftrag der Allianz Krankenversicherung durchgeführt wurde.

Die direkten Behandlungskosten stiegen allein von 2002 bis 2008 um ein Drittel auf 5,2 Milliarden Euro. Deutlich höher sind die indirekten Kosten. Den größten Schaden verursachen laut der Studie Beschäftigte, die trotz einer Depression arbeiten, statt zu Hause zu bleiben und sie zu kurieren: Allein ihre verminderte Produktivität kostet 9,3 Milliarden Euro. Etwa halb so teuer ist die Erwerbsunfähigkeit. Psychische Störungen sind der wichtigste Grund für Frühverrentungen: 2009 gingen deswegen 64 500 Arbeitnehmer vorzeitig in Rente, mehr als ein Drittel aller Fälle von Erwerbsminderung. Hinzu kommen die Kosten durch Arbeitsunfähigkeit und Suizide.

Depressive Menschen werden oft fehl-, unter-, aber auch überversorgt, beklagt Molt. Von 100 Patienten mit Depressionen werde nur bei 30 die Krankheit erkannt und höchstens bei zehn adäquat behandelt.

Insbesondere größere Unternehmen haben das Problem erkannt und bemühen sich offensiv darum, sagte Norbert Breutmann von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände der SÜDWEST PRESSE. Die Betriebsärzte würden geschult, auf das Problem zu achten. "Aber die Verzahnung mit dem Gesundheitssystem funktioniert nicht", sieht er als Hauptproblem. Es gebe viel zu wenige Psychotherapeuten, und häufig seien die Wartezeiten sehr lang. Defizite gebe es bei kleineren und mittelständischen Betrieben.

Depressionen müssten als Volkskrankheit in den Betrieben stärker bekämpft werden, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Betroffen sind vor allem Menschen, die unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden oder arbeitslos sind." Sie forderte bessere Arbeitsbedingungen, um Stress zu vermeiden und die Belastung der Beschäftigten zu reduzieren.

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9 Kommentare

14.04.2011 12:30 Uhr

Interpretationssache...

Leider ist nicht ganz herauszulesen, wie Paco seinen Beitrag gemeint hat.
Depression ist ganz sicher keine hypochondrische Modewelle - und selbst wenn, wäre noch interessant, wie es dazu käme, denn auch Hypochondern geht es wirklich schlecht.
Es ist aber durchaus etwas daran, dass übertriebener Erfolgsdruck - ob von außen oder nicht - Depressionen und Burn-Out fördern. Und er hat auch Recht damit, dass "einfach krankschreiben" alles andere als angemessene Therapie ist.
Darüber, warum die Depression aktuell so verbreitet ist, dass man sie als "Mode" bezeichnen könnte, lässt sich streiten. Da gibt es vieles: Zu wenig Sport, alte oder gar noch geförderte Gifte (Blei, Fluor, Jod, Chlor, ...), Leistungsdruck durch fehlende Jobs für handwerklich/künstlerisch begabte, virtuelle statt echter Freundschaften, steigende Akzeptanz (früher wurden noch viel mehr Leute mit "stell dich nicht so an!" abekanzelt), ...

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14.04.2011 11:47 Uhr

Volkskrankheit Depression

@ Paco
Guten Tag,
die Äußerungen in diesem Posting gehen weit über die Meinungsfreiheit hinaus.
Die Verleumdung von 50 % der Erkrankten und wissenschaftlich falsch und beleidigend.
Solche "Mitmenschen" mit dieser selbstgefälligen Art sollten mal für 24 Stunden an dieser Krankheit leiden.
Freundliche Grüße
Roweso

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14.04.2011 11:46 Uhr

Volkskarnkheit Depression

@ PACO
Guten Tag,
die Äußerungen in diesem Posting gehen weit über die Meinungsfreiheit hinaus.
Die Verleumdung von 50 % der Erkrankten und wissenschaftlich falsch und beleidigend.
Solche "Mitmenschen" mit dieser selbstgefälligen Art sollten mal für 24 Stunden an dieser Krankheit leiden.
Freundliche Grüße
Rolf W. Sonntag

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14.04.2011 09:24 Uhr

Nicht verallgemeinern!

