KOMMENTAR · MISSBRAUCH: Nicht jedes Mittel heilig

Die anhaltende Wut in Irland über den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch ist angesichts des jüngsten Untersuchungsberichts verständlich. Selbst nachdem der Vatikan, von einer Skandalwelle aus den USA aufgeschreckt, im Jahre 2001 neue Normen erlassen hatte, hielt der mittlerweile zurückgetretene Bischof von Cloyne, John Magee, Informationen über pädophile Priester zurück.

Doch im Kampf um die Befreiung von einer unkontrollierten Übermacht der Kirche ist nicht jedes Mittel heilig, geschweige denn gerechtfertigt. Die geplante Aufhebung des Beichtgeheimnisses bei Missbrauchsfällen droht die Kirche an den Pranger zu stellen, ohne dabei wertvolle Ermittlungsergebnisse hervorzubringen. Wer die Schweigepflicht von Priestern aufhebt, die Kenntnis von sexuellem Missbrauch erhalten, muss auch Anwälte und Ärzte zwingen, ihre Informationen an die Polizei weiterzugeben. Eine solche Reform verstieße jedoch gegen die Prinzipien des Rechtsstaates.

Pädophile wenden sich nur dann vertrauensvoll an Priester, wenn sie sicher gehen können, dass ihre in der Beichte gemachten Geständnisse nicht automatisch zur Anzeige führen. Nur unter dieser Bedingung haben Geistliche Zugang zu Tätern.

Wie soll sich überdies die Verfolgung von Priestern gestalten, die trotz Anzeigepflicht schweigen? Nur wenn ein Vergehen auf anderem Weg bekannt wird, erhalten die Ermittler überhaupt möglicherweise Kenntnis von der Mitwisserschaft des Geistlichen. Ihn dann zu bestrafen, trägt weder zum Schutz der Opfer noch zur Bestrafung der Täter bei. gab


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Autor: SWP | 26.07.2011

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