REAKTION: Nicht ausreichend

Als nicht ausreichend kritisiert der emeritierte Theologieprofessor Hermann Häring aus Tübingen den Hirtenbrief des Papstes. "Entscheidende Fragen werden nicht angesprochen", konstatiert Häring.

"Vergessen sind die Fragen einer grundlegenden Strukturreform. Sie betreffen nicht nur die irische, sondern die Weltkirche. Die katholische Kirche praktiziert immer noch autoritäre Machtverhältnisse; Initiativen, die von unten kommen, werden prinzipiell nicht akzeptiert."

Dass die katholische Kirche noch immer von allen Priestern die Ehelosigkeit erzwinge, führt seiner Meinung nach zu einer "verkrampften Sexualität". Häring rügt, dass dem Priester ein Maß an Heiligkeit und sakraler Würde zugesprochen werde, das in der Bibel nicht zu finden und von ihr nicht gerechtfertigt wird und überdies alle ökumenischen Bemühungen blockiere. "Man muss blind sein, wenn man diese inneren Zusammenhänge leugnen und die Missbrauchsfälle, einschließlich deren jahrzehntelanger Verdrängung, immer noch davon abspalten will. Aus dieser Perspektive hilft uns der päpstliche Brief nicht weiter."

Auch die persönliche Rolle Joseph Ratzingers als Präfekt der Glaubenskongregation werde ausgespart, moniert Häring. Dabei seien die gravierendsten Missbrauchsfälle ab 2001 auf seinem Schreibtisch gelandet, schließlich habe Ratzinger auf Anordnung von Papst Johannes Paul II. eine Meldepflicht eingeführt. Teil des Verfahres war die Geheimhaltung nach außen, die die Aufarbeitung in den Händen der Kirche beließ. Häring: "Es würde dem Papst gut anstehen, seinen Irrtum einzugestehen und für diese folgenschwere Anordnung allgemein um Vergebung zu bitten." eth


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22.03.2010

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