Rechtshüter-Blau und Stewardessen-Look
Moskau. Für einen besseren Ruf: In Russland sollen Polizisten weniger an Milizionäre erinnern. Über 400 Millionen Euro fließen in neue Designer-Uniformen.
"Bald erkennen wir unsere Polizei nicht wieder", schreibt die Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta hoffnungsvoll. Russlands Ordnungsmacht, erst vergangenes Jahr von Miliz in Polizei umgetauft, bekommt neue Uniformen. Statt bisher mausgraue Dienstanzüge werden die Beamten in Zukunft Dunkelblau tragen. "In der vorrevolutionären Zeit war Dunkelblau charakteristisch für das Kostüm des Rechtshüters", erklärt Sergej Gerasimow, der stellvertretende Innenminister, den Farbwechsel.
Außer diesem Rückgriff auf die Zarenzeit setzen die Designer der Dienstmode auf Baseballmützen und für die weiblichen Beamten auf rote Tücher und Käppchen, wie sie auch Aeroflot-Mitarbeiterinnen tragen. "Russlands Polizistinnen sehen in der neuen Uniform wie Stewardessen aus", urteilt die Komsomolskaja Prawda. "Und die Polizistinnen wie Cops".
Entworfen haben die Parade- und Einsatzkleider der Moskauer Modedesigner Igor Tschapurin, Kostümschneider der Mosfilm-Studios und Beamte des Innenministeriums. "Die Kollektion drückt den Zeitgeist aus", erklärte Tschapurin dem TV-Sender Pjatyj Kanal, "und was die Damen-Uniformen angeht, es ist mein Leben, Frauen so anzuziehen, dass sie mir dafür dankbar sind."
Nach Ansicht der Wirtschaftszeitung Kommersant dienen die neuen Textilien, die die Steuerzahler umgerechnet über 400 Millionen Euro kosten werden, vor allem dazu, die Bedeutung der Polizeireform zu unterstreichen: "Die Polizisten sollen auch äußerlich nicht an die früheren Milizionäre erinnern."
Russlands Ordnungshüter haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als willkürlich, gewalttätig und durch und durch korrupt. Viele Russen zweifeln, dass die Uniformen daran etwas ändern. "Egal, was die anziehen", räsoniert die Moskauer Hotelköchin Anna, "debil bleibt debil."
Allerdings werden die Beamten in Zukunft außer neuen Dienstmarken auch Karten mit ihrem Foto und ihrem Namen an der Brust tragen. "Das wird unsere Mitarbeiter zwingen, sich in Zukunft korrekter zu verhalten", hofft Gerasimow.
Aber die Menschenrechtlerin Olga Sadowskaja vom Nischegorodsker Komitee warnt: "Die meisten Opfer werden auf Wachen von Beamten in Zivil misshandelt."
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Autor: STEFAN SCHOLL | 09.02.2012
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