Festnahmen bei landesweiten Protesten gegen Putin

Moskau.  Tag der Wut» in Russland: Tausende Demonstranten haben mit Rücktrittsforderungen gegen Regierungschef Wladimir Putin ihrem Ärger über zunehmende soziale Ungerechtigkeit Luft gemacht.

Allein in den Städten Moskau, St. Petersburg, Wladiwostok und Kaliningrad seien am Samstag insgesamt rund 10 000 Anhänger der Opposition auf die Straße gegangen, berichtete die Internetseite kasparov.ru. Bei den Protesten, von denen einige nicht von den Behörden genehmigt worden waren, sei es zu vielen Festnahmen durch Sondereinheiten der Polizei gekommen. Zu den Demonstrationen unter dem Motto «Tag der Wut», die in 50 Städten stattfinden sollten, hatten Kommunisten sowie Regierungskritiker und Menschenrechtler aufgerufen.

In Moskau wurden bei einer unerlaubten Veranstaltung mindestens 60 Teilnehmer festgenommen. Die meist jugendlichen Demonstranten seien grob in Polizeibusse gestoßen worden, sagte der Menschenrechtler Lew Ponomarjow nach Angaben der Agentur Interfax. «Wie in Russland allgemein mit Demonstrationen umgegangen wird, das erinnert schon an den Iran», klagte der Chef der Menschenrechtsorganisation Memorial, Oleg Orlow. Auch aus dem nordrussischen Archangelsk sowie aus Nowosibirsk und Irkutsk in Sibirien wurden Festnahmen gemeldet. In der Wolga-Stadt Kasan rund 800 Kilometer östlich von Moskau sagte eine Demonstrantin, sie beziehe umgerechnet nur 139 Euro Rente. «Da lasse ich mich lieber ins Gefängnis sperren und stricke dort Handschuhe.»

In der Stadt Kaliningrad, dem früheren Königsberg, protestierten rund 5000 Demonstranten vor allem gegen die Regionalregierung. Bei der Kundgebung mahnten Sprecher sofortige Reformen in der Ostsee- Exklave an, in der vor kurzem bereits 12 000 Menschen demonstriert hatten. In der zweitgrößten russischen Stadt St. Petersburg riefen Teilnehmer den gebürtigen Petersburger Putin zum Rücktritt auf. Der Regierungschef unternehme nichts gegen Arbeitslosigkeit, Korruption und Polizeiwillkür, klagten Vertreter der liberalen Jabloko-Partei.

Erst am vergangenen Wochenende hatten Millionen Russen bei Kommunalwahlen ihrem Ärger über steigende Preise, geringe Löhne und die hohe Arbeitslosigkeit Luft gemacht. Vielerorts musste die von Ex- Kremlchef Putin geführte Partei Geeintes Russland heftige Einbußen hinnehmen, auch wenn sie am Ende die Macht fast überall behielt.


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20.03.2010

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