Star-Chirurg Broelsch muss ins Gefängnis
Essen. Ohne Geld keine schnelle Krebs-Operation: Im Prozess um einen der größten Medizinskandale Deutschlands hat das Landgericht Essen am Freitag den Star-Chirurgen Prof. Christoph Broelsch (65) zu drei Jahren Haft verurteilt.
Nach Ansicht der Richter hatte der Transplantationsmediziner unter anderem von Krebspatienten die Zahlung «freiwilliger Spenden» an die Essener Uniklinik gefordert. Nur dann hätten die Todkranken damit rechnen können, frühzeitig und durch ihn persönlich behandelt zu werden. Die Gesamt-Spendensumme betrug über 150 000 Euro.
Nach Ansicht der Richter hat sich der frühere Chefarzt des Essener Universitätsklinikums der Steuerhinterziehung, Bestechlichkeit, Nötigung und des Betruges schuldig gemacht. Die Richter waren nach sechsmonatiger Verhandlungsdauer davon überzeugt, dass die Erklärung des Angeklagten, die Patienten hätten die Spenden freiwillig und aus Dankbarkeit geleistet, «nichts mit der Realität zu tun hat».
Vielmehr habe Broelsch den Kassenpatienten klar gesagt, dass er ihnen ohne Spende keinen schnellen Operationstermin anbieten könne. «Er hat schwer kranken Menschen ein Bett auf seiner Privatstation verkauft, nachdem er zuvor die Operation als dringend nötig dargestellt hatte», sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Schmidt in der Urteilsbegründung. In einem Fall soll der Professor sogar einen bereits auf dem OP-Tisch liegenden Mann gefragt haben: «Was hatten wir noch mal vereinbart - 4000 oder 5000 Euro?»
Im Fernsehen statt im OP
Darüber hinaus verurteilten die Richter den Arzt auch wegen Abrechnungsbetruges. In mehreren Fällen habe er Privatpatienten seine hohen Chefarzt-Honorare in Rechnung gestellt, obwohl er die entsprechenden Operationen nicht selbst durchgeführt hatte. Zum Zeitpunkt der Eingriffe befand sich der Chirurg bei Aufzeichnungen von Fernsehsendungen, bei Vorträgen oder Kongressen im Ausland.
Broelsch selbst, der auch Leibarzt des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau war, hatte im Prozess lediglich einige Fälle der Steuerhinterziehung eingeräumt. Dafür hatten seine Verteidiger maximal eine Geldstrafe für angemessen gehalten. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen sogar vier Jahre Haft und ein dreijähriges Berufsverbot gefordert. Als Konsequenz des Urteils wird der Angeklagte seine Pensionsansprüche als Beamter verlieren.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
12.03.2010
| Artikel twittern |
|
|
Der Mediziner Prof. Christoph Broelsch sitzt im Gerichtsaal in Essen auf der Anklagebank (Archivbild).
MEISTGELESENE ARTIKEL
Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik
Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr
Neu-Ulmer Bordell-Chefin wehrt sich gegen Vorwürfe
Neu-Ulm Der in einem Neu-Ulmer Bordell aufgefundene Tote wird nicht obduziert. Die Polizei ist sicher: Der 36-Jährige starb durch einen autoerotischen Unfall. Derweil hat sich die Bordellchefin zu Wort gemeldet.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Hechinger Brandruinen qualmen noch
Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr
Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell
Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

ZURÜCK
