Geschacher hinter den Kulissen
Handel mit Tierprodukten ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, sagt Ralf Sonntag, Deutschland-Direktor des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW). Dafür wollen manche Länder den Artenschutz opfern.
Die Doha-Konferenz soll Tier- und Pflanzenarten unter Schutz stellen. Was bedeutet das in der Praxis für die Tiere?
RALF SONNTAG: Das internationale Artenschutzabkommen legt fest, ob und unter welchen Bedingungen die Arten gehandelt werden dürfen. Entweder es ist überhaupt kein Handel erlaubt oder nur ein sehr beschränkter. Der Handel mit Wildtieren und deren Produkten - Elfenbein von Elefanten, Haifleisch als Delikatesse oder Tiger zur Herstellung von Tigerprodukten - reduziert die Artenvielfalt enorm.
Werden solche Verbote überhaupt eingehalten?
SONNTAG: Das ist von Land zu Land unterschiedlich. Teils wird weiterhin viel geschmuggelt, etwa Elfenbein aus Tansania. Das Abkommen ist dennoch wirkungsvoll: 1989 wurde das Elefanten-Handelsverbot beschlossen, was vielen Elefantenpopulationen wohl das Überleben gerettet hat.
Welche Größenordnung hat der Handel mit Wildtieren?
SONNTAG: Nach einer UN-Schätzung geht es dabei jährlich um 15 Milliarden Euro weltweit - vergleichbar dem Waffenhandel oder der internationalen Prostitution.
Was sind die Folgen, wenn eine Tierart ausstirbt?
SONNTAG: Je mehr Arten in einem Ökosystem leben, umso besser ist es. Jede Art hat in der Natur eine Funktion.
Um was geht es auf der Artenschutzkonferenz?
SONNTAG: Manche Arten sollen neu unter Schutz gestellt werden. Es gibt aber auch Vorschläge, den Schutz anderer zu lockern, weil sie sich erholt haben. Gefährlich ist jetzt der Versuch von Tansania und Sambia, den Status der Elefanten herunterzustufen. Dafür wird massiv gekämpft, es bilden sich Koalitionen einzelner Länderblocks.
Welche Länder sind Vorreiter beim Artenschutz, welche bremsen?
SONNTAG: Zufrieden sind wir momentan mit Deutschland, die EU aber ist noch zerstritten. Japan will den Schutz bedeutender Tiere lockern, etwa von Haien, Walen und Elefanten. Ähnlich ist es mit China. Die USA setzen sich für die Haie ein, bei den Elefanten sind sie noch unentschlossen.
Welche Länderblöcke gibt es?
SONNTAG: Die EU ist mit ihren 27 Mitgliedern und damit auch Stimmen sehr bedeutend. In Afrika gibt es zwei gegensätzliche Gruppen: 23 Staaten Westafrikas wollen als "African Elefant Coalition" die Elefanten besser schützen. Dem steht der so genannte südafrikanische Block gegenüber, der weniger Schutz anstrebt.
Kommt es zu Geschacher und Bündnissen einzelner Blöcke?
SONNTAG: Aber ja, das läuft hinter den Kulissen. Norwegen und Japan etwa stimmen meist mit den Südafrikanern für den Elfenbeinhandel, die südlichen Afrikaner unterstützen die Norweger und Japaner im Gegenzug bei deren Vorstößen zum Walfleischhandel. Auch kauft sich Japan, so sagen wir es, die Unterstützung mancher afrikanischen und Karibik-Länder mit Entwicklungshilfe.
Sind Großkonferenzen dieser Art nicht abzulehnen, wenn dabei solche Praktiken ausgeübt werden?
SONNTAG: Die Konferenzen sind dennoch notwendig, denn ohne sie gäbe es keinen internationalen Schutz bedrohter Arten. Ich wünsche mir aber, dass in den verschiedenen Ländern der Arten- und Naturschutz eine höhere Bedeutung erhält. Dann würde es nicht zu solchen von wirtschaftlichen Interessen geleiteten Hinterzimmer-Absprachen kommen.
Wann ist die Konferenz ein Erfolg?
SONNTAG: Wenn die Elefanten ihren Status behalten, sowie Tiger und bestimmte Haiarten besser geschützt werden.
Wie lautet ihre Prognose?
SONNTAG: Bei allen drei Tierarten wird die Abstimmung knapp und erfolgt erst ganz zum Schluss am letzten Konferenztag.
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Autor: PATRICK GUYTON | 12.03.2010
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Ralf Sonntag: Norwegen und Japan verbünden sich mit südafrikanischen Ländern.
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