FREMDE FEDER CHRISTOPH THEN: Gentechnik bleibt ein Thema

Das Unternehmen BASF hat diese Woche angekündigt, seine Abteilung zur Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen in die USA zu verlagern. In Europa hat die deutsche "Gen-Kartoffel" also ebenso wenig überzeugt wie der "Gen-Mais" aus den USA.

Um das Gewicht dieser Entscheidung abzuschätzen, sei an den Fall der Firma Hoechst aus dem Jahr 1988 erinnert: Damals entschied der Konzern, mit der Freisetzung von gentechnisch veränderten Raps nach Nordamerika zu gehen. Die Gesetze in Europa waren ihm zu strikt. In den USA und Kanada breitet sich transgener Raps inzwischen unkontrolliert aus. Es gibt keine realistische Möglichkeit, ihn jemals aus der Umwelt zurückzuholen.

Ökologischer Landbau kann in vielen Regionen Nordamerikas nicht mehr betrieben werden. Landwirte und Verbraucher sind in ihrer Wahlfreiheit dauerhaft eingeschränkt. Dieser Raps wird auch in einigen hundert oder tausend Jahren noch wachsen. Hoechst gibt es jetzt schon nicht mehr.

Unabhängig von BASF wird Europa sich weiter mit der Agro-Gentechnik befassen müssen. Denn zeitgleich zur Ankündigung des Konzerns wurde in Brüssel über die Zulassung von vier Varianten gentechnisch veränderter Sojabohnen abgestimmt, die als Futter- und Lebensmittel nach Europa importiert werden sollen. Die Pflanzen sind gegen mehrere Spritzmittel resistent.

Mit dem Anbau dieser Pflanzen wird unter anderem die Zerstörung von Regenwald, die Bedrohung der biologischen Vielfalt, die massive Ausbringung von Unkrautvernichtungsmitteln und die gesundheitliche Gefährdung von Landwirten in Verbindung gebracht. Die Anwendung von manchen der Spritzmittel, die auf diese Pflanzen gesprüht werden und die als Rückstände in den Pflanzen enthalten sind, ist in Deutschland bereits verboten oder soll schon bald verboten werden. Das alles spielte bei der Risikoprüfung jedoch keine Rolle.

Auch die deutsche Verbraucherministerin Ilse Aigner, die derzeit auf der Grünen Woche in Berlin Hof hält, hat für die Zulassung der Sojabohne gestimmt. Deswegen ist zu erwarten, dass schon bald noch mehr gentechnisch verändertes Soja in den Futtertrögen landen wird. Für Verbraucher und für die Demonstranten, die sich heute in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt" versammeln, um gegen die industrielle Landwirtschaft und für einen Ausstieg aus der Gentechnik zu protestieren, hat sich das Thema Gentechnik mit der Entscheidung von BASF also keineswegs erledigt.

Info Dr. Christoph Then ist Geschäftsführer des Vereins Testbiotech und Berater von Greenpeace.


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Autor: SWP | 21.01.2012

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