Hans Küng appeliert an Papst

Der Theologe Hans Küng hat an Papst Franziskus appelliert, eine "freie ernsthafte Unfehlbarkeitsdiskussion" zuzulassen.

KNA |

Ohne eine konstruktive "Re-vision" des Dogmas von der Unfehlbarkeit werde eine wirkliche Erneuerung der Kirche kaum möglich sein, schreibt Küng in der "Süddeutschen Zeitung". Themen wie Verständigung zwischen den Konfessionen, gegenseitige Anerkennung der Ämter und des Abendmahls, Fragen von Ehescheidung, Frauenordination und Zölibat sowie der "katastrophale Priestermangel" seien sonst nicht zu lösen. Küng, der lange Jahre in Tübingen lehrte, hatte 1979 wegen seiner Infragestellung der päpstlichen Unfehlbarkeit die kirchliche Lehrbefugnis verloren. Der heute 87-jährige Theologe beschreibt den Vorgang als eine "generalstabmäßig vorbereitete Geheimaktion, die sich als juristisch anfechtbar, theologisch unbegründet und politisch kontraproduktiv erwiesen hat".

Das sogenannte Unfehlbarkeitsdogma wurde beim Ersten Vatikanischen Konzil (1869/70) verkündet. Es besagt, dass der Papst bei Lehrentscheidungen in Glaubens- und Sittenfragen nicht irren kann. Die praktische Bedeutung ist gering; nur einmal machte ein Papst überhaupt Gebrauch davon, als Pius XII. 1950 das Dogma von der leiblichen Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel verkündete.

Mit einer erneuten Debatte gehe es ihm nicht darum, persönlich Recht zu bekommen, schreibt Küng. Vielmehr stehe das Wohl der Kirche und der Ökumene auf dem Spiel. Die Diskussion darüber sei zuletzt verschwunden. Viele katholische Theologen hätten sich aus Angst vor Sanktionen kaum mehr kritisch mit der Materie beschäftigt: "Und die Hierarchie versucht, das in Kirche und Gesellschaft unpopuläre Thema nach Möglichkeit zu vermeiden." Die antimoderne Epoche, die das Konzil von 1869/70 eingeleitet habe, sei endgültig abgelaufen.

Im Rahmen seiner "Sämtlichen Werke" ist im Herder-Verlag jüngst der fünfte Band erschienen, der Küngs Texte zum Thema Unfehlbarkeit enthält. Das Buch wolle er dem Papst an die Hand geben, um eine "freie, unvoreingenommene und ergebnisoffene Diskussion" zu ermöglichen, "nicht zur Zerstörung, sondern zur Auferbauung der Kirche", schreibt der Theologe. Zwar sei die Frage nicht über Nacht lösbar. Doch wenn Franziskus sie anstoßen würde, wäre dies für ihn die "Erfüllung einer nie aufgegebenen Hoffnung".

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