Vater Staat hilft mit

Paris.  In Frankreich sorgt der Staat mit Krippenplätzen und Steuererleichterungen dafür, dass Frauen Kinder und Beruf unter einen Hut bringen können. Davon profitieren Alleinerziehende wie Yolaine Constantin.

Yolaine Constantin trinkt Tee auf einer Pariser Café-Terrasse. Dafür hat die Mutter von drei Kindern nur während der Ferien Zeit: Der 17-jährige Boni ist in Kanada, der 10-jährige Wally in Mittelfrankreich, und der Älteste, der 19-jährige Gevan, hat einen Ferienjob.

Die Urlaubsreisen werden von Schule und Stadt organisiert, die Eltern zahlen je nach Verdienst. Der Kanada-Aufenthalt ihres Sohnes kostete Yolaine nur etwas mehr als 200 Euro. "In Paris gibt es ab drei Kindern außerdem eine Familienkarte", erzählt die aparte Französin: "Wir können umsonst ins Schwimmbad und in die Museen und zahlen weniger Eintritt bei Konzerten im Parc Floral." Ab drei Kindern bekommen die Familien auch Zuschüsse für Sportangebote.

Die 42-jährige Yolaine ist alleinerziehend. Die beiden großen Söhne haben denselben Vater, der Jüngste einen anderen. "Die Kinder haben zwar unregelmäßig Kontakt zu ihren Vätern, aber keiner zahlt Unterhalt", sagt Yolaine. Der Unterhalt wird nicht wie in Deutschland vom Jugendamt eingetrieben. Die Mütter müssen nicht zahlende Väter vor den Familienrichter zitieren.

Das will Yolaine nicht: "Ich ziehe meine Kinder allein auf." Seit ihrem 18. Lebensjahr sei sie für sich selbst verantwortlich. Mit 23 wurde sie zum ersten Mal schwanger: "Ein Kind zu haben, ist doch ein Glück. Ich habe es immer irgendwie geschafft." Als das erste Kind zur Welt kam, wohnte Yolaine mit einer Freundin zusammen. Einen Monat vor der Geburt fand sie eine eigene Wohnung. Sie bekam Wohngeld. Seit sie drei Kinder hat, lebt sie in einer Sozialwohnung im 11. Pariser Arrondissement.

Mit Kindergeld und subventionierter Schulkantine kommt die zierliche Frau mit den drei Kindern über die Runden. Dass in Frankreich Vater Staat seinen Kindern hilft, zeigt auch Yolaines Steuerbescheid: "Ledig, alleinerziehend und drei Kinder: Das macht 4,5 Teile!" "Teile" heißen in Frankreich die Steuerbegünstigungen: Üblich ist lediglich ein Teil. Seit sie Kinder hat, muss Yolaine keine Steuern zahlen.

Yolaines Lieblingsjob ist die Pressearbeit für Musiker, doch davon kann sie nicht leben. Oft wird sie in diesem Geschäft für ihre Dienste nur schlecht oder gar nicht bezahlt. Sie nimmt deshalb alle Posten an, die das Arbeitsamt bietet. Als der erste Sohn zur Welt kam, arbeitete Yolaine als Sekretärin. Nach dem Ende des Mutterschaftsurlaubs kam das Baby mit drei Monaten zu einer Tagesmutter und, sobald ein Platz frei wurde, in die kostengünstigere Kinderkrippe.

"Ich hänge sehr an meinen Kindern und bin sehr mütterlich", erklärt Yolaine und lacht: "Aber gleichzeitig brauche ich Luft, und es tut mir auch gut, ein bisschen Freiheit zu haben." Drei Monate alte Babys in "fremde" Hände zu geben, gilt in Frankreich als völlig normal: "Ich vertraue den Menschen, denen ich meine Kinder anvertraue."

Nur ihren jüngsten Sohn, Wally, stillte sie sechs Monate lang. Bei ihm nutzte sie die Möglichkeit einer längeren Erziehungszeit. Dann musste Yolaine wieder an den Arbeitsplatz zurück. Sie ließ ihr Baby von einer afrikanischen Familie im Viertel betreuen, die sie vom Kinderspielplatz kannte.

Nach der Geburt des dritten Kindes arbeitete Yolaine zuerst nur halbtags. Ab dem dritten Kind gibt es in Frankreich - je nach Wunsch - eine Auszeit oder Teilzeit bis zu drei Jahren. Den fehlenden Lohn zahlt die staatliche Familienkasse, der Arbeitgeber garantiert den Arbeitsplatz. Yolaine ist stolz, dass sie ihre Kinder oft schon zum Schulschluss um 16 Uhr von der Grundschule abholte und sie nicht bis 18 Uhr in der Hausaufgabenbetreuung ließ. In Frankreich sind die Kinder bis zum Ende der Grundschule ganztags gut aufgehoben. Ein Grund, warum Französinnen Familie und Beruf recht gut vereinbaren können.


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Autor: MARTINA ZIMMERMANN, EPD | 02.09.2010

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