Der Macher des deutschen Kinos

Der bedeutendste Macher des deutschen Kinos ist tot. Der 61-jährige Produzent Bernd Eichinger erlag am Montag in Los Angeles während eines Essens einem Herzinfarkt, wie seine Familie gestern Abend mitteilte.

Diese Mann stand für das deutsche Kino der vergangenen vier Jahrzehnte wie kein anderer. Dieser Mann produzierte Wenders, Reitz und Kluge. Er machte mit "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" Schlagzeilen. Er brachte "Die unendliche Geschichte" auf die Leinwand und spielte spätestens seit "Der Name der Rose" im internationalen Kino mit. Er produzierte seichte, aber enorm erfolgreiche Unterhaltung ("Manta, Manta"), aber auch ambitionierte Literaturverfilmungen ("Letzte Ausfahrt Brooklyn") und gewann viele renommierte Preise. Er stemmte mit "Der Untergang", "Das Parfüm" und "Der Baader Meinhof Komplex" die ganz dicken Brocken im deutschen Kino der letzten Jahre und mischte zugleich in Hollywood mit. So groß wie Bernd Eichinger war im deutschen Kino kein anderer.

Instinktsicher, machtbewusst, einflussreich, risikofreudig, schöpferisch, stur - um den 1949 in Neuburg an der Donau geborenen, streng katholisch erzogenen Eichinger zu umschreiben, sind viele Adjektive nötig. Und Superlative. Wer hätte außer ihm hätte es gewagt, Hitlers letzte Tage zugleich als nüchterne Chronik und doch als, ja, Unterhaltung wie in "Der Untergang" auf die Leinwand zu bringen? Gewiss, der Regisseur des Films hieß Oliver Hirschbiegel, doch wenn auf einem Filmplakat "Eichinger" zu lesen war, dann war im Film auch Eichinger drin. Zumal er im Fall des "Untergangs" auch selbst das Drehbuch auf der Basis von Joachim Fests Buch geschrieben hatte. Denn Eichinger war mehr als ein Geldgeber und Organisator - er hatte sein Handwerk von 1970 bis 1973 auf der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film gelernt, war eben nicht nur Produzent, sondern auch Autor und Regisseur.

Infolgedessen tragen eben fast alle seine Produktionen seinen Stempel. Als Eichinger es nach Jahren der Überredungsversuche und wohl auch dank nicht eben bescheidener Schecks schaffte, dass Patrick Süskind seinen Jahrhundertroman "Das Parfüm" verfilmen ließ, engierte er Tom Tykwer als Regisseur. Der galt als Aushängeschild des anspruchsvollen, eigenständigen deutschen Kinos - und doch ist der fertige Film von vorn bis hin kein Tykwer-, sondern ein Eichinger-Film. Der hatte ein sattes Budget, Weltstars wie Dustin Hoffman und grandiose Drehorte möglich gemacht, und nun sollte eben auch kein Kunstfilm, ein sondern ein gut konsumierbarer Unterhaltungsstreifen für den Weltmarkt herauskommen.

Und für den Markt hatte er ein Gespür - für die großen Themen der Zeit, aber auch für die richtige Verpackungen, um sie einem Millionenpublikum vorzusetzen. Ein Beispiel dafür ist Edgar Reitz Fernsehtriumph "Heimat". Mit dem hatte Eichinger während der Entstehung fast nichts zu tun, doch als Reitz ihm die fertige Serie zeigte, fand er keinen geeigneten Titel. Eichinger rief: "Das musst du ,Heimat nennen!" Reitz schreckte vor dem historisch belasteten Begriff zurück, doch Eichinger insistierte - und investierte 50 000 Mark in die Premiere. Der Rest ist, in diesem Fall wahrlich, Geschichte.

Eichinger arbeitete bereits während seines Studiums in den frühen 70ern als Aufnahmeleiter bei der Bavaria und gründete 1974 seine eigene Produktionsfirma Solaris, die vor allem Autorenfilme herausbrachte. 1979 erwarb er ein Viertel der angeschlagenen Verleihfirma Constantin Film und wurde zum geschäftsführenden Gesellschafter der Neue Constantin Film, die er durch tüchtigen Filmeinkauf und das Verleihgeschäft zum Branchenriesen ausbaute. Und von da an war er auch als Produzent gleichermaßen national und internationalen tätig. Nur einige Erfolgstitel: "Salz auf unserer Haut", "Fräulein Smillas Gespür für Schnee", "Der bewegte Mann", "Das Superweib", "Das Geisterhaus", "Nirgendwo in Afrika", "Elementarteilchen". . . Er sei "filmsüchtig", sagt Eichinger über sich selbst. Zwei, drei Filme pro Nacht anschauen, war nie ein Problem für den Adrenalinjunkie.

Eichinger - der mit Hannelore Elsner, Barbara Rudnik, Katja Flint, Corinna Harfouch und anderen Filmschönen liiert war - hinterlässt seine Ehefrau Katja und eine Tochter, die Moderatorin Nina Eichinger.

"Mit Bernd verlieren wir einen Freund und Weggefährten", verlautbarte gestern die Constantin Film, "unsere Trauer und den Schmerz kann man nicht in Worte fassen." Der plötzliche Tod von Bernd Eichinger ist ein unfassbarer Verlust für den ganzen deutschen Film.


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Autor: MAGDI ABOUL-KHEIR | 26.01.2011

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