Für den raschen Ausstieg kein Netzausbau nötig
Der Atomausstieg ist bis 2015 möglich, sagt Cornelia Ziehm von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Diskussionen über drohende Stromausfälle und steigende Preise hält sie für politisch motiviert.
Was halten sie vom Energiekonzept der Bundesregierung?
CORNELIA ZIEHM: Die gegenwärtigen Überlegungen gehen in die richtige Richtung. Die Bundesregierung will jetzt schneller aus der Atomkraft aus- und zügiger ins Zeitalter der erneuerbaren Energien einsteigen. Wie ernst es der Bundesregierung wirklich ist, hängt allerdings von den konkreten Maßnahmen ab, mit denen sie die genannten Ziele untermauern wird.
Wie schnell kann der Atomausstieg gelingen?
ZIEHM: In vier Jahren, 2015, könnte der letzte Meiler abgeschaltet werden. Technisch ist das machbar, das zeigt auch eine aktuelle Analyse der Universität Flensburg. Wichtig ist, dass der Ausstieg auch juristisch abgesichert ist. Dafür schlägt die DUH die Abkehr von dem System der Reststrommengen, das bislang im Atomgesetz festgeschrieben ist, vor.
Wie soll es stattdessen gehen?
ZIEHM: Die Laufzeiten der 17 deutschen AKW sollten einheitlich auf 28 Kalenderjahre seit Beginn des kommerziellen Betriebs pro Meiler befristet werden. Dann würde 2017 als letztes AKW Neckarwestheim II vom Netz gehen, es hat 1989 den Betrieb aufgenommen. Bei einer Befristung auf 28 Jahre haben sich die Atomkraftwerke amortisiert.
ENBW-Chef Villis warnt vor Stromausfällen wegen des Abschaltens von Atommeilern, weil die Stabilität der Netze nicht gewährleistet sein könnte.
ZIEHM: Das ist eine politisch motivierte Diskussion. Für den schnellen Atomausstieg ist kein Netzausbau erforderlich, das zeigt das Gutachten der Uni Flensburg ganz deutlich. In den meisten Regionen Deutschlands gibt es Überkapazitäten, die etwaige Engpässe in anderen Regionen auffangen können. Dafür sind die erforderlichen Netze vorhanden. Neue Netze brauchen wir nicht für den schnellen Atomausstieg, sondern für den Einstieg in das regenerative Zeitalter.
Für den Atomausstieg und den Umbau der Stromerzeugung müssen viele Gesetze geändert werden. Ist das bis Anfang Juli zu schaffen?
ZIEHM: Die Bundesregierung hat sich ein sehr ehrgeiziges Programm vorgenommen. Allerdings braucht es für den Ausstieg aus der Atomkraft zunächst keine neue Leitungen und damit auch nicht sofort ein neues Gesetz für den Stomnetzausbau. Viele Gesetze, ob zum Ausbau der Stromnetze oder für den Strom aus regenerativen Quellen müssen geändert und angepasst werden. Das muss aber nicht alles bis zum 8. Juli passieren. Stattdessen sollte man lieber zurückkehren zu einer guten Gesetzgebung und Gesetze nicht überhastet erarbeiten.
Aber für den Ökostrom aus den Windparks fernab der Ballungszentren werden auf Dauer schon neue Leitungen gebraucht?
ZIEHM: Selbstverständlich werden auf Dauer neue Leitungen nötig, um den in Zukunft in großen Mengen produzierten Strom aus erneuerbaren Quellen zu transportieren.
Wird Strom in Zukunft teurer?
ZIEHM: Die Preisdebatte ist wie die über die Versorgungssicherheit eine politische Debatte. Ob die Preise ansteigen und, wenn ja, in welcher Höhe, hängt maßgeblich von den Annahmen ab, wie die Energiewende ausgestaltet wird. Diese Annahmen werden jetzt erst festgelegt. Die Zahlen über die Preise, die jetzt diskutiert werden, sind reine Spekulation.
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Autor: PETER BUYER | 10.05.2011
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Atomkraftwerke haben sich nach 28 Jahren amortisiert, sagt Cornelia Ziehm.
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