"Sponsoren erhöhen den Druck"

Präsident Sepp Blatter und die Fifa haben ein schlechtes Image. Dennoch stehen die Sponsoren Schlange. Inzwischen aber machen sie auch Druck, sagt Gerd Nufer, Professor für Sportmarketing.

THOMAS GOTTHARDT |

Herr Professor Nufer, das Imageproblem des Weltverbandes dünnt die Riege der Global Player, die die Fifa unterstützen, nicht aus. Denn viele Unternehmen sitzen auf der Ersatzbank der Fifa-Sponsoren und können sofort eingewechselt werden. Warum schreckt das negative Image der Fifa die Sponsoren nicht ab?

GERD NUFER: Ich sehe aktuell zwei Entwicklungen. Zum einen ziehen sich Fifa-Sponsoren zurück. Beispiele sind die Airline Emirates und Sony. Zum anderen sind Unternehmen wie Quatar Airways und Samsung bereit, die frei gewordenen Plätze zu übernehmen. Das ist begründet in der Attraktivität von Fußball-Weltmeisterschaften und den sich daraus ergebenden Vorteilen des Event-Sponsoring. Unternehmen können ein weltweites Publikum ansprechen und ihre Marken bestens inszenieren. Anders als beim Sponsoring von Einzelsportlern und Teams ist der Sponsor beim Event-Sponsoring nicht der Performance seiner Gesponserten ausgeliefert. Bisher konnte ihm egal sein, wer auf dem Platz gewinnt oder verliert - der Eventsponsor war immer auf der Gewinnerseite.

Aber so naiv können Global Player doch nicht sein, dass sie sich überhaupt nicht für Moral interessieren.

NUFER: Richtig, damit kommen wir zur anderen Entwicklung, die erstmals bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 zu beobachten war. Sponsoren gerieten unter öffentlichen Druck, weil sie das IOC unterstützten, obwohl China die Menschenrechte in Tibet verletzte. Seither hat sich der Wind gedreht. Jetzt ist ein Event-Sponsor nicht mehr automatisch auf der Gewinner. Es ist daher nur konsequent, dass jetzt auch Fifa-Sponsoren den Druck auf den Weltverband erhöhen und wegen der Menschenrechtsverletzungen in Katar oder der Intransparenz bei den WM-Vergaben an Russland und Katar die Fifa kritisieren.

Aber es geht eben nicht so weit, dass Sponsoren en masse aussteigen. Oder glauben Sie, dass, wenn Sepp Blatter erneut gewählt wird und sich allein deshalb die Fifa nicht ändern wird, Sponsoren vermehrt aussteigen?

NUFER: Die Öffentlichkeit wird kritischer, was den Sponsoren natürlich nicht entgeht und was diese wiederum in ihren aktuellen Forderungen zum Ausdruck bringen. Die Fifa-Partner Coca-Cola und Visa haben jüngst Druck auf die Fifa ausgeübt und mehr Transparenz gefordert. Außerdem wissen wir nicht, was hinter dem Ausstieg von Sony und Emirates wirklich steckt. Es gibt Vermutungen, diese Unternehmen hätten gesagt, wir machen als Fifa-Sponsoren nur weiter, wenn sich an der Fifa-Spitze etwas ändert. Und wenn Blatter erneut antritt, dann sind wir weg. Das sind aber reine Spekulationen.

Wer hat Ihrer Sicht nach das schlechtere Image: Blatter oder die Fifa?

NUFER: Ich glaube, dass sich der momentane Ruf der Fifa vornehmlich aus dem Image von Sepp Blatter konstituiert - und Letzteres ist gerade in Europa nicht positiv. Auf der anderen Seite ist der Schweizer jedoch der Fifa-Präsident, der den Fußball am stärksten globalisiert hat. Er hat die WM nach Asien und Afrika gebracht und Teile der Erlöse in die nationalen Verbände gestreut - weshalb er heute dort seine treuesten Unterstützer weiß.

Info Gerd Nufer ist Professor für Marketing und Sportmanagement an der ESB Business School Hochschule Reutlingen.

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