Unerschöpfliche Geldquelle
An Olympia verdient einer auf jeden Fall - das IOC. Der Salzburger Olympia-Kritiker und IOC-Kenner Willi Rehberg beklagt, dass niemand diese undurchsichtige Organisation kontrolliert.
Das Internationale Olympische Komitee in Lausanne vergibt die Olympischen Spiele. Wer ist das IOC?
WILLI REHBERG: Es ist ein privater Verein, der fast vollkommen unabhängig von staatlichen Gewalten ist und in der Schweiz unter einem Sondergesetz steht. So muss das IOC keine Steuern bezahlen, was sonst nur für karitative Vereine gilt. Das IOC hat das Recht, alle zwei Jahre Olympische Spiele zu veranstalten und lässt sich dieses Recht schützen. Die Spiele sind die unerschöpfliche Geldquelle des Vereins.
Was verdient der Verein damit?
REHBERG: Laut den letzten Zahlen vom Dezember 2008 lagen auf seinen Konten 1,4 Milliarden US-Dollar Guthaben, das sind eine Milliarde Euro. Ende 2010 dürften es knapp zwei Milliarden US-Dollar gewesen sein (1,4 Milliarden Euro). Innerhalb von acht Jahren hat das IOC sein Vermögen vervierfacht.
Woher stammt dieses Geld?
REHBERG: Es sind Einnahmen aus Fernsehrechten und der Vermarktung der Olympischen Ringe. Die Nutzung der Ringe wird an Firmen verkauft, die dann mit diesem Symbol werben. Für jedes T-Shirt mit Olympia-Ringen erhält das IOC seinen Obolus. Auch gibt es viele große Sponsoren wie McDonald"s. Den Austragungsorten wird vom IOC vorgeschrieben, wo bei Olympischen Spielen McDonald"s-Restaurants zu stehen haben.
Die Paralympics der Behinderten dürfen die fünf Ringe nicht verwenden. Das verbietet das IOC.
REHBERG: Ja, wegen der Sponsoren. Man will die Exklusivität der Ringe für die eigentlichen Spiele wahren.
Könnten Sie und ich auch Mitglied des Vereins IOC werden?
REHBERG: Wir beide würden nicht aufgenommen werden. Das IOC hat 114 Mitglieder. Meist handelt es sich um altgediente Persönlichkeiten aus der Welt des Sports oder des Adels. Nur wenn ein Mitglied ausscheidet - wenn es die Altersgrenze von 70 Jahren überschritten hat, gestorben oder reiseunfähig ist -, wird ein neues gewählt.
Wer kontrolliert das IOC?
REHBERG: Niemand. Die unabhängige britische Forschungsorganisation "One World Trust" hat das IOC einmal als die weltweit intransparenteste Organisation ermittelt - noch weit hinter der Nato und der Atomenergiebehörde IAEO.
Welche Verträge schließt das IOC mit den Olympia-Stätten?
REHBERG: Das IOC richtet es immer so ein, dass es Gewinn macht und die finanziellen Risiken bei den Austragungsorten liegen. Von diesen verlangt es einseitige Verpflichtungserklärungen: Die Stadt verpflichtet sich, mit dem vom IOC bestimmten und zur Verfügung gestellten Betrag einen riesigen Zirkus zu veranstalten namens Olympische Winter- oder Sommerspiele. Alles muss nach ganz genauen IOC-Vorschriften ablaufen. Die großen Ausgaben für Infrastruktur und Sicherheit trägt aber in jedem Fall immer der Olympia-Ausrichter - und damit der Steuerzahler.
Salzburg hat sich drei Mal erfolglos um Winter-Spiele beworben, Sie haben sich dagegen eingesetzt. Was bedeutete die Ablehnung für die Stadt?
REHBERG: Ich bin mir sicher, dass Salzburg einem finanziellen Desaster entkommen ist. Damals kannten mich die Politiker nicht mehr auf der Straße, heute klopfen sie mir auf die Schulter.
Hat das IOC Sie schon einmal verklagt?
REHBERG: Nein, ich sage doch nichts Böses. Alle meine Äußerungen finden sich auch in offiziellen IOC-Dokumenten.
Info Willi Rehberg (74) war 15 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung
Geschäftsführer der Firma Aqua
Engineering in Salzburg. Die
Thyssen-Tochter errichtet weltweit
Wasserwerke. Er führte die Salzburger Olympia-Gegner für die Spiele 2010 und 2014 an.
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Autor: PATRICK GUYTON | 05.07.2011
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Willi Rehberg: Die großen Ausgaben trägt immer der Steuerzahler.
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