Foltervorwürfe gegen Prinz von Bahrain

Die britische Justiz ermittelt gegen einen Prinzen des arabischen Königreichs Bahrain. Der 27-Jährige, der sich oft in London aufhält, hat nach Angaben von Opfern im Jahr 2011 Regime-Kritiker misshandelt.

MARTIN GEHLEN |

Der königliche Spross mag Großbritannien. Egal ob zu Pferde oder in einer PS-starken Nobelkarosse, wenn es dem bahrainischen Prinzen Nasser bin Hamad al-Khalifa daheim zu heiß wird, lässt er sich in "seine zweite Heimat" London fliegen, um auszureiten und auszuspannen. Damit dürfte es jetzt erstmal vorbei sein für den Absolventen der Militärakademie Sandhurst, an der er wie viele andere arabische Königssöhne das Kriegshandwerk lernte.

Nach dem Willen des High Court in London kann Scotland Yard jetzt Ermittlungen gegen den Viertgeborenen des Herrschers von Bahrain einleiten, weil er keine Immunität besitzt. Der passionierte Turnierreiter, Chef der königlichen Palastwache, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees und Chef des Obersten Rates für Jugend und Sport in Bahrain steht im Verdacht, wie vier weitere Mitglieder der Königsfamilie, in den ersten Monaten des Arabischen Frühlings 2011 politische Gefangene gefoltert zu haben. Sollte in Großbritannien Anklage erhoben werden, müsste der 27-Jährige in ganz Europa mit seiner Festnahme rechnen.

"Weißt du, wer vor Dir steht", herrschte er damals im unterirdischen Al Qalah-Verlies der Staatssicherheit in Manama den schiitischen Kleriker Mohammed Habib al-Muqdad an, der auch die schwedische Staatsbürgerschaft besitzt und inzwischen von bahrainischen Gerichten zu insgesamt 96 Jahren Haft verurteilt worden ist. "Als Du draußen vor dem Safriya-Palast demonstriert hast, waren wir nur durch eine Mauer getrennt", schrie der jähzornige Prinz, dann ohrfeigte und verprügelte er den gefesselten Wehrlosen. Den Gefangenen Abdulla Isa Al-Mahroos zwang er, den Mund zu öffnen, und spuckte ihm ins Gesicht. Sieben Tage lang wurde der betagte Geistliche schwer gefoltert, der zu 15 Jahren Haft verurteilt ist. Dem bekannten Menschenrechtler Mohammed Hassan Jawad hieb Prinz Nasser mit einem Schlauch so lange auf den Kopf, bis der 63-Jährige zusammenbrach. Dann traktierte er den Liegenden mit Tritten in den Rücken, während er Verwünschungen ausstieß gegen alle Schiiten und ihre Prediger. "Die Folter dauerte fast einen halben Tag", erinnert sich der Gequälte später, der ebenfalls eine 15-jährige Haftstrafe absitzt.

In den gleichen Tagen hatte Prinz Nasser als Präsident des Nationalen Olympischen Komitees in einem Interview alle Sportler des Landes, die sich an den Demonstrationen beteiligten, beschimpft und bedroht. "Ihr werdet uns nicht entkommen, Bahrain ist eine überschaubare Insel. Jeder, der den Sturz der Regierung fordert, dem wird eine Mauer auf den Kopf fallen." Unmittelbar danach begann eine Hetzjagd auf prominente Sportler, mehr als 150 Athleten wurden verhaftet, gefoltert, von ihren Arbeitgebern gefeuert oder vom Verband gesperrt.

Und so dürfte der Fall auch Weiterungen haben für die internationale Welt des Sports. Erst vor einem Jahr hat der damals frisch gewählte IOC-Präsident Thomas Bach den jahrzehntelang propagierten Grundsatz für überholt erklärt, Sport und Politik seien getrennt. So, wie die Fußball-WM 2022 in Katar jetzt wegen Sklavenarbeitern auf den Großbaustellen weltweit in der Kritik steht, muss sich nun auch das IOC fragen lassen, ob es Funktionäre, denen schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen werden, weiter in ihren Reihen dulden will. Für Sayed Alwadaei, Direktor des Instituts für Recht und Demokratie (BIRD), ist die britische Gerichtsentscheidung jedenfalls ein Sieg für das bahrainische Volk. "Der Tag, an dem Täter zur Rechenschaft gezogen werden, ist in Bahrain angebrochen."

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