REAKTIONEN: Aufatmen am Neckar

Gefährlich ja - aber in Neckarwestheim ist das AKW eben auch ein sehr willkommener Job- und Umsatzbringer. Das merkt man einmal mehr an den Reaktionen auf die vereinbarte Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke.

"Wir machen regelmäßig Geschäfte mit denen. Wenn man ein Problem mit dem Kraftwerk hätte, dann dürfte man hier sowieso nicht wohnen", sagte Stefanie Obenland, Metzgerin am Ort. Auch der Hofladen von Stefanie Eberling-Rieker profitiert vom AKW: "Wenn im Kraftwerk Revision ist, dann merken wir das abends in der Kasse."

Der zweitälteste deutsche Meiler Neckarwestheim I soll nicht bereits in einigen Monaten, sondern erst 2018 vom Netz gehen, Neckarwestheim II folgt sogar erst 2036. "Vielmehr als das Laufzeitplus beschäftigt die Bürger die Frage des strahlenden Mülls", betonte Walter Link, stellvertretender Bürgermeister. Als das Zwischenlager für 151 Castor-Behälter 2006 in Betrieb ging, habe es durchaus Proteste gegeben. Bis jetzt gäbe es Bedenken: "Längere Laufzeiten bedeuten zwangsläufig mehr Atommüll vor Ort."

Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) spricht dennoch von einem "guten Kompromiss". Die Eckpunkte des Konzepts seien "zukunftsweisend und tragfähig". Er ist wohl auch dankbar, neben Stuttgart 21 nicht einen weiteren Klotz am Bein zu haben, wenn es auf die Zielgerade zur Landtagswahl im März 2011 geht. Allerdings hätte er sich gewünscht, dass ein größerer Anteil der Gewinne in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert würde, erklärte der Regierungschef.

Der SPD-Landesvorsitzende und Fraktionsvize Nils Schmid hingegen meinte, Schwarz-Gelb in Bund und Land entpuppe sich endgültig als "Laufbursche der Atomlobby". Der Energieexperte der Grünen-Fraktion, Franz Untersteller, sagte, die Laufzeitverlängerung sei keine energiepolitische Brücke, sondern eine gefährliche Sackgasse. dpa/gha


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07.09.2010

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