Jugendliche haben weniger Sex

Berlin.  Deutsche Mädchen und Jungen haben ihr «erstes Mal» später und sind insgesamt weniger sexuell aktiv als noch 2005.

Das geht aus der Studie «Jugendsexualität 2010» der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervor. Die Jugendlichen sind danach nicht nur zurückhaltender, sondern auch vorsichtiger: Sie verhüten so gut wie nie zuvor. Viele benutzen sogar Pille und Kondom gleichzeitig, um Schwangerschaften und Krankheiten zu vermeiden, sagte die Direktorin der Bundeszentrale, Elisabeth Pott bei der Präsentation der Studie am Donnerstag in Berlin. Rund 3500 Jugendliche wurden dafür 2009 befragt, darunter rund 1000 Teenager mit Migrationshintergrund. Dabei zeigten sich zum Teil deutliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Sexuell weniger aktiv sind sowohl deutsche Jugendliche als auch solche aus Migrantenfamilien. Hatten im Jahr 2005 bereits zehn Prozent der deutschen 14-jährigen Jungen Erfahrungen im Geschlechtsverkehr, so waren es zum Zeitpunkt der aktuellen Befragung nur noch vier Prozent. Bei den Mädchen lag der Anteil nur noch bei sieben statt wie zuvor bei zwölf Prozent. Bei den 17-jährigen Mädchen hatten 2005 bereits 73 Prozent Geschlechtsverkehr gehabt. Im Jahr 2009 gaben nur noch 66 Prozent an, schon Sex gehabt zu haben. Bei den 17-jährigen Männern hatten 2005 der Studie zufolge 66 Prozent schon Sex gehabt, 2009 gaben dies ebenfalls noch 65 Prozent an.

Jungen aus Migrantenfamilien sind der Studie zufolge früher und häufiger sexuell aktiv als deutsche Gleichaltrige. So gaben 2009 zehn Prozent der 14-Jährigen an, bereits Sex gehabt zu haben. 2005 waren es allerdings noch deutlich mehr (29 Prozent.) Bei den 17-Jährigen hatten 2009 insgesamt 72 Prozent sexuelle Erfahrungen. Bei der Befragung 2005 waren es 79 Prozent. Mädchen mit Migrationshintergrund hingegen sind deutlich zurückhaltender und begründen dies damit, zu jung zu sein. Bei den 17-Jährigen hatte 2009 nur gut die Hälfte der Befragten (53 Prozent) bereits Sex; 2005 waren es 55 Prozent.

Als Gründe für ihre Zurückhaltung nannten die meisten Jugendlichen das Fehlen des richtigen Partners und die eigene Schüchternheit. «Der Wunsch nach Vertrauen ist ganz groß», sagte Pott. Wenn es zum Geschlechtsverkehr komme, dann meist in einer festen Beziehung. In einer Gesellschaft, die von einer hohen Flexibilität und Mobilität gekennzeichnet sei, scheine das Bedürfnis nach einer festen, vertrauensvollen Partnerschaft immer größer zu werden.

Erfahrungen mit sexueller Gewalt hat bereits fast jedes fünfte Mädchen (19 Prozent) mit Migrationshintergrund gemacht. Von den deutschen Mädchen berichteten 13 Prozent von Situationen, in denen sie sich gegen unerwünschte sexuelle Übergriffe zur Wehr setzen mussten.


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02.09.2010

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