KOMMENTAR · ORGANSPENDE: Eine Frage des Vertrauens

Man wird den Verdacht nicht los, dass beim Thema Organspende das Pferd von hinten aufgezäumt wurde: Weil der Bedarf an Spendeorganen so groß, die Spendebereitschaft aber dürftig ist, werden seit dem vergangenen Jahr Krankenversicherte aufgefordert, sich regelmäßig zu einer Organspende zu...

ELISABETH ZOLL |

Man wird den Verdacht nicht los, dass beim Thema Organspende das Pferd von hinten aufgezäumt wurde: Weil der Bedarf an Spendeorganen so groß, die Spendebereitschaft aber dürftig ist, werden seit dem vergangenen Jahr Krankenversicherte aufgefordert, sich regelmäßig zu einer Organspende zu äußern. Die Absicht des neuen Gesetzes ist klar: Es soll die Spendenbereitschaft in Deutschland steigern.

Doch die Rechnung geht nicht auf. Es fehlt das Vertrauen. Zu viele Missstände wurden in den vergangenen Jahren unter den Teppich gekehrt. Der Betrug am Klinikum Leipzig ist nur ein Fall, vermutlich aber nicht der letzte. Ein vollständiger Überblick über das Gebaren an Transplantationszentren steht noch aus. Die zum Jahresende hin verschärften Kontrollen sind noch nicht abgeschlossen.

Konkrekt ist bereits der Schaden, den die Täuschungen der vergangenen Jahre anrichten. Die neuen Werbekampagnen könnten wirkungslos verpuffen, weil Spender nicht mehr an das lautere Vorgehen bei der Organvergabe glauben. Und ohne dieses Zutrauen ist bei diesem Thema kein Stich zu machen.

Deshalb reicht es auch nicht aus, die systematische Trickserei von Leipzig zur Fehlleistung einzelner Ärzte zu erklären. Die Defizite im Organspendewesen gehen über das Persönliche hinaus. Sie liegen im System. In Deutschland gibt es zu viele Transplantationszentren, die um ihre Auslastung kämpfen. Das verführt nicht nur zu strafbarem Verhalten, um auf einem wirtschaftlich lukrativen Feld einen Vorteil zu erringen, das erschwert auch Kontrollen. Ohne Nachbesserungen an diesen Stellen kehrt Vertrauen nicht zurück.

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