Trotz neuer Endlagersuche: Castor-Transport schafft Unruhe

Gorleben.  Kommende Woche ist es wieder so weit: Der Castor rollt. In der Region Gorleben herrscht dann Ausnahmezustand, tausende Atomkraftgegner werden zum Protest erwartet. Zwar soll die Endlager-Suche neu starten, doch an ein Aus für Gorleben glaubt noch niemand so recht.

Das erste Adventswochenende wird für die Atomkraftgegner in Deutschland alles andere als besinnlich. Zwar will die Politik nach jahrzehntelangem Streit jetzt die Suche nach einem Atomendlager-Standort neu starten, aber mit dieser Ankündigung gibt sich die Anti-Atom-Bewegung nicht zufrieden. Nicht, solange der Salzstock Gorleben an der ehemaligen innerdeutschen Grenze weiter als mögliche Entsorgungsstätte erkundet wird und im Spiel bleibt.

   Am letzten November-Wochenende werden deshalb wieder tausende Atomkraftgegner aus ganz Deutschland im Wendland erwartet, um gegen den 13. Castor-Transport mit deutschem Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague zu protestieren.

   Wie hartnäckig die Blockaden diesmal ausfallen werden, ist schwer einzuschätzen, auch weil Schwarz-Gelb nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima den Atomausstieg beschlossen hat. Von massiven Krawallen geht die Polizei bislang nicht aus. Auch die Bürgerinitiativen in Niedersachsen rechnen damit, dass sich an den Protesten weniger Menschen beteiligen als 2010. Im vergangenen November waren nach Angaben der Veranstalter teilweise 50 000 Menschen zusammengekommen - so viele wie nie zuvor im Wendland. Mit 33,5 Millionen Euro hatte der Castoreinsatz auch Rekordkosten verursacht.

   Die Grünen-Europapolitikerin
Rebecca Harms, Symbolfigur der Anti-Atom-Bewegung im Wendland, ist überzeugt: «Es wird wieder eine große Demonstration werden.» Bürgerinitiativen sprechen von einem «kreativen und ideenreichen Widerstand», zu einer zentralen Demo in Dannenberg werden am Samstag vor dem ersten Advent Zehntausende erwartet.

   Atomkraftgegner,
Grüne, SPD und Linke sowie auch die Gewerkschaft der Polizei hatten noch bis vor kurzem eine Absage des Transports gefordert, weil es Berichte über überschrittene Strahlen-Grenzwerte am Zwischenlager Gorleben gegeben hatte. Die oberirdische Halle ist in unmittelbarer Nähe des unterirdischen Salzstocks, der weiter als mögliches Endlager untersucht wird. In der Halle werden die Castor-Behälter nach rund 1000 Kilometern Fahrt eingelagert - solange, bis es eines Tages irgendwann ein Endlager gibt. Zuletzt hatte es Streit um angeblich erhöhte Strahlenwerte gegeben, weshalb greenpeace vergeblich eine Absage des Transports gefordert hatte.

   Zwischen Atomkraftgegnern und den wahrscheinlich rund 20 000 Polizisten, die die Transportstrecke sichern, dürfte erneut ein Kräftemessen bevorstehen. Die Polizei will diesmal aber verhindern, dass ihnen die Protestierer die Wege für den Nachschub ihrer Einsatzkräfte und für die Versorgung versperren.

   Im vergangenen November war die Polizei nach vier Tagen im Dauereinsatz an die Grenze ihrer Belastbarkeit gekommen. Es gab viele Verletzte, die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein. Atomkraftgegner hatten sich unter anderem an Betonblöcke fixiert, um dem strahlenden Müll den Weg zu versperren, sogar Schafe und Ziegen wurden auf die Transportstrecke getrieben.

   Bundesumweltminister
Norbert Röttgen (CDU) hat es in der Region Gorleben bisher nicht geschafft, das in 30 Jahren entstandene Misstrauen vieler Menschen abzubauen. Die Atomkraftgegner glauben seinen Aussagen von nicht, dass es für den Neustart der Endlager-Suche eine «weiße Landkarte» geben soll. Sie fordern, die schon weit fortgeschrittenen Arbeiten im Salzstock Gorleben sofort zu stoppen. Grünen-Chefin Claudia Roth, die auch wieder zum Castor-Protest ins Wendland fahren wird, sagt dazu: «Das ist eine tägliche Provokation für die Menschen.»
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Autor: dpa | 16.11.2011

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