"Prügel-Prediger" unschuldig

München.  Der als "Prügel-Prediger" beschimpfte Imam Abu Adam saß zu Unrecht in U-Haft. Seine Frau hatte Gewaltvorwürfe gegen ihn erfunden.

Ein paar Klicks in Internet-Foren lassen erahnen, wie viel Hetze, Hass und Häme Abu Adam in den vergangenen zweieinhalb Monaten aushalten musste. 80 Tage lang saß der 40 Jahre alte Imam, der in einer Münchner Moschee predigt, in Untersuchungshaft.

Seine Drittfrau nach islamischer Tradition hatte ihn bei der Polizei schwer belastet: Er soll sie, so ihre Anschuldigung, verprügelt und ihr einige Knochen gebrochen haben. Der Imam bestritt dies stets.

Nun haben die 31-jährige Syrerin mit norwegischem Pass offenbar Gewissensbisse geplagt. Sie machte reinen Tisch und schrieb der Staatsanwaltschaft, dass ihre Vorwürfe erfunden seien. Mit dem Imam hat sie zwei Kinder. Laut Berichten will sie sich von ihm trennen und liegt mit dem Geistlichen im Streit um das Sorgerecht. Ende vergangener Woche wurde der Imam freigelassen, dringender Tatverdacht gegen ihn besteht nicht mehr. Dafür sitzt nun seine Drittfrau wegen des Vorwurfs falscher Verdächtigungen in Untersuchungshaft.

Vor allem durch reißerische Berichterstattung in der Boulevardpresse, die den Imam als "Prügel-Prediger" titulierte, wurde der Fall in München zum Stadtthema. Die "Bild"-Zeitung bezeichnete ihn als "bösen Knochenbrecher" und schrieb, er "sieht aus wie Massenmörder Osama bin Laden". Äußerlich hat Abu Adam Ähnlichkeiten mit dem Terroristen.

Vor seiner U-Haft war der staatenlose Imam, der aus Palästina stammt, immer wieder für die Stadt und in Diskussionen Gesprächspartner zu Fragen der Integration und des Islam in Deutschland. Er gilt als umstritten, weil erzreaktionär. Andererseits stellt er sich gegen islamistischen Terror und ruft in Predigten Muslime dazu auf, es der Polizei zu melden, wenn sie von Anschlagsplänen erfahren.

Seine Drittfrau sagt, es habe eine "Hassliebe" zwischen ihnen bestanden. Am fraglichen Abend sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, die von ihr ausgegangen seien, berichtete sie der Staatsanwaltschaft. Die Knochenbrüche habe sie sich in der Vergangenheit zugezogen, da sie wegen einer Erkrankung immer wieder stürzte. Abu Adam indes sieht sich als Opfer von "Rufmord".


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Kommentare (13)

   Uhr |   nasreddin

Prügel-Imam

Sicher gibt es Gewalt innerhalb der Familie bei allen Religionsgemeinschaften. Aber nur im Islam steht es in den heiligen Schriften: "... und wenn sie (die Frau) widerspenstig ist, dann ... schlagt sie ..." (Sure 4, Vers 34)

Das alleinige Sorgerecht für Männer ist im Islam üblich. "Frauen sind das Saatfeld ..." (Sure2, 223) und die Ernte gehört natürlich dem Mann. mehr
   Uhr |   friedrich

seltsam

Eine seltsame Sache.

Da zieht sich also ein Frau durch Stürze mehrere Knochenbrüche zu, wegen denen sie später ins Krankenhaus gebracht werden muß.

Und mit diesen Verletzungen wird sie dann noch gegen ihren Mann handgreiflich?

Wenn ein Journalist solch einen Unsinn glaubt, ist das ja noch seine Sache.
Den Staatsanwalt, der diesen Haftbefehl gegen die Frau beantragt hat sollte man ebenso, wie den Richter, der ihn erlassen hat, einmal auf ihren Verstand untersuchen. mehr
   Uhr |   rn2099

Was

Was hätte die SWP sonst schreiben sollen? "Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht mehr, Ehefrau sitzt jetzt in U-Haft - aber er wird sicher trotzdem schuldig sein..."?? Vorverurteilungen durch die Medien gab es schon genug. In einem Rechtsstaat ist das zu respektieren, was Gerichte entscheiden. mehr

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Autor: PATRICK GUYTON | 15.02.2011

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