Rücktrittsforderungen an Sauerland werden lauter

Duisburg.  Knapp eine Woche nach der Katastrophe bei der Loveparade hat erstmals auch ein prominenter CDU-Politiker dem Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland (CDU) einen Rücktritt nahegelegt.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach, sagte am Donnerstagabend im ZDF, Sauerland trage die  politische Verantwortung und hafte damit auch politisch für mögliche Fehler seiner Mitarbeiter. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte an gleicher Stelle, Sauerland sei seiner Aufgabe als Behördenleiter nicht gerecht geworden.



Auch im Duisburger Stadtrat formiert sich Widerstand gegen den Oberbürgermeister. So hat die Linkspartei nach Informationen der „Rheinischen Post“ für die nächste Ratssitzung im Oktober einen Antrag auf Abwahl des Stadtoberhaupts gestellt. FDP-Fraktionschef Wilhelm Bies sagte derselben Zeitung: „Wir werden die Abwahl unterstützen.“

Der Chef des Kulturhauptstadtprojekts „Ruhr.2010“, Fritz Pleitgen, sprach sich im ZDF gegen eine vorschnelle öffentliche Abstrafung der Verantwortlichen für die Loveparade-Katastrophe aus. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland,  Nikolaus Schneider, sagte im Deutschlandradio Kultur, die Menschen hätten zwar einen berechtigten Anspruch darauf, die  Hintergründe der Tragödie von Duisburg zu erfahren. Dies müsse jedoch mit „der nötigen Sorgfalt und der nötigen Fairness  geschehen“.

Pleitgen richtete zugleich Vorwürfe an alle, die vor der Techno-Party intern vor den Gefahren gewarnt haben wollen. „Wenn alle das  damals wussten, hätten sie das auch öffentlich äußern müssen“, kritisierte der ehemalige WDR-Intendant.

Der SPD-Innenpolitiker  Dieter Wiefelspütz forderte unterdessen eine gesetzliche Versicherungspflicht für Veranstalter. „Man muss sicherstellen, dass eine Versicherung vorliegt. Bei großen Ereignissen wird man auch über die Höhe reden müssen“, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Die Versicherung über 7,5 Millionen Euro, die der Veranstalter der Duisburger Loveparade abgeschlossen habe, werde angesichts der vielen Opfer nicht ausreichen.

Durch die Massenpanik bei der Loveparade am vergangenen Samstag waren 21 Menschen gestorben, über 500 wurden zum Teil  schwer verletzt. Am Samstagmorgen findet in der Duisburger Salvatorkirche eine zentrale Trauerfeier für die Opfer statt. Wegen des  erwarteten großen Besucherandrangs wird der Gottesdienst vor und im Duisburger Fußballstadion auf Großbildleinwänden  übertragen.

Am Samstagnachmittag soll es vom Hauptbahnhof aus einen Trauermarsch zur Unglücksstelle geben. Die Polizei rät, zu beiden  Veranstaltungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, weil Parkplätze und einzelne Straßen gesperrt werden. (apn)
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