Merkel sagt Dumpinglöhnen den Kampf an - Weise warnt

Berlin.  Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will gegen den Missbrauch von Leiharbeit rigoros vorgehen. Sie werde nicht tatenlos zusehen, wenn der ganze Dienstleistungsbereich ein Niedriglohnsektor «an der Grenze zur Sittenwidrigkeit» werde, sagte Merkel bei einem Parteitag der NRW-CDU.

«Das ist nicht, was wir unter sozialer Marktwirtschaft verstehen.» Das gelte etwa für Unternehmen wie die Drogeriekette Schlecker, «die die Möglichkeiten der Leiharbeit derart missbrauchen, dass sie einfach die Leute entlassen, in andere Unternehmen umgruppieren und sie mit der Hälfte des Gehalts wieder einstellen», kritisierte Merkel. Der Bundesverband Zeitarbeit betonte, dass man Missbrauch unterbinde.

Während die Regierung Missbrauch bei der Leiharbeit stärker ahnden will und auch ein Mindestlohn für die Branche denkbar ist, verteidigt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zugleich, dass es mehr befristete Verträge gibt. Dank dieser Flexibilität gebe es trotz der schärfsten Rezession der Nachkriegszeit eine Arbeitslosenzahl von 3,6 Millionen Menschen, sagte von der Leyen dem «Spiegel». Vor fünf Jahren habe die Zahl noch bei über fünf Millionen gelegen.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, warnte vor einer Zunahme befristeter Arbeitsverhältnisse. «Wenn dies zum Standard wird, ist das für die Entwicklung unserer Gesellschaft verheerend», sagte Weise der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Jeder zweite Berufseinsteiger wird laut Statistischem Bundesamt nur noch befristet eingestellt.

Grund für den vielfachen Verzicht der Arbeitgeber auf unbefristete Verträge sei die schlechte Wirtschaftslage, sagte Weise. Auf Dauer sei das keine gute Entwicklung, wenn es immer mehr Kurzzeit-Jobs gebe. Die Menschen wollten und sollten ihr Leben planen, und die Firmen sollten interessiert sein, qualifizierte Kräfte zu halten. Trotz der Krise betonte Weise, dass 2010 die Vier-Millionen-Grenze bei den Arbeitslosen nicht überschritten werde.

Beim Thema Leiharbeit stellte von der Leyen unverhohlen ein Ultimatum: «Wenn die Branche nicht schnell die Kraft aufbringt, das eigenständig und schnell zu regeln, werden wir einen Riegel vorschieben», sagte sie dem «Spiegel». Zugleich schloss sie einen Mindestlohn für die Zeitarbeitsbranche nicht kategorisch aus.

Insbesondere solle künftig unterbunden werden, dass Firmen wie im Fall Schlecker Stammbelegschaften entlassen können, um sie dann als Leiharbeiter wieder einzusetzen. Die Tarifparteien müssten bald eine Lösung finden, sonst werde der Gesetzgeber aktiv. «Ich rechne da nicht in Monaten, sondern eher in Wochen», betonte von der Leyen. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, eine Arbeitsgruppe, an der auch Gewerkschafter beteiligt sind, lote derzeit Lösungsmöglichkeiten aus. Schlecker sei kein Einzelfall.

Der Vizepräsident des Bundesverbands Zeitarbeit (BZA), Sebastian Lazay, betonte: «Das untypische Phänomen Schlecker hat nichts mit der seriösen Zeitarbeit in Deutschland zu tun.» BZA und der DGB hätten im März eine Regelung geschaffen, die Praktiken à la Schlecker für den Tarifbereich BZA/DGB verhindere. Ein weiterer Arbeitgeberverband habe dies ebenfalls getan, der dritte Branchenverband werde dies höchstwahrscheinlich auch bald regeln. «Die gesamte Branche hat also das Problem erkannt und gelöst», meinte Lazay.


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21.03.2010

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