Ein verlässlicher Partner auf Abwegen
Deutschlands Sonderweg in der Libyen-Frage sorgt für Irritationen in Brüssel. Eine echte gemeinsame EU-Außenpolitik scheint illusorischer denn je.
Wie kein anderes EU-Mitgliedsland hat Deutschland bislang eine gemeinsame europäische Außenpolitik vorangetrieben. Doch nach der Enthaltung im UN-Sicherheitsrat hinsichtlich eines Eingreifens in Libyen steht die Bundesregierung plötzlich als Spaltpilz da. Der sonst so verlässliche Partner scheint auf Abwegen.
Um aber gar nicht erst den Eindruck aufkommen zu lassen, die EU sei außenpolitisch nicht handlungsfähig, plant Brüssel bereits eine humanitäre Mission im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, mit der man die Flüchtlinge an Libyens ägyptischer und tunesischer Grenze schützen will. Auch die Kritik an Deutschland hält sich von offizieller Seite in Grenzen. Es sei schließlich nicht das erste Mal, dass man in der EU nicht einer Meinung sei, heißt es bei der französischen Botschaft in Brüssel.
Andere stört Deutschlands Alleingang mehr: "Es ist bedauerlich, dass erneut eine gemeinsame europäische Position in einer außenpolitischen Schlüsselfrage verhindert wurde", sagt Franziska Brantner, Europaabgeordnete und Außen-Expertin der Grünen. EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton moniert Europas Auftreten insgesamt: "Koordinierung ist nicht das eigentliche Problem. Das Problem sind die unterschiedlichen Meinungen." Unterschiedliche Meinungen, die nur zu oft auf kaum zu vereinbaren Ansichten über die EU-Außenpolitik basieren. Aus Großbritannien und Frankreich, die nun im Libyen-Einsatz das Heft in der Hand halten, kommen traditionell mehr Vorbehalte gegenüber einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik. Deutschland hatte sich hingegen zuletzt immer wieder für die Koordinierung der Verteidigungspolitik eingesetzt und für europäische Streitkräfte geworben.
Auch deshalb verstehen viele EU-Politiker Deutschlands Enthaltung nicht. Der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff sagt: "Die Abstimmung im Sicherheitsrat war eine Ausnahme davon wie Deutschland normal in der Außenpolitik gesehen wird."
Eine Ausnahme mit Folgen: Hinter vorgehaltener Hand sprechen französische Politiker Tacheles. "Angela Merkel wird dafür noch sehr lange bezahlen müssen", zitierte die Zeitung "Le Parisien" einen französischen Diplomaten.
Weitere Artikel:
- Minister ohne Ansehen
- Von mangelnder Solidarität und fehlender Reife
- Chance für ein Signal an Despoten verpasst
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: HANNA ROTH | 25.03.2011
| Artikel twittern |
|
|
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Versöhnung steht aus
Auch zwei Monate nach dem gewaltsamen Ende von Muammar al-Gaddafi kommt das Land nicht zur Ruhe. In Tripolis lieferten sich Rebellen und Armeeeinheiten kürzlich blutige Feuergefechte. Die meisten Kämpfer im Land weigern sich, ihre Waffen abzugeben.... mehrIm Innern zerrissen
Auf über 5000 Tote schätzt die UN-Menschenrechtskommissarin inzwischen die Zahl der Opfer in Syrien, darunter 300 Kinder.... mehrSTICHWORT · JEMEN: Ein gespaltenes Land
Seit Beginn der Massenunruhen in der arabischen Welt hat der seit 1978 im Jemen regierende Präsident Ali Abdullah Salih die Proteste Hunderttausender Regimegegner mit brutaler Gewalt niederschlagen lassen. Bei Kämpfen zwischen regimetreuen Kräften und der Opposition starben zahlreiche Zivilisten.... mehr
Jemens Präsident Salih gibt auf
Sanaa/Riad/Istanbul Nach zehn Monaten Krise gibt es im Jemen Hoffnung auf Wandel. Präsident Salih ist nach 43 Jahren Herrschaft zurückgetreten. Er wird wohl ins Exil in die USA gehen und hinterlässt ein Land mit ungewisser Zukunft.... mehrUno lobt Vorstoß gegen Syrien
New York UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Beschluss der Arabischen Liga begrüßt, die Mitgliedschaft Syriens auszusetzen. Dies sei eine starke und mutige Entscheidung, sagte Ban gestern. Er rief die syrische Führung auf, "unverzüglich die Gewalt der Armee gegen Zivilisten zu beenden".... mehr
Araber isolieren Assad-Regime
Kairo Im Arabischen Frühling hat die Arabische Liga kaum eine Rolle gespielt. Jetzt ist Herbst und sie will mitmischen. Am Beispiel Syriens soll bewiesen werden, dass sie Konflikte lösen kann.... mehrMEISTGELESENE ARTIKEL
Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil
Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

ZURÜCK