Mysteriöse Infektionswelle

Ulm.  Eine Legionellen-Infektion in Ulm hat ein drittes Todesopfer gefordert. Die Behörden vermuten verseuchte Abluft aus einer Klimaanlage als Ursache.

Auch nach dem dritten Todesfall ist die Quelle für die Legionellen-Infektionen im Raum Ulm und Neu-Ulm nicht gefunden. Die Patienten hätten keine Gemeinsamkeiten, sagte ein Sprecher des Landratsamtes des Alb-Donau-Kreises. Beim jüngsten Opfer handle es sich um einen Mann mittleren Alters, der viele Vorerkrankungen gehabt habe, sagte eine Sprecherin der Uniklinik. Die beiden anderen Opfer waren mehr als 80 Jahre alt; auch sie hatten Vorerkrankungen.

Bisher sind laut Landratsamt 52 Infektionsfälle nachgewiesen worden. Die meisten werden in der Universitätsklinik behandelt. Sieben Patienten sind bereits entlassen worden. Die meisten Patienten seien mehr als 60 Jahre alt und Raucher. Alle hätten sich Anfang vergangener Woche im Stadtgebiet von Ulm oder Neu-Ulm aufgehalten oder sie wohnen dort.

Auf der Suche nach der Quelle für die Infektionen sei vergangene Woche das Trinkwasser untersucht worden, sagte der Sprecher des Landratsamts. Allerdings halten Experten das Trinkwasser für unbedenklich. Legionellen bräuchten 25 bis 50 Grad Celsius warmes Wasser. Das Trinkwasser sei nur zehn Grad warm. Nun werden mit Wasser betriebene Kühl- und Trocknungsanlagen von Betrieben an den Randgebieten der Städte untersucht. Dort könnten die Legionellen in die Luft gelangt und vom Wind ins Stadtgebiet getragen worden sein. Ein solcher Fall der Ausbreitung wäre in Deutschland bisher einmalig. Dies sei derzeit die wahrscheinlichste Infektions-Quelle, sagte Doris Reick vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Entsprechende Anlagen auf den Dächern wurden am Sonntag per Hubschrauber ausfindig gemacht.

Laut Landratsamt ist ein Drittel der bekannten Anlagen bereits untersucht worden, ein Drittel konnte ausgeschlossen werden, ein weiteres Drittel der Anlagen soll in den kommenden Tagen untersucht werden. Die ersten Ergebnisse der Ursachenermittlung sollen frühestens in dieser Woche vorliegen. "Es kann aber auch sein, dass die mögliche Infektions-Quelle gar nicht mehr vorhanden ist", sagte Reick. Legionellen-Infektionen beginnen meist mit Husten und Fieber. Später kann es zu schweren Lungenentzündungen kommen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist den Angaben zufolge nicht möglich. dpa/APN/eb


Kommentare (9)

14.01.2010 09:45 Uhr |   unbekannt

Legionellen

Meine Fragen konnten am Bürgertelefon und in der Zeitung auch nicht geklärt werden. Vielleicht helfen mir die Herren Fachmänner hier weiter:
1. Wie groß muß so eine Wolke denn sein, damit 59! Menschen auf dieser Strecke infiziert werden. (Wie groß ist diese Kühlanlage)
2. Wieso wird das Trinkwasser ausgeschlossen, möglicherweise war es nur kurze Zeit verseucht.
3. Über wieviele Kilometer können Legionellen bei diesen Temperaturen überleben?
(Kommt Gundremmingen überhaupt in Frage?)
4. Wenn die Ursache nicht gefunden wird, ist dann eine neue Wolke nicht absehbar? (Die Legionellen verschwinden ja nicht einfach) Oder werden jetzt alle Anlagen gewartet?
5. Erfahren wir auch, wenn einer seine Anlage kurz vor Prüfung gereinigt hat, damit er nicht entdeckt wird?
6. Waren alle 59 Patienten vorerkrankt? Wir atmen ja schließlich alle die gleiche Luft und wenn nur ein geringer Teil immun ist...
7. Wenn ja, waren diese Personen dann gegen die neue Grippe geimpft?
14.01.2010 07:16 Uhr |   wilfriedsoddemann

