Rassismus, Feminismus und die Nazi-Keule

Zuerst berichten Kölner Lokalzeitungen, dann soziale Medien. Die Debatte zeigt vor allem eines: Wie gespalten Deutschland ist.

ULRIKE SOSALLA | 2 Meinungen

Die Zahlen, die Deutschlands Erregungszustand widerspiegeln, sind auf den ersten Blick unspektakulär: 965 hier, 751 dort. Es sind die Zahlen der Kommentare, die unter Artikeln auf Zeit.de, Welt.de oder Facebook zu den Übergriffen in der Silvesternacht hinterlassen wurden - jeweils innerhalb von zwei bis drei Stunden nach der Veröffentlichung.

Deutschland debattiert sich die Köpfe heiß - über Gewalt gegen Frauen, Zuwanderung, Rassismus und das Versagen von Medien und Polizei.

Am Anfang standen - ungewöhnlich genug bei Gewalttaten dieser Größenordnung - nicht eine Polizeimeldung, sondern Augenzeugenberichte in Lokalmedien. Auf Facebook wird ein Bericht des rechtspopulistischen Kopp-Verlags am Sonntag einige hundert Male geteilt. Am Montag, nachdem die Kölner Polizei am Nachmittag eine Pressekonferenz zu den Vorfällen gegeben hat, schwillt das Echo an. Viele Kommentatoren geben dem Flüchtlingszustrom die Schuld an den Ereignissen, andere halten dagegen.

"Deutsche die solche Zustände hier nicht wollen und demonstrieren, werden als Pack bezeichnet. Ich verabscheue das, was dort passiert. Aber vielleicht hat es jetzt mal diese Gutmenschen getroffen, die hier wirklich alles und jeden ,integrieren' wollen", schreibt Kai Moczigemba. Ralf Isenberg antwortet darauf: "Viel Spaß im nächsten Bierzelt...! Da läuft es jedes Jahr auf das selbe raus und keiner erstattet Anzeige." Stephan Bakermann orakelt auf Facebook: "Diese ganze ,Nazi-Phobie' ist in dieser Hinsicht vollkommen kontraproduktiv. Ich sage es immer wieder: Der Feind dieser Gesellschaft geht nicht in Dresden spazieren - der Feind kommt von außen und will uns vernichten." Andere versuchen, Fremdenfeindlichkeit einen Post der NDR-Sendung "Extra 3" entgegenzusetzen: "Wenn wir schon verallgemeinern müssen: Nicht Ausländer, sondern Arschlöcher belästigen Frauen."

Ungeahnte Allianzen bilden sich im Netz nach der ungeschickten Äußerung der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Sie hatte auf die Frage, wie Frauen sich besser schützen können, unter anderem empfohlen: "Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft." Unter dem Schlagwort #eineArmLaenge kursieren im Netz bald wütende, genervte und ironische Kommentare. Feministinnen werfen Reker vor, sie wolle die Schuld an den Übergriffen auf Frauen abwälzen, Zuwanderungsgegner vermuten, sie wolle Flüchtlinge in Schutz nehmen. "Sie werden es wieder und wieder verdrehen, bis die Frauen selbst schuld sind und es keine #Fluechtlinge waren #ARD #ZDF", mutmaßt auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein Nutzer namens BarnB. Und OrangenLord fürchtet noch Schlimmeres: "Heute ,in Gruppen' und #EineArmlaenge, morgen #Burka und nur in Männerbegleitung. #Köln #Islamisierung #Reker".

Am Mittwoch dann erreicht die Debatte selbst den US-Präsidentschaftswahlkampf. Der republikanische Kandidatenanwärter Donald Trump, bekannt für seine flüchtlings- und islamfeindliche Haltung, kommentiert auf Twitter die Nachrichten aus Deutschland: "Deutschland erlebt massive Attacken seiner Bürger durch Migranten, denen die Einreise erlaubt wurde. Silvester war ein Desaster. DENKT NACH!"

2 Kommentare

07.01.2016 23:09 Uhr

Silvesternacht in Köln

Was in Köln und Hamburg passierte ist das allerletzte.Man kann es nicht nachvollziehen was diese "Menschen" in unserem Land anstellen.Menschen,denen man Sicherheit gewährt hat.Dass die Polizei da nicht mit härteren Bandagen vorgegangen ist ,obwohl die Polizei wusste",das hat ein Beamter selbst berichtet"
Diese Menschen müssen sofort ausgewiesen werden.
Es ist schon dreist , wenn ein Migrant (Flüchtling) seinen Anmeldeschein vor der Polizei grinsend zerreist
mit den Worten bekomme ich morgen neues, wortwörtlich MAMA MERKEL HAT MICH EINGELADEN:
Da beißt keine Maus den Faden ab,die ganzen vorigen Silvesterpartys waren doch auch immer friedlich.
Erst seit die ganzen Flüchtlinge bei uns sind und unser Gastrecht mit Füßen treten.
Das ist nicht mehr mein Deutschland !

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07.01.2016 10:24 Uhr

Sind wir jetzt bei "Hart aber Fair"?

Schon dort nervt es ja gewaltig, wenn meist unterkomplexe, nicht selten auch rechtslastige Kommentare aus dem Netz so vorgetragen werden, als wohne ihnen womöglich ein Gedanke inne.
Klar kann man fremdenfeindliche Statements zitieren, so man denn darüber berichten will, wie die Vorfälle in Köln für neue Hetze gegen Flüchtlinge instrumentalisiert werden. Aber doch nicht so unkommentiert!

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