Es gibt so viele Gründe, weshalb jemand depressiv werden kann: erbliche Veranlagung, Hirnstoffwechsel, auslösende Erlebnisse, Charakter. Man hat schon genug gegen die Vorurteile derer zu kämpfen, die keine Ahnung, wohl aber eine Meinung haben. Sensible, denkende Menschen trifft es eher als jene, die von Anfang an auf der Sonnenseite stehen und denen alles nichts ausmacht oder die das Glück haben, alles positiv sehen zu können, die also stark sind. Man kann das Thema nicht in einem Leserbrief abarbeiten.

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14.04.2011 08:36 Uhr

depressionen,angstzustaende etc.

leider bin ich auch der meinung das viele krankheiten durch leistungsdruck oder ueberforderung in der gesellschaft entstehen.
zuviel regeln bzw. gesetze in einer gesellschaft zerstoeren unter anderem auch die lebensqualitaet.
bin schon vor jahren ausgewandert nach asien aus den oben genannten gruenden.
ich litt an einem phobisch anarkastischen syndrom und seit ich in asien lebe ist diese psyschiche krankheit wie weggeblasen.sagt vieleicht einiges aus;))

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14.04.2011 07:17 Uhr

Antwort an Paco

Die Zunahme der Depressionskrankheiten ist eine Folge der Veränderung unser aller Gesellschaft. Der Preis bzw. die Quittung für dem permanenten Leistungsdruck ab dem Kindergartenalter oder auch das alles möglichst sofort oder schneller und schneller erreicht werden muß.

Auch ihre Aussage mit 50 % sind Simulanten kommt genau aus dieser Ecke. Schlimmer als Dummheit ist Vorverurteilung. Bitte überdenken Sie nochmal ihre Haltung.

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14.04.2011 06:36 Uhr

Volkskarnkheit Depression

Nun man kann auch bei sicherlich 50 % Modekrankheit sagen !

Sollen die Menschen doch mal wieder auf den Boden der Realität zurückkommen.

Nicht nur in dem Wahn leben :
ich bin besser
ich bin schönen
ich bin reicher
ich fahre 3 x im Jahr in Urlaub
ich hab das größere Auto
usw.
sowie die 1000 Nebenpöstchen und Freizeitaktivitäten einschränken.

Dann kann sich ein Körper auch mal wieder erholen!!

Und die Krankheit ist schwer zu """ heilen """" also schreiben die Ärzte die Leute arbeitsunfähig !!!!

Sicher ist sicher -
die Allgemeinheit bezahlt ja !!

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15.04.2011 09:21 Uhr

Lieber Paco

Wir waren alle einmal jung und voller Saft und Kraft, so wie Sie es vielleicht jetzt noch sind. Aber im Laufe der Jahre kommt immer mehr dazu: vielleicht Krankheit, Scheidung, Tod eines Angehörigen, Unfall, Leistungsdruck in der Firma, Mobbing.... und irgendwann geht gar nichts mehr.

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14.04.2011 17:23 Uhr

noch lacht er...

uch (angeblich) zufriedene Menschen wie Paco kann sowas aus heiterem Himmel treffen. Ungeahnt, weil es einem doch sooo gut geht. Und wenn man dann noch zu eitel ist um sich das selber einzugestehen und es hinauszieht, wird aus dem Saubermann schnell ein Betroffener. Einer der dann erst recht lange von der Allgemeinheit bezahlt werden muss zwinkern
Also lieber ein bisschen langsamer mit solchen Beiträgen, zumal die ganze Beschreibung mit Körper erholen usw. absolut gar nichts mit Depressionen zu tun hat.

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