CAPNETZ Studie im HR

30.000 Legionelleninfektionen und 4.500 Todesfälle im Jahr in Deutschland: Quelle CAPNETZ Studie und u.a. Hessischer Rundfunk - Alles Wissen - Wenn Duschen krank macht - vom 11.03.2009: Jede/r 7. durch Legionellen infizierte stirbt an einer heftigen Lungenentzündung!

http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=44888&key=standard_document_36549098
12.01.2010 22:59 Uhr |   Dietmar

Legionellen und Infektologiedefizit

Die Zahl der Todesfälle ist weit übertrieben, aber die Zahl der Infektionen eher unterschätzt.
Etwa 1 % der Bevölkerung in Deutschland besitzen Antikörper gegen Legionellen die ca. ein Jahr nach der Infektion nachweisbar bleiben. Demnach muss man mit 800.000 Menschen pro Jahr rechnen die Erregerkontakt hatten. Die Mehrzahl verläuft ohne manifeste Symptome.
Nur ca. 10% davon erkranken an dem sogenannten „Pontiac-Fieber“ .
Etwa 9.600 davon sind „echte“ Legionellosen mit Legionella-bedingte Pneumonien (12 %) als „Legionärskrankheit“.
Bei einer Letalität von 15-20 % bei vorher gesunden Menschen ist daher mit 1.400 bis 1.900 Todesfällen pro Jahr zu rechnen.
Nur ist die Infektologie bei den Medizinern in Deutschland leider ein Stiefkind. Denn bei den wenigsten Infektionen wird im Labor nach der möglichen Ursache gesucht.
Die meisten Infektionen bleiben selbst bei Todesfällen unerkannt. Denn z.B. bei der Legionellose sind die Patienten eben an einer „„Lungenentzündung“ gestorben!

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


12.01.2010

Google 1+

Legionellen-Epidemie: Staatsanwaltschaft will Schuldfrage endlich klären

Ulm Wer trägt die Verantwortung für die Legionellen-Infektionswelle Anfang 2010 in Ulm? Das ist nach wie vor unklar. Die Staatsanwaltschaft wird deshalb ein neues Gutachten in Auftrag geben.... mehr
Landeswasserversorgung Kühlwasser wird auf Legionellen getestet

Ermittlungen dauern an

Ulm Mehr als ein Jahr nach der Legionelleninfektion mit fünf Toten in Ulm dauert die Suche nach möglichen Schuldigen an. Rund zehn Firmen stünden im Fokus der Ermittler.... mehr

Legionellen-Herkunft unklar

Ulm Die Stadt hat zentrale Aussagen des Gutachtens über die Ursachen der Legionellen-Epidemie Anfang des Jahres in Ulm veröffentlicht. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, auch die nach dem Schuldigen.... mehr
Legionellen

Herkunft der Legionellen in Ulmer Kühlanlage unklar

Ulm Die Herkunft der Legionellen in einem Kühlturm in Ulm ist weiter unklar. Ein Gutachter konnte nach Angaben der Stadt Ulm nicht eindeutig feststellen, wie die Bakterien in das Kühlwasser gelangen konnten.... mehr

Legionellen-Gutachten erst Anfang Juni

Ulm Die Welle von Legionellen-Infektionen Anfang des Jahres hat ein juristisches Nachspiel: Zehn Strafanzeigen wegen fahrlässiger Körperverletzung liegen der Staatsanwaltschaft Ulm mittlerweile vor.... mehr

Kommentar: Zeit für Ergebnisse

Ulm Selbstverständlich: Ein wissenschaftlich fundiertes Gutachten, das seinen Namen verdient, darf nicht übers Knie gebrochen werden.... mehr

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Ein Raub der Flammen

So einen Brand wie gestern am frühen Abend haben die Hechinger mitten in der Altstadt schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen. Der Altbaukomplex an der Ecke Marktstraße/Schlossstraße wurde ein Raub der Flammen. Von vier Drehleitern aus schützten die Feuerwehren die Nachbargebäude.... mehr