KOMMENTAR · MIGRANTEN: Zu wenig öffentlicher Druck

Pech für Migrantenkinder: In einer Zeit, in der die deutsche Mittelschicht die Angst vor dem sozialen Abstieg plagt, wird man in weiten Teilen der Bevölkerung die traurige Lage der Verlierer nur beiläufig zur Kenntnis nehmen. Je größer der Abstand, umso besser. Nicht zuletzt deshalb sollte das eigene Kind "wenigstens" die Realschule besuchen. Denn die Hauptschule sammelt "die da unten".

Mehr denn je gilt in dieser Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht: Jeder ist sich selbst der Nächste. Und weil das so ist, gibt es keinen großen öffentlichen Druck auf die Politik, die Förderung von Migrantenkindern so zu forcieren, dass sie spürbare Erfolge bringt.

Das könnte sich bald bitter rächen. Zumindest diese Einsicht klingt im Integrationsbericht der Bundesregierung an, der tröstlicherweise auch von türkischen Schülern zu erzählen weiß, die Abitur machen. Die Mehrheit aber muss immer noch erleben, dass der schulische Erfolg hierzulande wie in kaum einem anderen Land Europas von der sozialen Herkunft abhängt.

Die Frustration, die aus dieser Perspektivlosigkeit erwächst, kann uns teuer zu stehen kommen. Teurer als alle Investitionen in die Zukunft der Migrantenkinder. Mit einem kostenlosen letzten Kindergartenjahr und ein paar zusätzlichen Lehrern wird es nicht getan sein.

Zuletzt: Noch so viele staatliche Maßnahmen reichen nicht aus, um Chancengerechtigkeit zu schaffen, solange Personalchefs weiter Bewerbungen mit ausländisch klingenden Namen in den Papierkorb werfen. Und man sich für das Fortkommen der eigenen Kinder möglichst wenig Migranten in der Klasse wünscht. ANTJE BERG


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08.07.2010

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