KOMMENTAR · HIRTENBRIEF: Fragen bleiben
Papst Benedikt XVI. hat an die irischen Bischöfe geschrieben - die Botschaft richtet sich aber auch an Deutschland. Von "Schande und Reue" schreibt der Papst und davon, dass sich Täter öffentlich bekennen und der weltlichen Rechtsprechung unterwerfen müssen. Benedikt unterstützt mit seinem Hirtenwort all jene, die in den vergangenen Wochen die Aufklärung von sexuellem Missbrauch in der Kirche vorangetrieben haben. Angesichts der Verbrechen an Kindern soll nicht mehr das Ansehen der Kirche durch Stillschweigen und Vertuschen Vorrang haben, sondern die Wahrheit und die Interessen der Geschädigten.
Diese Klarstellung tut not. Sie ist ein wichtiges Signal an das Kirchenvolk, dessen Vertrauen in die Amtskirche wohl für lange Zeit erschüttert ist. Die Worte müssen aber auch Widerhall finden in der Amtskirche selbst.
Die Fragen nach Strukturen, die das Verbrechen und das Verschweigen über Jahrzehnte möglich gemacht hat, bleiben. Ihnen muss sich der Vatikan noch stellen. Dass dieses in einer ersten Stellungnahme nicht erfolgt ist, muss nicht überraschen. Die Mühlen der jahrtausendealten Institution mahlen langsam. Da helfen überzogene Erwartungen nicht weiter. Doch die Mahlsteine müssen sich in Bewegung setzen.
Eine Rückkehr zum Status quo nach einer mehr oder weniger langen Schamfrist wird es nicht geben. Zumindest nicht für viele Gläubige. Sie erwarten nach den Worten Taten. ELISABETH ZOLL
Weitere Artikel:
- Der Hirte und sein Brief
- DOKUMENTATION: Wir fühlen Schande und Reue
- REAKTION: Nicht ausreichend
- Missbrauch in anderen Ländern
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22.03.2010
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