Hohes Armutsrisiko für alleinerziehende Mütter

Berlin.  Alleinerziehende Mütter sind überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen. Sie leben von Hartz IV oder anderen Sozialunterstützungen und müssen auch deutlich häufiger als andere Erziehungshilfen der Jugendämter in Anspruch nehmen.

Dies zeigen am Donnerstag vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Ergebnisse aus dem Mikrozensus 2009. Insgesamt haben 31 Prozent der rund 1,3 Millionen alleinerziehenden Mütter ein monatliches Einkommen von weniger als 1100 Euro - einschließlich der Unterhaltszahlungen der Väter. 62 Prozent der alleinerziehenden Frauen verfügen über einen Betrag zwischen 1100 und 2600 Euro monatlich. 7 Prozent haben mehr.

Der Mikrozensus gilt als «kleine Volkszählung». Dabei werden regelmäßig ein Prozent der Bevölkerung detailliert befragt. In die Untersuchung flossen die Ergebnisse von rund 300 000 Haushalten ein.

Mit 60 Prozent gehen die alleinerziehenden Mütter genauso häufig einer Erwerbsarbeit nach wie Mütter in Paarfamilien (58 Prozent). Alleinerziehende Frauen arbeiten mit 42 Prozent jedoch wesentlich häufiger in Vollzeit als Mütter, die mit einem Partner zusammenleben (27).

Insgesamt steigt die Zahl der alleinerziehenden Familien in Deutschland. In jeder fünften Familie (19 Prozent) leben Mutter oder Vater allein mit minderjährigen Kinder zusammen. 72 Prozent der insgesamt 8,2 Millionen Familien in Deutschland haben dagegen einen Ehestatus. Neun Prozent sind Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern.

Alleinerziehen ist vor allem bei kleinen Kindern überwiegend «Frauensache». Die Zahl der alleinerziehenden Väter mit minderjährigen Kindern ist rückläufig. 1996 stellten sie noch 13 Prozent in der Gruppe der alleinerziehenden Familien. 2009 waren es nur noch 10 Prozent. Die Väter betreuen meist ältere Kinder, können dann auch mehr arbeiten. Entsprechend höher sind ihre Einkommen.

Im Westen ist Alleinerziehen häufig Folge einer Scheidung oder Trennung. Knapp zwei Drittel der Alleinerziehenden waren bei der Befragung 2009 geschieden oder lebten getrennt von ihrem Ehepartner. 29 Prozent waren ledig. 7 Prozent der Mütter oder Väter waren durch den Tod des Partners zu Alleinerziehenden geworden.

Im Osten Deutschland ist der Anteil der Alleinerziehenden wesentlich höher. Heute stellen sie dort 27 Prozent der Familien mit minderjährigen Kindern (West: 17 Prozent). In Ost wie West sind Alleinerziehende überdurchschnittlich häufig in Großstädten mit mehr als 500 000 Einwohnern anzutreffen.

SPD-Vize Manuela Schwesig sagte, die Zahlen belegten, dass Alleinerziehende und ihre Kinder ein weitaus höheres Armutsrisiko zu tragen hätten als andere Familien. «Ich fordere die Bundesregierung auf, sich endlich auf die Seite der Familien zu stellen und sich für einen flächendeckenden Mindestlohn, für einen bedarfsgerechten Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsangebote sowie für differenzierte und bedarfsgerechte Kinderregelsätze einzusetzen», sagte sie.

Für Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sind Alleinerziehende «aus der heutigen Familienrealität nicht mehr wegzudenken». Die meisten wollten arbeiten und seien auch ebenso gut motiviert und ausgebildet wie Mütter in Paarbeziehungen.

«Moderne Familienpolitik muss ihnen deshalb die Chance geben, Zeit für Verantwortung zu übernehmen und zugleich selbst für den Lebensunterhalt zu sorgen.» Sie verwies dabei auf Kindergeld und Kinderzuschlag. «Deswegen hat für mich der Ausbau der Kinderbetreuung auch Priorität.»


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