HINTERGRUND: Die meisten Opfer in Pakistan
Heidelberg. Im Jahr 2010 gab es im Vergleich zum Vorjahr weltweit weniger Kriege. Experten registrierten 28 kriegerische Konflikte weltweit.
Die Zahl der Kriege und gewaltsamen Konflikte ist laut aktuellem "Konfliktbarometer" in diesem Jahr weiter zurückgegangen. Von insgesamt 363 Krisen seien 28 als hochgewaltsame Konflikte und sechs davon als Kriege einzustufen, teilte das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) gestern mit. Es arbeitet als gemeinnütziger Verein am Institut für Politikwissenschaften der Uni Heidelberg.
Der Rückgang sei jedoch kein Grund für Optimismus, betonten die Forscher. 2009 zählte das Institut noch insgesamt 33 schwere Konflikte und davon neun Kriege, 2008 waren es 39. Weggefallen sind mittlerweile Konflikte unter anderem in Sri Lanka, Jemen und Nahost.
In Pakistan habe der Krieg gegen die Taliban 2010 etwa 6800 Menschenleben gefordert und damit über 2000 mehr als im Vorjahr. Bei Kämpfen zwischen Taliban und der afghanischen Regierung seien über 1200 Zivilisten sowie fast 700 Soldaten der internationalen Truppen gestorben. Dies sei die höchste internationale Opferzahl seit Beginn des US-amerikanischen Einsatzes in Afghanistan 2001.
Im Irak hingegen seien bei Anschlägen durch militante sunnitische Gruppierungen mehr als 3000 Menschen ums Leben gekommen. Bei Auseinandersetzungen zwischen militanten islamistischen Gruppierungen und der somalischen Regierung starben den Forschern zufolge in Mogadischu zwischen Januar und Oktober rund 2200 Zivilisten.
In der sudanesischen Region Darfur wurden allein im Mai etwa 440 Menschen getötet. Die Auseinandersetzungen zwischen Drogenkartellen und der mexikanischen Regierung eskalierten zum ersten Krieg der Region Nord- und Südamerika seit 2003.
Mit jeweils neun hochgewaltsamen Konflikten sind der Vordere und Mittlere Orient sowie Asien und Afrika südlich der Sahara die meistbetroffenen Regionen der Erde. Dabei stünden die Konflikte in vielfältigen Zusammenhängen miteinander, beispielsweise durch Schmuggel von Waffen, Drogen oder Rohstoffen oder eine transnationale Zusammenarbeit von bewaffneten Gruppierungen.
"Aus dem zahlenmäßigen Rückgang der hochgewaltsamen Krisen kann man deshalb nicht schließen, dass die Welt friedlicher geworden ist", sagte HIIK-Vorstandsmitglied Lotta Mayer. Seit 1991 publiziert das Heidelberger Institut jährlich das "Konfliktbarometer" als zusammenfassende Betrachtung des weltweiten gewaltlosen und gewaltsamen Konfliktgeschehens.
info www.hiik.de
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Autor: SWP | 16.12.2010
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