Düfte verbreiten gute Laune

Angenehme Gerüche mag jeder. Sie können schlechte Gedanken vertreiben, beruhigen oder erotisieren. Odo 7 ist Aroma-Jockey. Er stimuliert Menschen durch Duftstoffe: in Clubs, bei Events jeder Art.

Der Musik-Sender MTV hatte die Großen des Showgeschäfts nach Berlin geladen, um sie mit den MTV-Awards auszuzeichnen. Beyconé, Lady Gaga, U2 und Tokio Hotel - alle nahmen im Spätherbst ihre Trophäen in Empfang, nicht ohne eine Kostprobe ihres Könnens zu geben. Gesehen und gehört zu werden, darum ging es den Künstlern ganz im traditionellen Stil. Einen ganz neuen zeigte Odo 7 bei der Aftershow-Party. Der Aroma-Jockey legt Düfte auf, Ventilatoren verteilen sie - und die angenehmen Gerüche verzaubern die Gäste. "Ich stimuliere Menschen", sagt er.

Der Grund dafür liegt inmitten des Gehirns, dem limbischen System, das durch Faserbündel mit anderen Hirnregionen verbunden ist. Dort werden angeborene Trieb- und Instinkthandlungen ausgelöst, Erinnerungen und Emotionen erzeugt. Odo 7 stimuliert dieses System, mit Cardamon, Zedernspänen und Sandelholz. Die Stoffe beeinflussen unsere Gemüter. "Mit Gerüchen lässt sich eine Weltreise illustrieren, lassen sich Stimmungen löschen und neu erzeugen und sie erregen sexuell", ist Odo 7 überzeugt.

Als Erich Berghammer noch keinen Künstlernamen trug, lebte er als Grafik-Designer in Österreich und illustrierte Kinderbücher. Irgendwann hatte er keine Lust mehr auf Farbe und suchte etwas Neues. Das stieg ihm auf einem überfüllten Konzert direkt in die Nase: übler Geruch von schwitzenden Menschen, Zigarettenqualm und abgestandenem Bier. "Von dem Augenblick an war mir klar, dass ich mit Duftstoffen arbeiten will." Das war vor 2002, und aus Erich Berghammer wurde in Amsterdam Odo 7. Das Kunstwort setzt sich aus dem französischen Wort Odeur (Geruch) und der Zahl sieben zusammen. "Die Stadt hat eine große Kunst- und Clubszene, ist offen für neue Dinge. Nur hier konnte ich meine Ideen entwickeln und verwirklichen."

Die Rechnung des heute 42-Jährigen ging auf und sein erster Auftraggeber war der Amsterdamer Club Paradiso. Seine Auftritte zogen eine Duftfahne rund um die Welt, inzwischen legt Odo 7 überall Duftnoten aus. Clubbetreiber, Eventmanager und die Industrie haben erkannt, dass der so wichtige Geruchsinn bisher völlig vernachlässigt wurde.

Um eine neue Duftwelt zu kreieren, erhitzt der Geruchsmagier Wasser über Kochplatten und tropft ätherische Öle oder selbstgemachte Parfüms hinein, zündet Räucherstoffe an oder sprüht Düfte direkt in die Ventilatoren. Sie verteilen die Gerüche. Sie wirken sofort, weil das limbische System direkt mit den Geruchsrezeptoren in der Nase verbunden ist. Je nach Wirkung, die der Aroma-Jockey erzielen will, wählt und kombiniert Odo 7 die Düfte. "Frauen sind sehr emotional und anders zu stimulieren als Männer, aber beide Geschlechter lieben angenehme Gerüche." Wie Düfte wirken, lässt sich allein schon in Gedanken feststellen: Auch wenn der Hunger noch so groß ist, in einem Lokal, in dem es nach Erbrochenem riecht, vergeht jedem der Appetit.

Odo 7 arbeitet nur mit angenehmen Gerüchen und ausschließlich mit natürlichen Stoffen. Synthetische Aromen lehnt er völlig ab, weil sie keinerlei Wirkung haben. Er hat es ausprobiert, denn ein Lehrbuch über seine Arbeit gibt es nicht. "Einiges habe ich aus der Aromatherapie übernommen. Ich arbeite aber mit viel mehr Stoffen, deshalb beruht mein Wissen vor allem auf Erfahrung."

Schon seit Jahrhunderten weiß die Menschheit um die Kraft der Gerüche und hat deren Wirkung genutzt etwa bei religiösen Ritualen oder Festen. Odo 7 holt die alten Weisheiten zurück. Denn auch heute noch wirken Ambra und Sandelholz erotisierend. Und er verbindet seine Kunst mit Musik und Show. "Je nach Ort und Publikum entwickle ich ein ganz spezielles Duftkonzept, fein abgestimmt mit der Musik oder Lichtshow." Alles muss zusammen passen, das erhöht die Wirkung der Sinne. In Clubs verwendet er deshalb häufig Zitrusdüfte. "Sie haben eine sehr belebende Wirkung und verbreiten gute Stimmung."

Den Duft von Cardamon, Nelken und Orangenschalen versprühte er bei einer "Jägermeister Dance Attack" in Berlin. Mit dem Engagement des Duftkünstlers will der Hersteller von Hochprozentigem seinen Absatz fördern. Logisch, dass der Schnaps nach den drei Stoffen riecht, die Odo 7 an seinem Kräuterpult aufgelegt hat. Ganz einfach wäre es für ihn, den Absatz von Erdbeermarmelade in die Höhe zu treiben: es müsste nur am Regal im Supermarkt nach den Früchten riechen und schon stünde das Glas im Einkaufswagen. Dass er bei der Premiere des verfilmten Bestsellers "Das Parfüm" für dufte Stimmung sorgte, scheint nur allzu logisch.

"Ich war ein Exote, inzwischen gibt es viele, die mich kopieren." Odo 7 ist überzeugt, ein Bewusstsein für etwas Neues geschaffen zu haben, das nun für immer bleiben wird: die bewusste Stimulation mit Gerüchen in Kombination von Sehen, Hören und Riechen.


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Autor: PETER ILG | 10.03.2010

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