Sicherheitsexperte: Daten nicht nur sammeln

Der CDU-Sicherheitsexperte Clemens Binninger rechnet bald mit Pilotversuchen zum Einsatz von Körperscannern. Passagierdaten müssen nach Ansicht des Bundestagsabgeordneten strenger überprüft werden.

Muss die Sicherheitspanne am Münchner Flughafen Konsequenzen haben?

CLEMENS BINNINGER: Das war ein Fehlalarm durch menschliches Versagen in einem Einzelfall. Grundsätzlich hat sich das Verfahren bewährt, an den Flughäfen Mitarbeiter von Privatfirmen unter Aufsicht der Bundes- oder Landespolizei zu beschäftigen. Dieses Fachpersonal durchläuft eine Spezialausbildung von über 100 Stunden mit einer Abschlussprüfung. Wer die nicht besteht, darf die Aufgabe nicht wahrnehmen. Ich glaube, dass es kein Sicherheitsgewinn wäre, dieses Verfahren jetzt in Frage zu stellen.

In Detroit ist neulich ein Anschlag nur knapp verhindert worden. Welche Schlüsse ziehen Sie aus diesem Vorfall?

BINNINGER: Die Frage, die sich für mich stellt, lautet: Wie verhindern wir, dass Personen, die als Terrorverdächtige bekannt sind, an Bord von Passagiermaschinen kommen? Dazu ist es erforderlich, dass alle sicherheitsrelevanten Informationen, die unsere Behörden über potenzielle Gefährder haben, nicht nur gesammelt, sondern auch ausgewertet und genutzt werden, was bei dem Vorfall in Detroit offensichtlich nicht erfolgte. Wir brauchen also ein intelligentes Verfahren, welches sicherstellt, dass verdächtige Personen nicht unbemerkt in Flugzeuge gelangen.

Dann müssten Sie aber alle Passagierlisten mit den Daten der Sicherheitsbehörden abgleichen?

BINNINGER: Die EU-Außenminister haben bei ihrem Treffen in Toledo vereinbart, dass die Brüsseler Kommission in den nächsten Monaten einen Vorschlag für ein Abkommen über den Austausch von Passagierdaten erarbeitet. Nach unseren Vorstellungen aber nicht, um sie jahrelang zu speichern, sondern für den aktuellen Abgleich mit den Informationen der Sicherheitsbehörden.

Wer entscheidet darüber?

BINNINGER: Nach dem Lissabon-Vertrag ist - anders als bisher - für innen- und rechtspolitische Regelungen keine Einstimmigkeit im Ministerrat mehr erforderlich. Das heißt, eine Mehrheit der Mitgliedsländer kann sich mit guten Argumenten durchsetzen. Blockaden sind also ausgeschlossen. Allerdings brauchen neue Richtlinien auch die Zustimmung des Europa-Parlaments, wie jetzt beim Swift-Abkommen über den Transfer von Bankdaten in die USA.

Wollen Sie nur Transatlantikflüge durchchecken?

BINNINGER: Das wäre wenig sinnvoll. Es kann doch sein, dass ein Terrorverdächtiger von Berlin nach Madrid fliegt oder von Frankfurt nach London. Wir sollten also nicht nur den Flugverkehr mit den USA im Auge haben.

Wann kommt der Nacktscanner?

BINNINGER: Zunächst einmal habe ich etwas gegen diesen Begriff. Der Körperscanner, der jetzt kurz vor seiner Erprobung in der Praxis steht, wird keine Nacktbilder produzieren, wie teilweise suggeriert wird, sondern menschliche Umrisse oder Hologramme. Diese Technologie ist im Massengeschäft der zivilen Luftfahrt das Mittel erster Wahl. Allerdings unter drei Voraussetzungen: 1. Der Scanner muss effektiv und zuverlässig sein. 2. Er darf die Gesundheit der Betroffenen nicht gefährden. 3. Er muss den Persönlichkeitsschutz wahren. Dann rechne ich damit, dass Pilotversuche in der zweiten Jahreshälfte 2010 beginnen können.

Clemens Binninger (47), Polizeioberrat a.D., vertritt seit 2002 den Wahlkreis Böblingen im Bundestag.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: GUNTHER HARTWIG | 30.01.2010

Google 1+

Steuersünder-CD

Steuersünder-CD: Fast 20 000 Selbstanzeigen

Berlin Der Ankauf von Steuersünder-Daten aus der Schweiz hat zu einem massiven Anstieg der Selbstanzeigen geführt.... mehr
Durchsuchungen bei der Deutschen Bank

Immer mehr Verdächtige nach Steuerrazzia

Frankfurt/Main Die Großrazzia gegen Umsatzsteuerbetrüger vom vergangenen Mittwoch bringt immer neue Verdächtige. «Die Zahl der Beschuldigten weitet sich von Tag zu Tag aus», sagte Chefermittler Günter Wittig der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.... mehr

Land beteiligt sich an Kosten für Steuersünderdaten

St. Blasien Trotz seiner rechtlichen Bedenken am Kauf möglicherweise illegal beschaffter Daten von Steuerhinterziehern ist Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) für eine Beteiligung an den Kosten.... mehr
Ermittlungen gegen 1100 mutmaßliche Steuersünder

Rheinland-Pfalz würde Steuersünder-CD kaufen

Mainz/Stuttgart Das rheinland-pfälzische Finanzministerium wäre bereit, anstelle von Baden-Württemberg eine CD mit Steuersünder-Daten zu kaufen. «Das Ministerium ist der Überzeugung, dass der Staat an diese Daten kommen muss», sagte ein Sprecher am Dienstag in Mainz.... mehr
Debatte um Umgang mit Steuerdaten

Fast 2000 reuige Steuersünder im Südwesten

Stuttgart Innerhalb eines Monats haben sich in Baden-Württemberg fast 2000 reuige Steuersünder gemeldet. In der Zeit vom 5. Februar bis 4. März zeigten sich 1898 Menschen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen in der Schweiz selbst an, wie das Finanzministerium am Freitag in Stuttgart mitteilte.... mehr

Ulmer SPD: Strafe für Steuersünder

Ulm Als "völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar" bezeichnet der SPD-Kreisverband Ulm die Entscheidung der Landesregierung, die angebotene CD mit den Daten von Steuersündern nicht zu kaufen.... mehr

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Ein Raub der Flammen

So einen Brand wie gestern am frühen Abend haben die Hechinger mitten in der Altstadt schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen. Der Altbaukomplex an der Ecke Marktstraße/Schlossstraße wurde ein Raub der Flammen. Von vier Drehleitern aus schützten die Feuerwehren die Nachbargebäude.... mehr