Russland: Weniger Brände, Strahlenwerte normal
Moskau. Erstmals Durchatmen in Russland nach wochenlangem Kampf gegen die Feuersbrunst und radioaktive Gefahr: Die Einsatzkräfte haben die schwersten Waldbrände der russischen Geschichte etwas eingedämmt.
Nach den Feuern auch in radioaktiv verseuchten Gegenden sind die Strahlenwerte dort bislang im normalen Bereich, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten. Aufgrund der leichten Entspannung hob Kremlchef Dmitri Medwedew in drei von sieben Regionen den Ausnahmezustand auf. Insgesamt aber gilt die Lage wegen der Gluthitze und Dürre weiter als angespannt.
Wegen der nach wie vor verheerenden Bränden ist der Ausnahmezustand in den Gebieten um Moskau und Nischni Nowgorod sowie in der Teilrepublik Mordwinien und in der Region Rjasan weiter in Kraft. Die Lage dort sei schwierig, sagte Medwedew.
Die Waldbrände könnten aus Sicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace zu gefährlichen Stromausfällen bei Atomkraftwerken führen. Wenn Flammen Hochspannungsleitungen zerstören oder Rauch und Hitze Notstromgeneratoren unbrauchbar machten, könnten die Reaktoren der Werke nicht mehr, wie nötig, gekühlt werden. Folge könnten schwere Atomunfälle sein, die weite Teile Russlands verseuchen. Auch Gebiete in Deutschland könnten dadurch kontaminiert werden, so Greenpeace.
Angesichts der immensen Ernteeinbußen und der monatelangen Dürre warnte der Medwedew Spekulanten vor Preistreiberei bei Lebensmitteln. Brot und Mehl, aber auch viele andere Produkte, sind laut Medien um bis zu 20 Prozent teurer geworden seien. Der Präsident forderte die Staatsanwaltschaft auf, die Geschäftemacher zu bestrafen.
Die Gesamtzahl der Feuer in Russland verringerte sich nach offiziellen Angaben auf 560. Am Vortag war noch von deutlich mehr als 600 Bränden die Rede gewesen. Auch die Größe der brennenden Fläche verringere sich, sagte der Leiter des nationalen Krisenzentrums, Wladimir Stepanow. In den Regionen, die nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 radioaktiv verseucht worden waren, seien keine erhöhten Strahlenwerte gemessen worden.
Weiterhin besonders angespannt war die Situation in der Region Nischni Nowgorod, etwa 400 Kilometer östlich von Moskau. Dort brannte erneut ein Dorf nieder. Niemand wurde verletzt. Im Umland von Moskau beruhigte sich dagegen das Geschehen. Für dieses Wochenende wird dort ein Drehen des Windes und damit die Rückkehr des giftigen Smogs erwartet. Unterdessen hielt sich im ganzen Land die seit zwei Monaten andauernde Extremhitze von deutlich mehr als 30 Grad. Regen und Abkühlung waren weiter nicht in Sicht.
Nirgendwo im Land wichen Werte von den üblichen Strahlenwerten ab, teilte der staatliche Wetterdienst mit. Man beobachte die Lage «genauestens», sagte Vize-Behördenchef Waleri Djadjutschenko.
Experten hatten davor gewarnt, dass durch die Feuer, den Wind und die Löscharbeiten kontaminierte Böden aufgewirbelt und radioaktive Partikel in die Luft und so in andere Gebiete gelangen könnten.
Auch die Behörden im Nachbarland Weißrussland, das bei der Atomkatastrophe von Tschernobyl (Ukraine) teils stark radioaktiv verseucht worden war, gaben vorerst Entwarnung. Alle Messwerte lägen auf dem üblichen Niveau. Unabhängige Angaben gab es aber nicht.
In Moskau stellten Nichtregierungsorganisationen, die regelmäßig die Strahlung messen, keine erhöhten Werte fest.
