KOMMENTAR · AUSZUBILDENDE: Reparaturarbeit im Betrieb
So lange ist es noch nicht her, dass beim Thema Ausbildung lediglich die alte Leier von der Lehrstellenlücke zu hören war: Firmen vernachlässigten ihre Ausbildungspflicht. Dass es auch an der Ausbildungsfähigkeit lag, trauten sich selbst die Personalchefs lange nicht laut zu sagen.
Pisa hat die Koordinaten politischer Korrektheit gottlob etwas verschoben. Die Klagen von Handwerksmeistern und Handelsbetrieben sind nun als berechtigte Anliegen anerkannt: Wer weder richtig Deutsch kann, geschweige denn den Dreisatz hinkriegt und seinen Chef mit "ey" anspricht, ist womöglich noch nicht reif für eine berufliche Ausbildung.
Jetzt stellt sich heraus, dass die Firmen es nicht nur dabei belassen, bei diesem Großproblem mit dem Finger auf mögliches Versagen in Elternhaus und Schule zu zeigen. Man greift zur Selbsthilfe: Jedes zweite Unternehmen schult seine Azubis nach.
Früher, als die Firmen noch bei der Suche nach geeignetem Personal aus dem Vollen schöpfen konnten, fiel das Problem schlechter Schüler nicht so auf. Inzwischen zeichnet sich aber längst eine Lücke der anderen Art ab: Nicht die Lehrstellen werden Mangelware, sondern die Lehrlinge.
Deshalb geschieht die Reparaturarbeit an Bildung natürlich im eigenen Interesse. Die Wirtschaft kann die Aufgabe von Schule und Politik nicht übernehmen. Aber sie trägt zur Lösung des Problems bei und gibt viel Geld aus. Den Nutzen hat die ganze Gesellschaft. HELMUT SCHNEIDER
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09.04.2010
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