Karpfen kann mit gutem Gewissen gekauft werden

Bio-Fleisch oder -Fisch ist qualitativ nicht unbedingt besser als aus konventioneller Herstellung, sagt Stiftung-Warentest-Expertin Nicole Merbach. Wem aber Tierschutz wichtig ist, der komme kaum an Bio vorbei.

Gibt es qualitative Unterschiede zwischen einer 4,99-Euro-pro-Kilo-Gans aus Polen, der deutschen konventionellen für 9,49 Euro oder der Bio-Gans für 12 Euro?

NICOLE MERBACH: Grundsätzlich muss die billigere Gans nicht schlechter sein. Länder wie Polen produzieren mehr Gänse und können dank der Masse auch günstigere Preise anbieten. Sehr günstige Preise können aber auch bedeuten, dass die Tiere mit wenig Aufwand großgezogen wurden. Ich würde generell sagen: An Festtagen wie Weihnachten sollte jeder, der es sich leisten kann, nicht irgendein Fleisch kaufen, sondern zu einem guten Metzger oder in ein spezialisiertes Wildgeschäft gehen. Dort kann er nachfragen, woher das Fleisch kommt und wie das Tier aufgewachsen ist.

Neben der Gans gilt auch der Karpfen als traditionelles Weihnachtsgericht. Nun sind aber schon viele Fische überfischt - auch der Karpfen?

MERBACH: Der Karpfen ist eine der wenigen Fischarten, die man mit gutem Gewissen an den Feiertagen essen kann. Alternativen sind nachhaltige Fischprodukte mit dem Siegel des Marine Stewardship Council, kurz MSC, und aus Bio-Aquakulturen. Fische, die definitiv nicht mehr auf dem Teller landen sollten, vor allem wenn sie kein Siegel tragen, sind der Aal, der Rotbarsch und der Rot-Thunfisch. Denn die sind vom Aussterben bedroht.

Wie sind ihre Testerfahrungen mit Würstchen, die Weihnachten gerne mit Kartoffelsalat serviert werden?

MERBACH: Wir haben in einem Test Nürnberger gegen Thüringer Bratwürste antreten lassen und die Franken haben gewonnen. Bei allen Bratwürsten im Test war die Fleischqualität gut - mit viel Muskelfleisch und relativ wenig Bindegewebe. Wie immer, wenn es um Fleisch geht, sollte man darauf achten, dass man frische Ware kauft und sie nur wenige Tage im Kühlschrank aufbewahrt, bevor man sie verzehrt. Riecht das Fleisch stark, dann sollte es besser nicht mehr gegessen werden.

Sind Bio-Produkte bezogen auf Fleisch und Fisch besser als konventionelle? Was sagen da Ihre Tests? MERBACH: Egal ob Fisch oder Fleisch, Bio-Produkte erreichen bei uns oft durchwachsene Ergebnisse - wie zum Beispiel in unserem Bratwurst- und Wiener Würstchen-Test. Beim Räucherlachs-Test waren einige Bioprodukte gut, andere nur befriedigend. Die Bio-Produkte haben oft bestimmte Schwächen, durch die sie die Spitzenplätze verpassen: Etwa erhöhte Keimgehalte oder Fehler in Geruch und Geschmack. Bio-Produkte sind also, was die Qualität angeht, nicht in jedem Fall besser als konventionelle Produkte. Sie punkten allerdings woanders.

Wo?

MERBACH: Bei Tierhaltung und Umweltschutz. Das zeigen unsere Tests der Unternehmensverantwortung, bei denen wir die Produktionsbedingungen von Produkten recherchieren. Das haben wir zum Beispiel bereits für Hähnchenbrustfilets getan. Das Ergebnis: Konventionelle Anbieter hatten großen Nachholbedarf. Wem der Tierschutz am Herzen liegt, der muss in puncto Fleisch zum Bio-Produkt greifen.

Zur Person Nicole Merbach ist Redakteurin für Ernährung und Nachhaltigkeit bei der Stiftung Warentest in Berlin.


Kommentare (3)

24.12.2011 18:17 Uhr |   Antonietta Tumminello

Fisch wird vor allem wegen seines hohen Gehalts

an Omega-3-Fettsäuren gelobt. Diese finden sich aber ebenso in Pflanzenöl aus Leinsamen und Raps, in Tofu, Mandeln und insbesondere im Omega-3-Wunder, der Walnuss! Wer auf etwas „Fischiges“ nicht verzichten möchte, für den gibt es bereits pflanzliche Produkte mit Algen, die für den typischen Geschmack nach Meer sorgen. Auch mit Seetangpulver lassen sich viele fischfreundliche Gerichte kreieren.
23.12.2011 12:30 Uhr |   Elisabeth Petras

ERränzung:

Bio hat noch einen weiteren Vorteil bei Fleisch: Da der Einsatz von Antibiotika verboten ist, ist es hier kaum möglich, dass Erreger, die gegen Antibiotika resistent sind, hier vorhanden sind. Solche befinden sich leider oft auf "normalem" Geflügelfleisch, das aus der Massntierhaltung stammt. In dieser werden 2-5mal Antibiotika eingesetzt, so dass sich Resistenzen gegen diese Medikamente bei Erregern bilden können - auhc wenn die medikamente selbst im Fleisch nicht mehr nachweisbar sind. Bei der Zubereitung ist dann eine Übertragung möglich.

Oft bietet Bio zudem neben der Klasse auch mehr Masse: Das Fleisch läuft beim Braten, da es langsamer wächst, oft nicht so ein wie konventionelle Ware. Dies ist besonders bei der Tierschutz-Marke "NEULAND" erwiesen.
25.12.2011 16:58 Uhr |   Heiner Mayer

Ergänzung..................

Träumen und bezahlen Sie ruhig weiter viel Geld für wenig

siehr Olivenöl als Bio verkauft
gut gepanscht

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Autor: ANDREAS CLASEN | 23.12.2011

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