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In Socken siegen

Die russische Armee steht vor einer Zeitenwende. Die Streitkräfte sollen künftig nicht mehr in Fußlappen siegen, sondern in Socken.

Autor: STEFAN SCHOLL |
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"Zum Jahresende möchte ich, dass jeder das Wort ,Fußlappen vergessen hat", forderte Russlands Verteidigungsminister Sergei Schoigu bei einem Treffen mit den Befehlshaber aller Waffengattungen. Fußlappen, russisch "Portjanki", wurden vor mehr als 300 Jahren von Zar Peter dem Großen nach dem Vorbild der holländischen Armee bei den russischen Truppen eingeführt. In Fußlappen vertrieben die Russen den Schwedenkönig Karl XII., Napoleons "Große Armee" und die deutsche Wehrmacht, in Fußlappen drangsalierten sie Afghanistan und Tschetschenien. Sowjetkünstler malten zum Trocknen aufgehängte Fußlappen als unschuldig weißes Symbol für die friedliebende Seele der Rotarmisten.

Inzwischen haben die Streitkräfte der Ukraine und Weißrusslands die rechteckigen Tuchstücke aus Baumwolle, Filz, Flausch oder Wolle abgeschafft. Russland macht Anstalten, bis 2020 mehr als 700 Milliarden Dollar in Waffensysteme zu stecken. "Draußen ist das Jahr 2013 angebrochen, wir aber reden noch immer über Fußlappen", ärgert sich Schoigu. Die rückständige Fußwäsche soll nun durch Socken ersetzt werden, "Wollsocken mit Nylonfäden", so die Regierungszeitung Rossijskaja Gazeta. "Die Hersteller versichern, sie hielten die Füße trocken und warm. Und ihre saugfähigen Fasern verhinderten Fußgeruch."

Diesen Versprechungen stehen viele Soldaten und Militärexperten skeptisch gegenüber. "Schoigus Worte sollen wohl vor allem Eindruck bei der Öffentlichkeit machen", sagt Viktor Litowkin, Chefredakteur der Fachzeitung Nesawissimoje Wojennoje Obosrenije. "Aber das reale Leben der Truppe werden sie nur bedingt beeinflussen." Vor allem bei starkem Frost, wenn die Soldaten Filzstiefel trügen, die oft mehrere Nummern zu groß seien, würden Socken beim Gehen abwärts gezogen und rollten sich in den Stiefelspitzen zusammen, erklärt der Militärexperte, der als Wehrpflichtiger und Offiziersschüler selbst sieben Jahre lang Fußlappen trug. Außerdem müsse man Fußlappen weniger oft waschen als Socken, was mangels Waschmaschinen aber auch mangels warmen Wassers in vielen Garnisonen noch immer ein großes Problem sei.

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