Neue Töne zur Feierstunde
Stuttgart. In einer Feierstunde des Vertriebenenverbands hat Bundestagspräsident Norbert Lammert die zu geringe Einbürgerungsquote von Migranten beklagt.
Beim gestrigen Festakt zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Charta der Heimatvertriebenen in Stuttgart forderte der Präsident des Bundestags Norbert Lammert, heutige Migranten aktiv zu integrieren: Gerade die ehemaligen Heimatvertriebenen wüssten, "nichts fördert die Integration mehr als das Gefühl willkommen zu sein". Deutschlands Problem sei "nicht zuviel Einwanderung, sondern zu wenig Einbürgerung". Vor mehreren hundert Zuhörern sagte Lammert, aus den Nachkommen der hier lebenden Türken, Spanier, Portugiesen müssten genauso selbstverständlich Schwaben und Sachsen werden wie aus den einst aus den deutschen Ostgebieten geflohenen und vertriebenen Deutschen. Applaus erntete Lammert dafür nicht; wohl aber dafür, dass er die Charta gegenüber heutigen Kritikern verteidigte. Man müsse die Charta mit ihrem Rache- und Gewaltverzicht "in ihrem heiligen Ernst" als Zeitdokument und Stellungnahme Betroffener begreifen. Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, hatte in diesem Zusammenhang von einem "kontextlosen Opfergedenken" gesprochen, weil die Charta die Nazi-Gräuel als Vorgeschichte der Vertreibung nicht erwähne.
Unter Buhrufen hatte Verbandspräsidentin Erika Steinbach (CDU), die die Charta "das moralische Fundament" der Vertriebenen nannte, Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßt: Seine Teilnahme sei "ein gutes Signal der Verbundenheit und des Miteinanders". Der Protest der Anwesenden bezog sich auf den Streit um die Besetzung des Stiftungsrats der geplanten Vertriebenen-Gedenkstätte in Berlin. Auf Druck Westerwelles hatte die in Polen umstrittene Verbandspräsidentin auf einen Sitz für sich verzichtet.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) äußerte die Erwartung, dass die Stiftung "jetzt klug, besonnen und konsensorientiert arbeitet". Einem nationalen Vertriebenen-Gedenktag erteilte er eine Absage. Gleichzeitig forderte de Maizière dazu auf, die Charta als Verpflichtung zu sehen, sich überall gegen Vertreibung und Unterdrückung einzusetzen. "Patriotismus gilt nicht irgendwelchen Ethnien, sondern knüpft an Staatsbürgerschaft an und gilt unserer Nation."
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: BETTINA WIESELMANN | 06.08.2010
| Artikel twittern |
|
|
MEISTGELESENE ARTIKEL
Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik
Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Hechinger Brandruinen qualmen noch
Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr
Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell
Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

ZURÜCK