In kontaminierten Regionen wie in Brjansk, an der Grenze zu Weißrussland, haben die Menschen Angst vor der radioaktiven Gefahr. Die Behörden hatten erst auf Druck der Umweltschutzorganisation Greenpeace zugegeben, dass es in den kontaminierten Gebieten viele Brände gab.
Die nationale Waldschutzbehörde warnte davor, in Panik zu verfallen. «Aus unserer Sicht ist die Gefahr nicht allzu groß», sagte der stellvertretende Behördenchef Wassili Tusow. Insgesamt seien Brände auf etwa 0,3 Prozent der kontaminierten Fläche Russlands registriert worden. 90 Prozent davon seien innerhalb von ein, zwei Tagen gelöscht worden.
Der Leiter der Kernforschungsanlage in Sarow, Walentin Kostjukow, warnte nach ersten Löscherfolgen davor, die Einheiten und Technik des Zivilschutzministeriums abzuziehen. In den Wäldern um die Stadt brenne es weiter lichterloh, sagte er. Die Feuerwalze drohe jeden Moment, wieder auf das Gelände der Anlage überzugreifen. Greenpeace zufolge ist das Feuer nur 300 Meter entfernt. «Die Lage hat sich sehr stark verkompliziert», heißt es in einem Bericht des Staatskonzerns Rosatom, der den Umweltschützern nach eigenen Angaben vorliegt.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
12.08.2010
| Artikel twittern |
|
|
Im Kampf gegen die Flammen werden erste Erfolge gemeldet.
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Russland kämpft gegen atomare Gefahr bei Bränden
Moskau Radioaktive Gefahr in Russland und giftiger Smog in Moskau: Bei den schwersten Wald- und Torfbränden der russischen Geschichte kämpften am Dienstag tausende Einsatzkräfte gegen ein Übergreifen der Feuersbrunst auf Atomanlagen und radioaktiv verseuchte Gebiete.... mehrLEITARTIKEL · RUSSLAND: Nase zu und durch
Moskau Moskau erstickt! Die Schlagzeilen der Medien über die Waldbrandkatastrophe in Russland klingen nach Weltuntergang. Sitzt man dagegen selbst im Moskauer Nebel aus Rußpartikeln und Kohlenoxiden,... ... mehr
Atomzentren von Feuer bedroht
Moskau In Russland spitzt sich die Lage weiter zu: Mehrere Atomanlagen sind von den Waldbränden bedroht, in Moskau sterben täglich 700 Menschen an den Folgen von Hitze und Smog. Löschflugzeuge können in dem dichten Rauch nicht fliegen.... mehr
Giftiger Qualm in Moskau stärker
Moskau Der giftige Qualm in Moskau wird immer dichter, und die Waldbrände in Russland breiten sich trotz internationaler Hilfe weiter aus. Allein in den vergangenen 24 Stunden brachen nach Angaben des Zivilschutzministeriums mehr als 300 neue Brände aus.... mehr
Feuersturm macht Dorf zu Asche
Dürre, Leichtsinn und mangelhafte Ausrüstung der Feuerwehr: Russland bekommt die verheerenden Waldbrände nicht in den Griff. Das Dorf Werchnaja Wereja ist fast vollständig verbrannt.... mehr
Immer mehr Kritik an Führung
Moskau Der Kampf gegen die Waldbrände in Russland wird immer verzweifelter. Die Zahl der Toten steigt auf 50. Und die Kritik der Bevölkerung an der politischen Führung wächst. Nun hat Deutschland noch einmal nachdrücklich Hilfe beim Kampf gegen die Feuerwalze angeboten.... mehrMEISTGELESENE ARTIKEL
Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik
Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr
Neu-Ulmer Bordell-Chefin wehrt sich gegen Vorwürfe
Neu-Ulm Der in einem Neu-Ulmer Bordell aufgefundene Tote wird nicht obduziert. Die Polizei ist sicher: Der 36-Jährige starb durch einen autoerotischen Unfall. Derweil hat sich die Bordellchefin zu Wort gemeldet.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Hechinger Brandruinen qualmen noch
Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr
Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell
Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

ZURÜCK
