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Marlboro spielt Katz und Maus

Erfolge im Kampf gegen das Rauchen genügen Krebsforschern nicht. Sie monieren auch die verbotene Werbung um junge Kunden

HANS GEORG FRANK |

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Nichtraucher werden besser geschützt, der Tabakkonsum ist zurückgegangen, selbst zuhause wird weniger gepafft - die 300 Experten einer Tagung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg könnten mit der Entwicklung eigentlich zufrieden sein.

Dass den Fachleuten dennoch nicht zum Feiern zumute ist, liegt an "großen Defiziten" der Politik. Deutschland sei weiter ein "tabakindustriefreundliches Land", die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen seien nicht abschreckend genug und überhaupt müsse ein Totalverbot der Nikotinreklame erreicht werden, erklärte Martina Pötschke-Langer von der Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ.

Besonders empört sind die Spezialisten über die vor einem Jahr gestartete Kampagne von Marlboro. Zwar verbietet das Tabakgesetz jene Werbung, die sich gezielt an junge Menschen wendet, weil im Alter bis 21 Jahre meist mit dem Rauchen begonnen wird. Aber Marlboro ignoriere dies mit seiner Aktion "Maybe", deren Motive mit Konzert, Künstler, Discjockey gerade Jugendliche und Heranwachsende als Kunden gewinnen soll, monierte Tobias Effertz vom Hamburger Institut für Recht der Wirtschaft.

Schon 30 000 junge Leute hätten die Plakate ("Don"t be a Maybe") zum Griff nach der Kippe verführt, sagte Effertz. Das wird als umso ärgerlicher empfunden, als seit 2002 der Raucheranteil bei den Zwölf- bis 17-Jährigen von 28 auf unter zwölf Prozent gesunken ist.

Wenn eines der Marlboro-Motive beanstandet werde, folge rasch ein neues, beobachtete Effertz. "Das ist ein Katz-und-Maus-Spiel." Behörden seien sowieso zu inaktiv, dabei könnten sie nicht nur Bußgelder bis 25 000 Euro verhängen, sondern die gesamten Erträge kassieren, die durch die illegale Kampagne eingenommen worden seien. "Aber es geschieht nichts", kritisierte Effertz. "Das ist eine große Tragödie."

Wer von seiner Nikotinsucht loskommen möchte, dem helfen Psychologen des Heidelberger "Rauchertelefons" kostenlos. Sie sind erreichbar montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr unter 06221/424200. Jährlich lassen sich mehr als 2000 Anrufer beraten. Die Erfolgsquote liegt bei 30 Prozent.

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